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Stand: 15.09.2026

Gefälschtes Euronews-Video: Keine toten NATO-Soldaten in Lettland

Falsch

Link Beschreibung

Mimikama prüft am 14. September 2026 ein Video im Design von Euronews, laut dem ein ukrainischer Soldat bei der NATO-Übung "Baltic Trust 26" in Lettland drei Soldaten erschossen und sich anschließend selbst getötet habe. Der gesicherte deutschsprachige Beitrag auf X vom 14. August zeigte zum Zeitpunkt der Sicherung 1,2 Millionen Aufrufe. Euronews hat das Video nie produziert, die lettischen Streitkräfte und die ukrainische Botschaft in Lettland widersprachen noch am selben Tag. Echt ist nur die Übung selbst.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Nach Angaben der lettischen Streitkräfte fand die Übung "Baltic Trust 26" vom 3. bis 14. August 2026 auf dem Truppenübungsplatz Sēlija in Lettland statt, mit rund 650 Teilnehmenden aus Lettland, weiteren NATO-Staaten und Partnerländern, darunter die Ukraine, Australien und Japan (Stellungnahme der lettischen Streitkräfte auf X, 14. August 2026). Schwerpunkt war laut Euronews die Abwehr unbemannter Luftfahrzeuge.

Im gefälschten Video erscheinen ein lettischer Ortsname und das Datum 13. August 2026, dazu die Schlagzeile, ein ukrainischer Soldat habe drei NATO-Soldaten erschossen. Verbreitet wurde es unter anderem über den deutschsprachigen X-Account "Daniel Gugger 888", dessen archivierten Beitrag Mimikama dokumentiert. Derselbe Account hatte zuvor bereits ein Falschvideo zu angeblichem Wahlbetrug bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg verbreitet; dort ordnete ihn CORRECTIV als Account ein, der regelmäßig prorussische Desinformation streut. Das belegt nur die Verbreitung, nicht die Herstellung: Wer ein Video teilt, muss es nicht selbst produziert haben.

Noch am 14. August 2026 widersprachen die Betroffenen. Die lettischen Streitkräfte erklärten in ihrer Stellungnahme auf X (aus dem Lettischen übersetzt), es handle sich um eine koordinierte Desinformationskampagne: Ein solcher Vorfall habe nicht stattgefunden, die Übung verlaufe ohne Zwischenfälle, und das sei ein weiteres klares Beispiel für den Versuch, die Streitkräfte und die NATO zu diskreditieren. Die Botschaft der Ukraine in Lettland erklärte am selben Tag, die lettische Seite habe Anzeichen für eine koordinierte Verbreitung über künstlich angelegte Social-Media-Konten und gefälschte Materialien festgestellt, die das Erscheinungsbild bekannter internationaler Medien nachahmten.

Euronews selbst stellte in einem Faktencheck vom 7. September 2026 klar, den Beitrag nie produziert oder veröffentlicht zu haben: Euronews: Gab es tödliche Schüsse bei einer NATO-Übung? (7.9.2026). Euronews zählt für den Beitrag mehr als zwei Millionen Aufrufe. Mimikama weist darauf hin, dass sich diese Zahl aus verschiedenen Konten und Abrufzeitpunkten zusammensetzt und deshalb kein vollständiges Reichweitenbild ergibt; für den einen dokumentierten Beitrag hat Mimikama selbst 1,2 Millionen Aufrufe gesichert. Auch der dpa-Faktencheck kam am 11. September 2026 zum selben Ergebnis: dpa-Faktencheck: Keine tödlichen Zwischenfälle bei Nato-Übung in Lettland (11.9.2026). Bereits am 14. August 2026 hatte Lead Stories die Behauptung als falsch eingestuft, am 17. August 2026 zog StopFake nach: Die lettischen Streitkräfte hätten bei den verbreitenden Profilen trotz teils verifizierter Konten mit vielen Followern nur ein geringes organisches Engagement festgestellt, woraus StopFake auf ein Propagandanetzwerk schließt.

Wer das Video hergestellt hat, ist öffentlich nicht bekannt. Das polnische Nachrichtenportal TVP World: Latvia debunks video claiming Ukrainian soldier killed NATO troops (21.8.2026) ordnet die Fälschung in ein wiederkehrendes Muster Kreml-naher Profile ein, die mit russischer Propaganda die westliche Unterstützung für die Ukraine untergraben wollen. Eine konkrete Urhebergruppe nennt das Portal nicht, und ein öffentlich nachprüfbarer Beleg für eine russische Urheberschaft liegt nicht vor. Unter den hier genannten Quellen stellen den Russland-Bezug nur TVP World und die lettischen Streitkräfte her, Letztere allein über den Hashtag "#RussiaAlwaysLies" in ihrer Stellungnahme.

Fazit

Die Behauptung ist falsch. Die Übung "Baltic Trust 26" gab es, den Vorfall nicht. Das Video borgt sich nur das Erscheinungsbild von Euronews. Die lettischen Streitkräfte, die ukrainische Botschaft, Euronews selbst und mehrere Faktenchecker widersprechen der Darstellung. Wer das Video hergestellt hat, ist offen.