Amadeu Antonio Stiftung

Über die Quelle
Die Amadeu Antonio Stiftung wurde 1998 auf Initiative der Publizistin Anetta Kahane gegründet. Sie ist benannt nach Amadeu Antonio Kiowa, einem der ersten Todesopfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland nach der Wiedervereinigung: Er wurde im November 1990 in Eberswalde von einer Gruppe Rechtsextremer so schwer verletzt, dass er wenige Tage später starb. Stifter ist der Unternehmer Karl Konrad von der Groeben, erster Schirmherr war der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse.
Die Stiftung fördert zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Sie unterstützt über 1.000 lokale Initiativen durch finanzielle Zuschüsse, Beratung, Fortbildung und Öffentlichkeitsarbeit. Zu den bekanntesten Projekten zählen:
- Belltower.News (ehemals "Netz gegen Nazis") - Wissensportal zu Rechtsextremismus und Hassgewalt
- Exit-Deutschland - Ausstiegsprogramm aus der Neonaziszene (mitgegründet 2000, operiert eigenständig)
- Aktionswochen gegen Antisemitismus (seit 2003)
- Opferfonds Cura - finanzielle Hilfe für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt
- Meldestelle Antifeminismus (seit 2023)
Die Stiftung finanziert sich überwiegend aus öffentlichen Mitteln. 2024 erhielt sie nach Angaben des Lobbyregisters beim Deutschen Bundestag Zuwendungen von rund 18 öffentlichen Zuwendungsgebern. Der größte Einzelposten stammte vom BMFSFJ (rund 1,6 Millionen Euro) über das Bundesprogramm "Demokratie leben!". 2023 lagen die Gesamteinnahmen bei rund 9,5 Millionen Euro, davon etwa 6 Millionen aus staatlichen Zuschüssen.
Kritik und Kontroversen
Die Stiftung steht im Fokus anhaltender Kritik von rechtsextremer und rechtspopulistischer Seite. Angriffspunkte sind dabei regelmäßig die frühere Tätigkeit Kahanes als Inoffizielle Mitarbeiterin der DDR-Staatssicherheit in ihrer Jugend - eine Mitarbeit, die sie selbst öffentlich eingeräumt und für die sie sich erklärt hat. Laut dem Politikwissenschaftler Samuel Salzborn sind diese Angriffe als koordinierte Kampagne zu verstehen, die die Stiftung diskreditieren soll, weil sie gegen die Verbreitung rechter Propaganda arbeitet.
Daneben gibt es vereinzelte Kritik von konservativer Seite (u.a. an der Meldestelle Antifeminismus) sowie von linken Gruppen, die der Stiftung vorwerfen, legitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik als Antisemitismus zu rahmen. 2021 hob das Bundesverfassungsgericht ein Urteil auf, das der Stiftung untersagt hatte, den Sänger Xavier Naidoo als "strukturell nachweisbar" antisemitisch zu bezeichnen - und bestätigte damit das Recht der Stiftung auf diese Äußerung.
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Faktenfackel Bewertung
Die Amadeu Antonio Stiftung ist eine der bekanntesten deutschen zivilgesellschaftlichen Organisationen im Bereich Rechtsextremismusprävention. Ihre Analysen und Berichte sind in der Regel gut belegt und zitieren überprüfbare Primärquellen (Wahlprogramme, Bundestagsprotokolle, Gerichtsurteile). Die Stiftung nimmt klar eine Position gegen Rechtsextremismus ein - das ist ihr erklärter Auftrag und sollte bei der Nutzung als Quelle berücksichtigt werden, schließt aber sachliche Korrektheit nicht aus.
Die gegen die Stiftung erhobene Kritik kommt überwiegend aus politischen Lagern, die selbst Gegenstand ihrer Arbeit sind. Unabhängige Überprüfungen ihrer Kernaussagen zeigen in der Regel keine relevanten Fehler. Die hohe öffentliche Förderung macht sie nicht weniger glaubwürdig, erhöht aber den legitimen Anspruch an Transparenz.
Fazit
Zuverlässige Quelle für Hintergrundanalysen zu Rechtsextremismus, AfD-Positionen und Demokratiegefährdung. Texte sollten mit Primärquellen gegengeprüft werden, wenn einzelne Behauptungen als Faktencheck-Grundlage dienen sollen.