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Stand: 16.05.2026

Volksverpetzer-Recherche: NIUS und OAZ, gleiche Autoren, gleiche Propaganda

Link Beschreibung

Volksverpetzer dokumentiert systematische Überschneidungen zwischen dem rechten Portal NIUS (Julian Reichelt) und der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung (OAZ, Holger Friedrich). Die Recherche von Matthias Meisner zeigt geteilte Autoren, Interviewpartner und Narrative: Kristina Schröder, Sahra Wagenknecht, Uwe Tellkamp, ein ehemaliger RT-Deutsch-Mitarbeiter sowie ein freiberuflicher Putin-Dolmetscher als Berlin-Korrespondent. Beide Medien arbeiten gegen die Abgrenzung zur AfD, trotz unterschiedlichem äußerem Erscheinungsbild.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Volksverpetzer-Recherche von Matthias Meisner ist keine klassische Faktenprüfung einer einzelnen Behauptung, sondern eine dokumentierte Netzwerkanalyse. Sie beschreibt das Zusammenwirken zweier auf den ersten Blick ungleicher Medien: Nius, das Digitalportal von Julian Reichelt, und die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ), herausgegeben von Holger Friedrich, der seit 2019 auch die Berliner Zeitung besitzt.

Die OAZ startete Ende 2024 als Wochenzeitung mit dem erklärten Anspruch, ostdeutsche Perspektiven abzubilden. Volksverpetzer hatte bereits in einer früheren Analyse der ersten Ausgabe dokumentiert, dass das Blatt in seiner Debüt-Ausgabe widerlegte Behauptungen zu COVID-19 und den EU-sanktionierten Putin-Propagandisten Jacques Baud transportierte. Eine weitere Volksverpetzer-Analyse zu Holger Friedrich und der OAZ zeigt, dass Friedrich selbst 2023 eine Feier des russischen "Tags des Sieges" in der russischen Botschaft besuchte, und dass die Berliner Zeitung unter seiner Leitung Autoren mit RT-Deutsch-Vergangenheit, darunter Thomas Fasbender, beschäftigt.

Die aktuelle Meisner-Recherche dokumentiert die personellen und inhaltlichen Klammern zwischen OAZ und NIUS.

Uwe Tellkamp (Schriftsteller) gab im Frühjahr 2025 sowohl ein OAZ-Interview zur Migration als auch ein NIUS-Interview und steuerte ein Gedicht zum 80. Jahrestag der Berliner Zeitung bei. Kristina Schröder (Vorstand der Denkfabrik Republik21) tritt bei beiden Medien auf. Sahra Wagenknecht publizierte einen Gastbeitrag in der dritten OAZ-Ausgabe und war zuvor mehrfach Gesprächspartnerin von Ralf Schuler bei NIUS. Antje Hermenau (ehem. Grünen-Politikerin) ist laut Recherche "Stammgast" bei NIUS und veröffentlichte zugleich einen OAZ-Gastbeitrag. Joachim Steinhöfel ist Rechtsanwalt von Julian Reichelt und NIUS und gleichzeitig Kolumnist im Berliner Kurier, einem weiteren Blatt aus Holger Friedrichs Verlag.

Beide Medien propagieren eine Abkehr von der sogenannten Brandmauer zur AfD. Friedrich erklärte in der Welt am Sonntag: "Die Brandmauer ist genauso ineffizient wie die Mauer, die man in Berlin gebaut hat." NIUS betrieb eine Kampagne gegen den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther, nachdem dieser die journalistische Qualität von NIUS infrage gestellt hatte. Übermedien dokumentierte, dass NIUS Günthers Aussagen dabei verfälschte.

Jasmin Kosubek, in der Recherche als frühere RT-Deutsch-Moderatorin identifiziert, tritt im OAZ-Umfeld als Podcasterin auf und interviewte unter anderem Pauline Voss, die stellvertretende NIUS-Chefredakteurin. Kosubek ist auch im Tagesspiegel-Archiv als RT-Deutsch-Moderatorin dokumentiert.

Kurt Krieger, Berliner Milliardär und Eigentümer von Möbel Höffner, spendete 2024 laut Meisner 18.000 Euro an die AfD und ist gleichzeitig einer der ersten Anzeigenkunden der OAZ. Der Betrag liegt unterhalb der 35.000-Euro-Grenze, ab der Bundestag-Veröffentlichungspflicht besteht, was eine unabhängige Verifikation über offizielle Register erschwert.

Die "Seitenwechsel"-Buchmesse (November 2025, Halle/Saale), organisiert von der Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen, diente laut Meisner als Vernetzungstreffen. Teilnehmer waren Uwe Tellkamp, Ralf Schuler (NIUS-Interviewformat), Antje Hermenau und Götz Kubitschek. Campact dokumentierte die Veranstaltung als Treffpunkt, bei dem "bürgerliche" Akteure den Übergang zur extremen Rechten normalisierten.

Götz Kubitschek, Gründer des Antaios-Verlags, der Zeitschrift "Sezession" und des Instituts für Staatspolitik, ist in einer eigenen Volksverpetzer-Analyse als zentraler Stratege der Neuen Rechten charakterisiert, der gezielt kulturelle Hegemonie im Sinne eines Rechtsrucks anstrebt.

Die Recherche ist eine journalistische Netzwerkanalyse, keine einzelne falsifizierbare Behauptung. Die meisten dokumentierten Verbindungen - gemeinsame Autoren, gleiche Interviewpartner, gleichlautende Narrative - lassen sich anhand der verlinkten Belegquellen nachvollziehen. Die OAZ selbst reagierte nach Angaben der Recherche nicht auf eine Anfrage des Deutschlandfunks.

Fazit

Die Volksverpetzer-Recherche ist gut belegte Medienanalyse: Sie zeigt, dass NIUS und OAZ trotz unterschiedlichem Erscheinungsbild ein gemeinsames Netzwerk aus Autoren, Interviewpartnern und Narrativen teilen, das systematisch zur Normalisierung der AfD und zur Schwächung demokratischer Abgrenzungslinien beiträgt. Bemerkenswert ist dabei die Verbindung zwischen dem AfD-Spender Kurt Krieger als OAZ-Anzeigenkunden und den inhaltlichen Schnittmengen beider Medien mit der Neuen Rechten.