Link Beschreibung
Von Chris Frey bei Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE) am 23. August 2026 übersetzte Zusammenstellung zweier Beiträge von Cap Allon aus dem Blog Electroverse. Der Text meldet für den 18. August einen Oberflächen-Massenzuwachs der grönländischen Eiskappe von 0,523 Gigatonnen, eine Saisonbilanz von 518,2 Gigatonnen und damit rund 150 Gigatonnen über dem Mittel der Jahre 1981 bis 2010. Dazu heißt es, die Schneebedeckung der Nordhalbkugel sei "unauffällig normal".
Faktenfackel Bewertung
Worum gestritten wird
Die Zahlen selbst sind nicht der Streitpunkt. Sie stammen vom Dänischen Meteorologischen Institut, das die Oberflächen-Massenbilanz Grönlands täglich veröffentlicht, und der Text gibt sie als solche aus. Ob die Tageswerte exakt stimmen, ließ sich hier nicht nachrechnen, weil die Kurven des Portals nur als Grafik vorliegen. Für die Bewertung spielt das keine Rolle, denn der Fehler liegt nicht in den Werten, sondern in dem, was aus ihnen gefolgert wird.
Gefolgert wird dies: "Grönland liefert ähnliche, für Alarmisten unbequeme Erkenntnisse." Ein Zuwachs über dem langjährigen Mittel soll also gegen die Darstellung sprechen, das Eis schwinde.
Was die Oberflächenbilanz misst und was nicht
Die Oberflächen-Massenbilanz erfasst, was oben auf dem Eisschild passiert: Schneefall gegen Schmelze, Verdunstung und abfließendes Schmelzwasser. Sie ist nicht die Bilanz des Eisschilds. Das Dänische Meteorologische Institut schreibt auf derselben Seite, von der die Zahlen stammen:
The surface mass balance is not identical to the total mass balance (i.e. overall gain or loss of the ice cap), which also includes the mass that is lost when glaciers calve off icebergs, the melting of glacier tongues as they come into contact with warm seawater and frictional and other effects at the bottom of the ice sheet.
Der größte Verlustposten fehlt in der Oberflächenbilanz also vollständig. Grönland verliert Eis vor allem dort, wo Gletscher ins Meer münden und Eisberge abbrechen.
Die Bilanz, die zählt
Für die Gesamtmassenbilanz gibt es Messungen: Die Satellitenpaare GRACE und GRACE-FO wiegen den Eisschild über sein Schwerefeld. Das Ergebnis steht beim Dänischen Meteorologischen Institut: Zwischen 2003 und 2025 hat der grönländische Eisschild 252 Kubikkilometer Wasser pro Jahr verloren, was einem Beitrag zum mittleren Meeresspiegelanstieg von 0,69 Millimetern im Jahr entspricht.
Eine Saison mit überdurchschnittlichem Oberflächenzuwachs widerspricht dem nicht. Sie ist eine gute Nachricht für eine einzelne Bilanzposition, nicht ein Gegenbeweis zur Bilanz.
Der Einwand wird genannt und dann übergangen
Bemerkenswert ist, dass der Text den Einwand kennt. Er schreibt: "Und wer sich jetzt wieder eräschert, dass es hier 'nur' um die Oberflächen-Massenbilanz und nicht um die Gesamt-Massenbilanz geht, der sei auf frühere Kältereports und vor allem diesen Beitrag verwiesen, in denen dieser Unterschied immer wieder erläutert worden ist."
Der Beitrag, auf den verwiesen wird, erschien am 28. Juli und beschreibt die Unterscheidung korrekt: Die Oberflächenbilanz "berücksichtigt weder das Kalben von Eisbergen noch das Schmelzen unterhalb des Eisschildes". Er bestreitet den Verlust der Jahre 1992 bis 2020 auch nicht, sondern stuft ihn als anteilig winzig ein, 0,006 Prozent der Eismasse pro Jahr.
Damit ist der Verweis kein Beleg, sondern eine Themenverschiebung. Wer einräumt, dass die eine Zahl den entscheidenden Posten nicht enthält, kann sie nicht im nächsten Absatz als unbequemen Befund für die Gegenseite ausgeben. Genau das geschieht hier.
Fazit
Die Behauptung ist irreführend. Die gemeldeten Werte zur Oberflächen-Massenbilanz mögen zutreffen, sie sind aber kein Befund über den Zustand des Eisschilds. Die Oberflächenbilanz lässt den größten Verlustposten aus, das Kalben von Eisbergen und das Abschmelzen der Gletscherzungen im Meerwasser. Die Gesamtbilanz derselben Institution weist für 2003 bis 2025 einen Verlust von 252 Kubikkilometern Wasser pro Jahr aus. Dass der Text die Unterscheidung selbst benennt und trotzdem beim gegenteiligen Eindruck bleibt, macht die Darstellung nicht sauberer, sondern zeigt, dass sie in Kauf genommen wird.
