Zur Quelle "Volksverpetzer" springen
Stand: 23.05.2026

Volksverpetzer: 32 Autoren beenden Zusammenarbeit, Westend-Verlag driftet nach rechts

Link Beschreibung

Artikel von Matthias Meisner bei Volksverpetzer vom 21. Mai 2026. 32 Autorinnen und Autoren (darunter Gregor Gysi und Christoph Butterwegge) beenden in einem offenen Brief ihre Zusammenarbeit mit dem Westend-Verlag, weil dieser einen von Julian Reichelt und Pauline Voss (Nius) herausgegebenen Sammelband veröffentlicht. Der einst linksorientierte Verlag habe rechten Kulturkämpfern eine Plattform gegeben und die Selbstbeschreibung "linke Perspektiven" aus seinem Mission Statement entfernt.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die geschilderten Ereignisse sind durch mehrere unabhängige Quellen belegt. Der Der Tagesspiegel und Hessenschau berichten übereinstimmend über den offenen Brief und dessen Unterzeichner, darunter Gregor Gysi, Christoph Butterwegge, Andrea Ypsilanti und taz-Autorin Ulrike Herrmann (Tagesspiegel: "32 Autorinnen und Autoren verlassen Westend Verlag", 21. Mai 2026, hessenschau.de: "Westend Verlag veröffentlicht Reichelt-Buch, 30 Autoren protestieren").

Der Sammelband "Links - Deutsch / Deutsch - Links", herausgegeben von Julian Reichelt und Pauline Voss von Nius, ist der konkrete Auslöser. Das Buch versammelt laut nd – Journalismus von links und Tagesspiegel Beiträge von Autoren wie Harald Martenstein, Henryk M. Broder, Birgit Kelle und Gloria von Thurn und Taxis, das Spektrum reicht damit bis zu AfD-nahen Positionen (nd: "Rechtsruck - Westend-Verlag: Der Weg nach rechts", März 2026).

Die Änderung der Selbstbeschreibung des Verlags ist ebenfalls faktisch belegbar: Die aktuelle Verlagsseite nennt keine "linken Perspektiven" mehr. Stattdessen heißt es nun, man sei "Plattform für kritische, an sozialer Gerechtigkeit und umfassender Teilhabe orientierter Perspektiven", und weiter: "Abweichende Positionen, die sich innerhalb des demokratischen Rechtsrahmens bewegen, werden bei uns nicht diskreditiert." Das ist, wie der Volksverpetzer-Artikel treffend anmerkt, eine Formulierung, die auch die AfD als legitimen Diskussionspartner einschließt.

Der Westend-Verlag ist kein neues Phänomen in der Querfront-Debatte. Das nd analysiert in einem ausführlichen Hintergrundartikel die schrittweise Öffnung nach rechts seit 2014, von Verbindungen zur Querdenken-Szene über pro-russische Publikationen bis zur aktuellen Zusammenarbeit mit dem NIUS-Portal. Auch die FAZ hatte 2025 Westends Neuausrichtung kritisch beschrieben (FAZ: "Manipulierte Aufklärung - Wie ein Verlag Schüler für Ideologien gewinnt", 2025, Paywall).

Der Vorgang illustriert ein breiteres Muster: Querfront-Verlage gewinnen Reichweite und Glaubwürdigkeit, indem sie zunächst seriöse linke Stimmen beherbergen und schrittweise nach rechts öffnen. Der Protest der 32 Autoren macht diesen Mechanismus sichtbar.

Fazit

Die Kernfakten des Artikels (offener Brief, Unterzeichner, das NIUS-Buch als Auslöser, die geänderte Selbstbeschreibung des Verlags) sind durch mehrere unabhängige Quellen bestätigt. Der Artikel liefert eine gut belegte Einordnung eines Querfront-Vorgangs im deutschen Verlagswesen.