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Stand: 25.08.2026

EIKE nennt Chinas abgeregelten Ökostrom unnötig

Irreführend

Link Beschreibung

Beitrag bei Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE) vom 24. August 2026, übersetzt von Andreas Demmig aus einem Text der australischen Bloggerin Jo Nova, die ihrerseits eine Reuters-Meldung vom 17. August zitiert. Die Überschrift lautet: "Ups! China schaltet ein Viertel seiner unnötigen, 'erneuerbaren Energie' ab, mehr als Australien jährlich überhaupt verbraucht." Im Text heißt es, ein "schlecht gemanagter, durch staatliche Subventionen begünstigter Ausbau" treffe auf einen weiteren, die Planwirtschaft tue, "was sie am besten kann: Überproduktion und Verschwendung".

Faktenfackel Bewertung

Die Zahlen sind richtig übernommen

Grundlage ist der Halbjahresbericht "Built for backup, contracted to run" von Qi Qin (Centre for Research on Energy and Clean Air) und Christine Shearer (Global Energy Monitor) vom August 2026. Dort steht: Die geschätzte Abregelung von Wind- und Solarstrom, gemeldete und nicht gemeldete zusammen, erreichte im ersten Halbjahr 2026 360 Terawattstunden, ein Plus von 49 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Abregelungsquote stieg von 19,7 auf 26,1 Prozent. Auch der Größenvergleich der Überschrift trägt: Australien erzeugte im gesamten Jahr 2025 rund 287 Terawattstunden Strom.

Die in der Reuters-Fassung genannten amtlichen chinesischen Werte von 8,6 Prozent bei Solar und 9,1 Prozent bei Wind stehen im Bericht selbst nicht; die 26,1 Prozent sind eine wetterbereinigte Schätzung, die nicht gemeldete Abregelungen einschließt. Für die Bewertung ist das unerheblich, denn nicht die Höhe der Zahl ist hier der Streitpunkt.

Was das Wort "unnötig" unterschlägt

Der Streitpunkt ist ein einziges Adjektiv. "Unnötig" steht nicht im Bericht, es ist die Zutat der Überschrift, und der Bericht widerspricht ihm auf derselben Seite, auf der die Zahl steht. Die abgeregelte Strommenge lag über dem gesamten Zuwachs der Stromnachfrage in diesem Halbjahr, der 258 Terawattstunden betrug.

Die Autoren schreiben dazu: "Had this electricity been absorbed, the additional power supply could have met all demand growth and allowed coal power generation to fall." Wäre der Strom aufgenommen worden, hätte er also den gesamten Nachfragezuwachs gedeckt und einen Rückgang der Kohleverstromung erlaubt. Stattdessen stieg die Kohleverstromung um 3,4 Prozent.

Ein Vorbehalt der Autoren gehört dazu, sie machen ihn selbst: Nicht jede abgeregelte Kilowattstunde hätte Kohle zur selben Zeit am selben Ort ersetzen können. Ihr Schluss lautet trotzdem, der Wiederanstieg der Kohleverstromung spiegele "limits in grid integration, dispatch, and power trading rather than a national shortage of clean electricity", also Grenzen bei Netzanbindung, Einsatzplanung und Stromhandel und keinen landesweiten Mangel an sauberem Strom.

Wo abgeregelt wird, und was dort gleichzeitig läuft

Die Abregelung verteilt sich nicht gleichmäßig. Ende Juni lagen die geschätzten Zwölfmonatsquoten in der Inneren Mongolei, in Xinjiang, Qinghai, Gansu und Ningxia bei 15 bis 30 Prozent, in Guangdong, Zhejiang, Jiangsu und Anhui unter 3 Prozent. Die fünf erstgenannten sind die großen Exportprovinzen; auf sie entfielen im Juni 46 Prozent der geschätzten Abregelung.

Der entscheidende Satz steht direkt daneben: Die thermische Erzeugung in genau diesen fünf Provinzen stieg im selben Zeitraum um 2,7 Prozent. Dort, wo Wind- und Solarstrom weggeworfen wurde, lief die Kohle also nicht weniger, sondern mehr. Das ist kein Bild von überflüssigen Anlagen, sondern von Anlagen, deren Strom nicht zu den Verbrauchern kommt und die im eigenen Netzgebiet gegen bevorrechtigte Kohlekraftwerke nicht ankommen.

Warum Kohle Vorrang hat

Der Bericht benennt den Mechanismus. Kohlekraftwerke schließen in China Jahresverträge, die 60 bis 70 Prozent ihrer im Vorjahr gelieferten Strommenge abdecken; das entspricht schätzungsweise 3.260 bis 3.800 Terawattstunden oder 49 bis 57 Prozent des gesamten über Chinas Strommärkte gehandelten Stroms. Diese Menge ist gebucht, bevor überschüssiger Wind- und Solarstrom überhaupt anbieten kann. Dazu kommt der weitere Ausbau: Im ersten Halbjahr 2026 gingen 30 Gigawatt neue Kohlekraft ans Netz, 43 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und der höchste Halbjahreswert seit 2016, während 2,7 Gigawatt stillgelegt wurden. In der Pipeline stehen 274 Gigawatt, 22 Prozent des bestehenden Kohlekraftwerksparks. Der Zubau an Speichern sank im selben Halbjahr auf 17 Gigawatt, 26 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Aus denselben Zahlen zieht der Bericht deshalb die umgekehrte Empfehlung: das Wachstum der Kohlekapazität beenden, die Mindestvertragsmengen für Kohle in Provinzen mit Abregelung aussetzen und Kapazitätszahlungen technologieneutral machen, damit auch Speicher und Lastmanagement mitbieten können.

Der Sprung

Aus "Der Strom kam nicht durch" wird bei EIKE "Der Strom wurde nicht gebraucht". Zwischen diesen beiden Sätzen liegt der ganze Unterschied zwischen einem Netz- und Marktproblem und einem Argument gegen die Anlagen selbst. Die Quelle, aus der die Zahlen stammen, benennt das Erste und empfiehlt, den Vorrang der Kohle abzubauen. Der EIKE-Text macht daraus das Zweite und empfiehlt nichts, außer dem Leser den Eindruck, hier werde subventionierter Unsinn gebaut.

Fazit

Die Behauptung ist irreführend. Die Zahlen sind korrekt: 360 Terawattstunden Wind- und Solarstrom wurden im ersten Halbjahr 2026 in China abgeregelt, 26,1 Prozent der Erzeugung, mehr als Australien in einem ganzen Jahr an Strom produziert. Falsch ist die Deutung, dieser Strom sei unnötig gewesen. Er lag über dem gesamten Zuwachs der chinesischen Stromnachfrage, die stattdessen zu einem erheblichen Teil aus Kohle gedeckt wurde; die Kohleverstromung stieg um 3,4 Prozent. Die Abregelung konzentriert sich auf fünf Exportprovinzen, in denen die thermische Erzeugung gleichzeitig um 2,7 Prozent zunahm. Der Bericht, aus dem die Zahlen stammen, führt das auf fehlende Netz- und Handelskapazität und auf garantierte Abnahmeverträge für Kohle zurück, nicht auf einen Überschuss an Anlagen.