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Stand: 19.08.2026

Mimikama: Rhein-Bilder von 1949 widerlegen den Klimawandel nicht

Irreführend

Link Beschreibung

Faktencheck von Mimikama vom 18. August 2026 zu einem viralen Instagram-Reel, das Berichte über das aktuelle Rhein-Niedrigwasser als "Lügen" bezeichnet, weil der Rhein 1949 schon fast trocken gelegen habe. Mimikama stuft die Behauptung als irreführend ein: Das Niedrigwasser von 1949 war real, widerlegt aber keinen Klimatrend.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die im Reel zitierte historische Tatsache stimmt im Kern, wird aber falsch eingeordnet. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde dokumentiert am Pegel Lobith für den 8. November 1949 einen Tagesabfluss von 635 Kubikmetern pro Sekunde, ein reales Niedrigwasserereignis. Die amtliche Datenreihe zeigt aber auch, dass 1949 dabei nicht einmal der historische Tiefpunkt war: Der niedrigste je an diesem Pegel gemessene Wert stammt vom 18. Februar 1929 mit 575 Kubikmetern pro Sekunde, auch der 4. November 1947 lag mit 620 Kubikmetern pro Sekunde darunter. Ein einzelnes Jahr taugt damit noch weniger als Vergleichsmaßstab, als das Reel unterstellt.

Der eigentliche Denkfehler liegt in der Beweisführung selbst, und dazu äußert sich die Bundesanstalt für Gewässerkunde ausdrücklich: Einzelne Extremereignisse habe es immer gegeben und werde es immer geben, ein systematischer Klimatrend lasse sich aber nur über eine Auswertung von rund 30 Jahren Messreihe belegen, nicht anhand eines einzelnen historischen Datenpunkts (BfG: Klimawandel und Niedrigwasser). Die Behörde geht davon aus, dass sich Niedrigwassersituationen an den meisten Pegeln erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts spürbar verschärfen, mit einem Rückgang des Niedrigwasserabflusses von 10 bis 20 Prozent gerade am Rhein. Ein Beleg von 1949 kann diese auf Jahrzehnte angelegte Prognose weder stützen noch entkräften.

Auch das aktuelle Niedrigwasser, das dem Reel zufolge frei erfunden sei, lässt sich unabhängig bestätigen: Der amtliche Pegel Bingen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung zeigte am 19. August 2026 einen Wasserstand von 34 Zentimetern, gegenüber dem langjährigen Mittel von 195 Zentimetern und dem mittleren Niedrigwasser von 84 Zentimetern ein extremer Ausreißer nach unten und nahe an dem von Mimikama für den Vortag gemessenen Wert von 37 Zentimetern.

Wie der Klimatrend am Rhein tatsächlich aussieht, hat die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins 2024 für zehn Pegel durchgerechnet. Das Ergebnis ist keine gleichmäßige Austrocknung, sondern eine Verschiebung zwischen den Jahreszeiten: Weil der Rhein zunehmend von Regen statt von Schnee- und Gletscherschmelze gespeist wird, sinkt der Sommerabfluss und steigt der Winterabfluss, während der mittlere Jahresabfluss sich kaum verändert (IKSR: Klimawandelbedingte Abflussszenarien für das Rheineinzugsgebiet, Fachbericht Nr. 297). Für den Pegel Lobith, an dem auch die historischen Tiefstwerte gemessen wurden, sieht das so aus:

Die Werte für die Referenzperiode sind Messwerte, die Zukunftswerte sind aus den Prozentbandbreiten des Berichts auf den jeweiligen Referenzwert umgerechnet. Angegeben ist dabei nicht die volle Spanne aller Modellläufe, sondern nur der Bereich, den alle beteiligten Studien übereinstimmend ausweisen. Für die Niedrigwasserkennzahl NM7Q fällt der Sommerrückgang noch deutlicher aus, bis zum Ende des Jahrhunderts um 17 bis 32 Prozent.

Das erklärt auch, warum ausgerechnet historische Rekorde so schlecht als Gegenbeweis taugen: Die im Netz herumgereichten Tiefstwerte stammen überwiegend aus dem Winterhalbjahr, der 8. November 1949 ebenso wie der 18. Februar 1929. Der erwartete Klimaeffekt betrifft aber vor allem den Sommer. Ein winterliches Extrem von 1929 sagt über einen Sommertrend des 21. Jahrhunderts schlicht nichts aus.

Das Argumentationsmuster, ein einzelnes historisches Extremjahr gegen die aktuelle Berichterstattung auszuspielen, taucht in den vergangenen Wochen wiederholt auf. EIKE stellte dem Kölner Pegelrekord vom August 2026 historische Abflusswerte aus überwiegend winterlichen Niedrigwasserjahren gegenüber, während Tichys Einblick den Pegel Speyer mit dem Rekordwert von 1954 verglich. In beiden Fällen wie im hier geprüften Reel gilt: Ein realer historischer Einzelwert wird richtig zitiert, aber gegen einen Trend in Stellung gebracht, den er allein weder bestätigen noch widerlegen kann.

Fazit

Die Zahl aus dem Reel ist echt, die Schlussfolgerung nicht haltbar. 1949 gab es tatsächlich Niedrigwasser am Rhein, sogar mehrfach noch niedrigeres in den Jahren davor, das ändert aber nichts daran, dass sich ein Klimatrend nur über Jahrzehnte und nicht anhand einzelner historischer Momentaufnahmen zeigen lässt. Mimikamas Einordnung als irreführend ist zutreffend.