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Stand: 28.08.2026

EIKE: Merz habe zum Hürtgenwald-Brand die Unwahrheit gesagt

Irreführend

Link Beschreibung

Beitrag von EIKE vom 27. August 2026, verfasst von Fred F. Mueller. Der Text wirft Bundeskanzler Friedrich Merz vor, bei seinem Besuch im abgebrannten Hürtgenwald am 22. August eine "faktische Lüge" verbreitet zu haben, weil er den Brand mit dem Klimawandel in Verbindung brachte. Als Beleg dient eine Grafik zur deutschen Waldbrandstatistik, der ein Vergleich mit dem weltweiten CO2-Ausstoß gegenübergestellt wird.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Merz zitiert der Beitrag verkürzt, aber nicht verfälschend. In der dpa-Meldung zu dem Termin stehen zwei aufeinanderfolgende Äußerungen: "Wir müssen damit rechnen, dass wir häufiger solche Ereignisse haben. Das ist Klimawandel", und unmittelbar danach: "Und ich will allen Leugnern des Klimawandels sagen: Schauen Sie sich das genau an, was hier passiert ist" Zeit Online: Merz in Waldbrandgebiet: "Das ist Klimawandel" (22. August 2026). dpa fasst den Auftritt im ersten Satz selbst so zusammen, der Kanzler sehe "in dem inzwischen gelöschten Waldbrand in der Eifelgemeinde Hürtgenwald eine Folge des Klimawandels". Der Satz, den EIKE in Anführungszeichen setzt, zieht diese beiden Äußerungen zusammen. Wörtlich gefallen ist er so nicht, erfunden ist er aber auch nicht.

Angreifbar an dem Auftritt ist deshalb etwas anderes, als der Beitrag behauptet. Ein einzelner Waldbrand lässt sich ohne Attributionsstudie nicht kausal dem Klimawandel zuschreiben, und die Brandursache war zum Zeitpunkt des Besuchs ungeklärt; menschliches Fehlverhalten galt als möglicher Auslöser. Gerade diesen Brand "allen Leugnern des Klimawandels" als Anschauungsmaterial vorzuhalten, greift also weiter, als die Beweislage trägt. Belegbar ist die Ebene darüber, die zunehmende meteorologische Waldbrandgefahr. Diese Unterscheidung zieht der Beitrag nicht. Er bleibt nicht bei der Kritik am Einzelfall, sondern setzt an ihre Stelle die weit stärkere These, zwischen CO2-Ausstoß und deutschen Waldbränden gebe es "keinerlei belegbaren Zusammenhang".

Dass die ungeklärte Brandursache in beide Richtungen gefüllt wird, zeigt eine gegenläufige Erzählung zum selben Feuer: Eine virale Karte verknüpft den Brand mit einer geplanten Windkraftfläche, ebenfalls ohne Beleg.

Die als Gegenbeweis angeführte Grafik (Bild 2) stammt von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Den Zeitraum gibt EIKE in der eigenen Bildunterschrift korrekt mit "1960 - 2024" an, im Fließtext ist daneben von einem Rückgang "im Laufe der letzten mehr als 80 Jahre" die Rede. Das sind gut sechs Jahrzehnte, nicht acht. Auch die "letzten 86 Jahre", auf die der Text seinen Vergleich mit der CO2-Kurve stützt, gibt es in keiner der beiden Grafiken: Die CO2-Kurve (Bild 3) beginnt laut eigener Bildunterschrift ebenfalls 1960. Die richtige Zahl lag dem Beitrag also vor.

Im Originalbeitrag der LWF steht zudem ein Satz, den EIKE bei der Wiedergabe der Grafik ausspart: "Neben der durch den Klimawandel zunehmenden meteorologischen Waldbrandgefahr tragen weitere Faktoren wesentlich zum Waldbrandgeschehen bei" LWF aktuell 154: Waldbrände in Deutschland, von Lothar Zimmermann. Die Urheber der Grafik gehen selbst von einem klimabedingten Anstieg der Waldbrandgefahr aus. Den langfristigen Rückgang der Fläche erklären sie mit Faktoren, die mit dem Klima nichts zu tun haben: veränderte Waldstrukturen und Bewirtschaftungsformen, verändertes menschliches Verhalten etwa beim Rauchen, und eine seit Ende der 1990er-Jahre durch Mobiltelefone deutlich schnellere Alarmierung der Feuerwehren. Auch die Datengrundlage ist laut LWF nicht durchgehend einheitlich: Erst ab 1991 stammen die Zahlen aus einer gesamtdeutschen Statistik, für 1960 bis 1990 wurden getrennte Werte aus den früheren Statistischen Jahrbüchern von BRD und DDR zusammengeführt.

