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Stand: 22.10.2026

Apollo: Fake-Screenshots aus dem AfD-Leak, aber kein Bluff belegt

Irreführend

Link Beschreibung

Max Mannhart schreibt auf Apollo News, die E-Mail-Verläufe, auf die sich Politiker nach dem Hack bei einem AfD-Dienstleister berufen, seien Fälschungen. Anlass sind kursierende Screenshots angeblicher AfD-Mails, darunter eine dem NRW-Landtagsabgeordneten Andreas Keith zugeschriebene Mail. Der Titel spricht von einem "großen Bluff, um die AfD zu verbieten".

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der Apollo-Beitrag besteht aus einem Vorspann und einem neunminütigen Video. Im Vorspann heißt es pauschal, die Mail-Verläufe seien Fälschungen. Im Video fasst Apollo das enger: Die AfD habe bestätigt, dass es den Datenleak grundsätzlich gab, man wisse aber nicht, welche der im Netz kursierenden Screenshots echt seien. Apollo bestreitet also nicht, dass der Leak echt ist. Es geht um konkrete Fälle: einen Beitrag des Grünen-Bundestagsabgeordneten Johannes Wagner mit einer dem Kölner AfD-Kreisvorsitzenden Christer Cremer zugeschriebenen Mail, die Keith zugeschriebene Mail, die der CDU-Landtagsabgeordnete Bastian Schneider im Landtag von Baden-Württemberg vorlas, und einen Tweet des CDU-Europaabgeordneten Dennis Radtke.

Was Apollo zutreffend berichtet

Der Wortlaut der zitierten Screenshots steht nicht im Leak. Zur Keith-Mail kommen die Junge Freiheit nach Durchsicht des gesamten Datensatzes, t-online und der Kölner Stadt-Anzeiger übereinstimmend zum selben Ergebnis. Keith bestreitet, die Mail geschrieben zu haben, hat rechtliche Schritte angekündigt und laut Kölner Stadt-Anzeiger an Eides statt versichert, nicht Urheber zu sein. Auch eine Mail in dem Cremer zugeschriebenen Wortlaut ist laut Junge Freiheit, t-online und Kölner Stadt-Anzeiger nicht im Datensatz. Cremer hat Strafanzeige erstattet.

Verbreitet wurden die Screenshots tatsächlich von Politikern. Wagner erhielt für seinen Beitrag auf Instagram laut t-online 140.000 Likes, der SPD-Stadtverband Leverkusen nutzte den Keith-Screenshot in einem Video, und Schneider las die Mail am 21. Oktober im Landtag vor. Der Leverkusener SPD-Chef Darius Ganjani kündigte laut Kölner Stadt-Anzeiger an, den Beitrag zurückzuziehen, solange Zweifel an der Echtheit bestehen.

Die Fälschungen sind allerdings keine frei erfundenen Vorgänge. Nach Kölner Stadt-Anzeiger gibt es im Leak eine Keith-Mail vom selben Datum, in der er auf eine Forderung nach einem Parteiausschluss gegen einen anderen Funktionär antwortet. Dieser, nicht Keith, soll verklausuliert Adolf Hitler zum Geburtstag gratuliert haben, worüber 2019 bereits mehrere Medien berichteten. Bei Cremer fand t-online am angegebenen Datum ebenfalls eine echte Nachricht, mit anderem Wortlaut: Cremer lieferte darin belastendes Material gegen den Parteikollegen und trieb in weiteren Mails dessen Ausschluss voran, das Gegenteil dessen, was die Fälschung ihm zuschreibt. Dasselbe Muster zeigt eine dritte Mail an Frauke Petry aus dem Jahr 2016: Es gab sie, aber in anderem Wortlaut. Echtes Datum, echter Absender, verfälschter Inhalt. Auch Apollo selbst berichtet im Folgebericht im Fließtext durchgehend von einer "gefälschten E-Mail", nur der Vorspann formuliert vorsichtiger ("scheint nicht authentisch zu sein").

Was Apollo überdehnt

Der Titel unterstellt einen "Bluff", also eine absichtliche Täuschung zu dem Zweck, die AfD zu verbieten. Dafür gibt es keinen Beleg. Wer die Screenshots zuerst in Umlauf brachte, konnte t-online nicht zurückverfolgen. Mimikama hält ausdrücklich fest, dass sich nicht sagen lasse, wie viele erfundene oder veränderte Nachrichten noch auftauchen, und dass eine organisierte Fälschungskampagne nicht belegt ist. Die Junge Freiheit schreibt, Wagner habe die Nachricht "offenbar ungeprüft" geteilt. Belegt ist damit mangelnde Sorgfalt beim Weiterverbreiten, keine Täuschungsabsicht der Politiker. Im Video wirft Apollo ihnen beides vor, Gedankenlosigkeit und das gezielte Suchen eines Anlasses für ein Verbotsverfahren. Für Letzteres nennt es nichts.

Die These von der KI-Fälschung stützt Apollo auf ein einziges Detail: ein auffälliges Anführungszeichen im Screenshot der Cremer-Mail. Die Junge Freiheit weist ebenfalls auf ungewöhnliche Zeichen um die Wörter "fremde Frauen" hin. Ein ungewöhnliches Zeichen zeigt, dass der Text nicht unverändert aus einem Postfach stammt. Wie und mit welchem Werkzeug er erzeugt wurde, belegt es nicht.

Radtke wird im Video als jemand dargestellt, der "auf brutale KI-Fakes reingefallen" sei. Der im Video verlesene Tweet lautet: "Gefühlt haben ein paar Hacker gerade mehr für den Verfassungsschutz getan, als der Verfassungsschutz. Wie kann es sein, dass solche Umtriebe der AfD komplett unter dem Radar sind", dazu der Hashtag #AfDVerbotsverfahren. Worauf sich "solche Umtriebe" beziehen, zeigt Apollo nicht, und damit auch nicht, dass Radtke auf einen der Fake-Screenshots hereingefallen ist. Ähnlich steht es um die Aussage, die Screenshots landeten "in Landtagen dieser Republik": Die vorliegenden Berichte decken sie nur für einen Fall, den von Schneider in Baden-Württemberg.

Unglaubwürdig wird der Leak durch die Fälschungen nicht. Apollo zieht diesen Schluss nicht, t-online berichtet aber, dass AfD-Unterstützer die Fakes genau dafür nutzen. Nachweislich echt sind laut t-online unter anderem eine Liste von mehr als 3.000 AfD-Mitgliedern in NRW und die Korrespondenz zu Parteiausschlussverfahren. Die AfD hat den Hackerangriff auf einen Hosting-Dienstleister bestätigt.

Fazit

Die Behauptung eines "großen Bluffs" ist irreführend. Richtig ist der Kern: Mehrere von Politikern verbreitete Screenshots, darunter die Mails von Keith und Cremer, stehen in diesem Wortlaut nicht im Leak. Apollo bleibt im Video in diesem Punkt auch vorsichtiger als im Titel. Nicht belegt sind dagegen eine Täuschungsabsicht oder Kampagne, die KI-Herkunft der Screenshots und die Darstellung Radtkes als Opfer der Fälschungen. Die Fälschungen bauen zudem auf echten Mails auf, der Leak selbst ist echt.