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Stand: 16.04.2026

"Heimat. Häkeln. Hetze." - Undercover unter rechtsextremen Frauen (Doku über Lukreta)

Link Beschreibung

ARD team.recherche-Dokumentation "Heimat. Häkeln. Hetze." (Folge 5) über die rechtsextreme Frauengruppe Lukreta, die mit Lifestyle-Content auf Instagram Anhängerinnen für die Neue Rechte rekrutiert. Ein vierköpfiges Reporterinnen-Team (Kim, Sarah, Alissa, Lisa) hat die Gruppe monatelang undercover begleitet.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Dokumentation zeigt systematisch, wie Lukreta "süßen" Lifestyle-Content - Flechtfrisuren, Häkeln, Outfit-Inspo, Karaoke - als Verpackung für rechtsextreme Ideologie nutzt. Das zentrale Schlagwort: "Remigration". Lukreta-Gründerin Reinhild Boßdorf ist Tochter der AfD-Europaabgeordneten Irmhild Boßdorf und arbeitet selbst als Assistentin für AfD-EU-Abgeordneten Alexander Jungbluth.

Die Dokumentation dokumentiert mehrere wichtige Punkte:

Verbindungen zur AfD: Nicht nur familiär (Mutter Irmhild Boßdorf ist AfD-MEP), sondern auch personell: Julia Gehrckens, die sich selbst "Lukreta-Süßmaus" nennt, sitzt im Bundesvorstand der neuen AfD-Jugendorganisation. Beim untercover besuchten ESN-Frauenkongress in Vlatten (NRW) war Lukreta "stark vertreten", die Mutter von Boßdorf hat ihn mitorganisiert - finanziert mit EU-Steuergeldern über die Fraktion "Europe of Sovereign Nations" (ESN).

Instrumentalisierung von Gewalt gegen Frauen: Lukreta thematisiert sexualisierte Gewalt ausschließlich dann, wenn Migranten als Täter dargestellt werden können. Belltower.News bezeichnet die "Ethnisierung sexualisierter Gewalt" als inhaltlichen Schwerpunkt der Gruppe. Die Rechtsextremismusforscherinnen Juliane Lang (Universität Gießen) und Kira Ayyadi (Amadeu Antonio Stiftung) ordnen dies in der Doku als bewusste Strategie ein: Sie lenkt von Gewaltstrukturen innerhalb der rechten Szene selbst ab. Die im Video zitierte Lukreta-Gründerin Boßdorf sagt laut Doku selbst, dass Frauen in der rechten Szene "enorm übel behandelt" würden.

Eine ehemalige Szeneangehörige (Emma) berichtet im Video von Vergewaltigungsfantasien und erniedrigenden Äußerungen über Frauen in ihrem Umfeld.

Opfer-Instrumentalisierung: Das Video zeigt das Beispiel der Französin Marie Coquille-Chambel: Sie wurde Opfer häuslicher Gewalt durch einen Mann mit arabischem Namen, wehrte sich gegen rassistische Vereinnahmung ihres Falls - und wird seitdem von der französischen Schwesterorganisation Collectif Némésis und deren Followern mit Morddrohungen überhäuft.

Internationales Netzwerk: Lukreta ist eng vernetzt mit dem französischen Collectif Némésis (das seinerseits Verbindungen zu Jean-Marie Le Pen und Marion Maréchal hat), der britischen Women's Safety Initiative und weiteren Gruppen in Spanien, Italien, Belgien, der Schweiz und Portugal. Im Januar 2026 nahmen Lukreta und Némésis gemeinsam an einem Fackelmarsch in Paris teil.

Porto-Kongress mit Neonazis: Lukreta-Gründerin Reinhild Boßdorf trat als VIP-Gast bei einem Kongress der portugiesischen Gruppe "Reconquista" auf. Dort sprach unter anderem Martin Sellner, Gründer der Identitären Bewegung. Die Dokumentation zeigt, wie auf dem Kongress NS-Propaganda zitiert ("Blut und Boden") und ein Hitlergruß gezeigt wird - ohne dass jemand einschreitet.

Wachstum: Lukretas Instagram-Reichweite wuchs von knapp 6.000 Followern im Mai 2025 auf über 20.000 im Januar 2026 - mehr als eine Verdreifachung in acht Monaten. Kira Ayyadi von der Amadeu Antonio Stiftung erklärt, Instagram sei "Hauptrekrutierungstool" der Gruppe.

Behördliche Einschätzung: NRW-Innenminister Herbert Reul bezeichnet Lukreta im Video als rechtsextrem und nennt die Strategie "brandgefährlich", weil sie dem Rechtsextremismus ein modernes weibliches Gesicht gebe und Zugang zu Frauen ermögliche, der über Männer nie möglich wäre. Der NRW-Verfassungsschutz hat Lukreta als rechtsextremen Verdachtsfall eingestuft; Reul bezeichnete die Gruppe als "knallharte rechtsextreme Propaganda" (siehe dokmz: NRW-Innenminister Reul warnt vor Lukreta sowie Volksverpetzer: Lukreta als AfD-Vorfeldorganisation; zu den AfD-Verbindungen vgl. Belltower.News: Lukreta-Frauenkongress in Münster).

Laut Doku nennt ein internes AfD-Strategiepapier der Bundestagsfraktion vom Juli 2025 "Hausfrauen und Mütter" als Zielgruppe, die die AfD noch nicht ausgeschöpft habe; Lukreta fungiert demnach als Teil dieser Strategie. Die Existenz eines solchen AfD-Strategiepapiers aus der Fraktionsklausur Juli 2025 belegt auch Correctiv, behandelt dort aber primär die "Brandmauer stürzen"-Strategie.

Fazit

Die Dokumentation liefert gut belegte Belege dafür, dass Lukreta keine feministische Initiative ist, sondern eine rechtsextreme Vorfeldorganisation der AfD, die gezielt weibliche Ästhetik einsetzt, um junge Frauen für die Neue Rechte zu rekrutieren. Die engen personellen Verflechtungen mit AfD-Mandatsträgern und die Verbindungen zu offen neonazistischen europäischen Netzwerken sind durch die Undercover-Recherche dokumentiert. Der NRW-Verfassungsschutz und Innenminister Reul teilen diese Einschätzung.