Derselbe Beitrag endet allerdings mit einer Entwarnung: "Das Thema Waldbrand darf nicht vernachlässigt werden, aber trotz katastrophaler Bilder aus anderen Ländern besteht hierzulande aktuell kein Anlass zur Panik." Die LWF sagt also beides. Genau darin liegt der Befund: EIKE übernimmt aus dieser Quelle die Entwarnung und lässt die Klimaursache weg.

Der zentrale Vergleich des Beitrags, aus dem "keinerlei belegbarer Zusammenhang" gefolgert wird, stellt zwei Größen nebeneinander, die nicht zusammengehören: den weltweiten, menschengemachten CO2-Ausstoß (Bild 3) und die Waldbrandfläche im einzelnen Land Deutschland (Bild 2). Selbst wenn der weltweite CO2-Ausstoß ursächlich für die Erderwärmung ist, muss sich das nicht als durchgehende Kurve in einer einzelnen nationalen Kennzahl niederschlagen, weil die deutsche Waldbrandfläche zusätzlich von Faktoren abhängt, die mit dem Klima nichts zu tun haben. Nach Zahlen des Umweltbundesamts entstand 2025 der größte Teil der deutschen Waldbrandfläche durch einen einzelnen Großbrand in der sächsischen Gohrischheide, ausgelöst durch die hitzebedingte Selbstentzündung von Altmunition auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz, deren Reste zugleich die Löscharbeiten erschwerten Umweltbundesamt: Waldbrände. Soweit sich eine Ursache überhaupt feststellen ließ, war menschliches Handeln ausschlaggebend; natürliche Ursachen wie Blitzschlag lösten laut Umweltbundesamt nur 2 Prozent aller Waldbrände aus. Was sich klimabedingt tatsächlich verändert, ist die meteorologische Anfälligkeit für Brände, die der Deutsche Wetterdienst mit einem eigenen Waldbrandgefahrenindex laufend erfasst DWD: Gefahrenindizes Wald-, Grasbrand, sowie die Länge der Waldbrandsaison, die sich laut Umweltbundesamt zunehmend in den Spätsommer und Herbst verschiebt. Ob eine erhöhte Gefahrenlage tatsächlich zu einem Brand und zu welcher Schadensfläche führt, hängt zusätzlich von Zündquelle, Waldbestand und Löschkapazität ab.

Bei den Zahlen selbst ist der Beitrag genauer, als sein Ton vermuten lässt. Die Rede vom "leichten Aufwärtstrend" der vergangenen acht Jahre deckt sich fast wörtlich mit der LWF, die im zehnjährigen gleitenden Mittel "ab 2018 wieder ein leichter Anstieg von Anzahl und Fläche der Waldbrände" erkennt. Und die Zahlen für 2025 nennt EIKE selbst: rund 1.175 Brände auf 2.626 Hektar, wobei der Text 2025 wörtlich als "das extreme Jahr" bezeichnet. Zur Einordnung dieser Fläche: Sie liegt etwa beim Dreifachen des langjährigen Mittels von 844 Hektar (1991 bis 2024) und rund beim Achtfachen des Vorjahreswerts; seit Beginn der bundesweiten Erhebung übertrafen nur die Jahre 1992, 2019 und 2022 diesen Wert Umweltbundesamt: Waldbrände.

Zwei andere Punkte tragen dagegen. Beide Zahlen, die der Beitrag über die LWF-Grafik hinaus anführt, stammen laut seinem eigenen Quellenverzeichnis aus einer KI-generierten Google-Antwort auf eine Suchanfrage. Das betrifft die rund 6.045 Hektar für 2026, die dort dem Global Wildfire Information System zugeschrieben werden, ebenso wie die 2.626 Hektar für 2025, die dort der amtlichen Waldbrandstatistik zugeschrieben werden. Beide Stellen verlinkt der Beitrag als Quellen, ohne sie selbst konsultiert zu haben. Und die Jahre 2025 und 2026 schiebt er als "kurzzeitige Steigerung" beiseite, die nicht als Klimawandel gelten könne, weil in der Wissenschaft dafür ein Zeitraum von 30 Jahren gelte. Das verwechselt zwei Dinge: Die 30-jährige Normperiode legt Referenzwerte fest, gegen die einzelne Jahre verglichen werden. Sie ist keine Regel, nach der ein Trend erst nach drei Jahrzehnten benannt werden dürfte. Die LWF selbst liest den Anstieg seit 2018 an einem zehnjährigen gleitenden Mittel ab.

