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Stand: 23.06.2026

Belltower: Nius-Kampagne macht antifaschistische Recherche zum Angriffsziel

Link Beschreibung

Belltower-Analyse (23.06.2026) über eine Kampagne des rechten Portals Nius, die skandalisieren soll, dass Belltower.News mit antifaschistischen Recherchekollektiven zusammenarbeitet. Nius suggeriert, die Redaktion sei "der verlängerte Arm linksextremer Netzwerke". Der Artikel ordnet das als Einschüchterungstaktik ein: Ziel sei nicht journalistische Widerlegung, sondern Rufschädigung, Verunsicherung von Förderern und die Konstruktion einer angeblichen "staatlich finanzierten linksextremen Infrastruktur" rund um Belltower und seinen Träger, die Amadeu Antonio Stiftung.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Dieser Artikel ist eine Stellungnahme einer direkt betroffenen Partei: Belltower.News antwortet auf eine Kampagne des Portals Nius, das von Julian Reichelt geleitet und durch den Milliardär Frank Gotthardt (VIUS SE & Co. KGaA) finanziert wird. Das ist methodisch wichtig: Was Belltower über die Absichten und Wirkung der Kampagne schreibt, ist die Einschätzung einer Betroffenen, kein neutraler Schiedsspruch.

Was sich unabhängig belegen lässt: Dass Nius eine solche Kampagne fährt, ergibt sich aus dem Artikel selbst (Belltower zitiert und beschreibt konkrete Behauptungen) sowie aus dem bekannten Muster des Portals. Ver.di dokumentierte im Juli 2025 Diffamierungskampagnen von Nius, darunter 33 negative Beiträge in zwei Wochen gegen eine einzelne Person. Belltower selbst analysierte schon früher die "Methode Nius" als gezieltes Diffamierungsmodell. Der konkret auslösende Nius-Beitrag ist "Die Blutspur des NGO-Komplexes" vom 23. Juni 2026, verfasst vom Nius-Redakteur Jens Winter. Darin behauptet Nius, staatlich geförderte "Antifa-Fotografen" bereiteten mit ihren Bildern linksextreme Gewalttaten wie die der "Hammerbande" mit vor, und bezieht die Amadeu Antonio Stiftung namentlich ein: Sie nutze solches Fotomaterial auf Belltower.News "sogar unverpixelt", ein früherer Stiftungsmitarbeiter sei selbst an einem Angriff beteiligt gewesen. Damit zieht der Beitrag genau jene Linie von dokumentierender Recherche zu Gewalt, gegen die sich Belltower wehrt.

Der Hintergrund beider beteiligter Institutionen ist transparent: Amadeu Antonio Stiftung wurde 1998 gegründet, betreibt Belltower.News seit 2009 und erhält öffentliche Projektförderung, unter anderem über das Bundesprogramm "Demokratie leben!" (2023: rund 6 Millionen Euro). Nius wurde im Juli 2023 gestartet und verzeichnete 2024 nach Wikipedia-Angaben einen Verlust von rund 16 Millionen Euro. Ein Autor von Nius, Jens Winter, nahm laut Belltower-Recherche vom Mai 2026 an einem Podium des neurechten Jungeuropa-Treffens in Kosma (Thüringen) teil, bei dem AfD-Politiker, Neonazis und "Neue Rechte" zusammenkamen - ein Beleg für die inhaltliche Nähe des Portals zur organisierten Rechten.

Das von Belltower beschriebene Muster - suggestive Zusammenhänge konstruieren, Einzelpersonen und Quellen namentlich nennen, Fördermittel als Hebel einsetzen - entspricht dokumentierten Mustern rechter Medien- und Parlamentskampagnen. Die AfD nutzt parlamentarische Anfragen seit Jahren nach identischer Logik, um Förderentscheidungen zu diskreditieren, wie Belltower an anderer Stelle belegt.

Fazit

Der auslösende Nius-Beitrag liegt vor und bestätigt die Stoßrichtung: Er rückt die Amadeu Antonio Stiftung und Belltower in eine direkte Linie zu linksextremer Gewalt. Belltowers Einordnung als strategische Einschüchterung ist plausibel begründet, bleibt aber die Perspektive der Betroffenen.