Zur Manipulationsbehauptung wird der Text unter der Überschrift "Manipulation durch behördenamtliche 'Verkürzungen'". Eine Grafik des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (Bild 4) berücksichtige "nur den Zeitraum ab 2010", wodurch der Eindruck entstehe, das Ausmaß der Waldbrände habe zugenommen. Für dieses Anfangsjahr gibt es einen sachlichen Grund: Die interaktive Grafik auf der Ministeriumsseite wird aus dem offenen Datensatz der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gespeist, der dort ausdrücklich als "Waldbrandstatistik ab 2010" ausgewiesen ist Open Data BLE: Waldbrandstatistik für Deutschland. Verborgen wird dabei nichts. Auf derselben Ministeriumsseite stehen die Jahresstatistiken lückenlos bis 1992 zum Herunterladen, und der Text daneben ordnet die 2.626 Hektar des Jahres 2025 ausdrücklich gegen das langjährige Mittel von 844 Hektar der Jahre 1991 bis 2024 ein BMEL-Statistik: Waldbrandstatistik. Es ist dieselbe Seite, aus der EIKE seine eigene Zahl für 2025 bezieht.

Der Vorwurf, ein passend gewähltes Anfangsjahr erzeuge den gewünschten Trend, trifft dabei die eigene Argumentation. Der Rückgang, den der Beitrag aus Bild 2 abliest, entsteht ganz überwiegend vor 1990. Die LWF beziffert ihn: von durchschnittlich 3.365 Hektar in den Jahren 1961 bis 1990 auf 797 Hektar in den Jahren 1991 bis 2020, ein Minus von 76 Prozent. In diesen früheren Zeitraum fällt der Heidebrand im Regierungsbezirk Lüneburg im August 1975, mit 13.000 Hektar verbrannter Wald-, Moor- und Heidefläche der größte Waldbrand in Deutschland im 20. Jahrhundert. Ein Startjahr zu wählen, das solche Ausreißer einschließt, ist für sich genommen unproblematisch. Es als Beweis gegen jede klimabedingte Veränderung auszugeben und dieselbe Wahl bei einer Behörde zur Lüge zu erklären, ist es nicht.

Das Argument, Aussagen wie "so heiß wie noch nie" seien "fast immer gelogen", stützt EIKE auf einen Beitrag zur Dürre des Jahres 1540 in Zürich. Die dort geschilderten Fakten, die monatelange Trockenheit und der bei Basel zeitweise zu Fuß durchquerbare Rhein, sind zutreffend wiedergegeben. Der zitierte Beitrag selbst warnt aber ausdrücklich vor genau der Schlussfolgerung, die EIKE aus ihm zieht: "Nicht jede einzelne Hitzewelle kann isoliert als Beweis für den Klimawandel betrachtet werden. Gleichzeitig dürfen historische Extremereignisse nicht dazu benutzt werden, die heutige langfristige Erwärmung zu bestreiten" zuericity.tours: Als Zürich verdurstete, historische Dürreperioden vom "heissen Sommer" 1540 bis heute. Dasselbe Argumentationsmuster, ein einzelnes historisches Extremjahr gegen aktuelle Berichterstattung in Stellung zu bringen, prüfte Faktenfackel bereits bei einem Vergleich historischer Niedrigwasserjahre mit dem Kölner Rheinpegel 2026, den EIKE selbst wenige Wochen zuvor anstellte, sowie bei einer Kolumne von Tichys Einblick zum Pegel Speyer und einem viralen Reel, das den Rheinpegel von 1949 gegen die aktuelle Berichterstattung anführte. In allen Fällen gilt: Der einzelne historische Wert ist echt, ein Trend lässt sich damit aber weder belegen noch widerlegen.

Für die abschließende Behauptung, öffentliche Institutionen seien seit mindestens 40 Jahren "grün unterwandert", liefert der Beitrag keine Belege.

Fazit

Die Bewertung des Beitrags ist irreführend, und zwar nicht wegen des Merz-Zitats. Das gibt er verkürzt, aber im Kern zutreffend wieder, und seine Kritik am Einzelfall hat einen wahren Kern: Ein Brand mit ungeklärter Ursache belegt den Klimawandel nicht. Aus dieser Lücke macht der Text jedoch die weit stärkere These, zwischen CO2-Ausstoß und deutschen Waldbränden gebe es überhaupt keinen belegbaren Zusammenhang. Tragen soll sie ein Vergleich zwischen weltweiter Emissionskurve und nationaler Schadensfläche, der zwei Ebenen vermischt, dazu ein Zeitraum, den der Text um zwei Jahrzehnte länger angibt, als seine eigenen Grafiken hergeben, und eine Quelle, aus der die Entwarnung übernommen und die klimabedingt steigende Waldbrandgefahr weggelassen wird. Der Manipulationsvorwurf gegen die Ministeriumsgrafik trifft eine Zeitreihe, deren Anfangsjahr technisch begründet und deren ältere Zahlen auf derselben Seite abrufbar sind, während die Wahl des eigenen Anfangsjahres derselben Prüfung nicht unterzogen wird. Auch die zur Dürre von 1540 herangezogene Quelle warnt ausdrücklich vor der Lesart, die der Beitrag ihr gibt.

Verwendungen

Weitere Quellenlinks