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Cultural-Bastards-Video (geteilt von Fakten gegen Rechts): Bundesanwaltschaft ermittelt gegen den Berliner Verein "Friedensbrücke" wegen Terrorunterstützung. WDR/NDR/SZ/Monitor-Recherchen zeigen Finanzierung prorussischer Milizen aus Deutschland. Dazu: AfD-Bundestagsabgeordneter Max Kelinsch als mutmaßlicher russischer Informant. Quelle: Monitor / Das Erste.
Recherche-Ergebnis
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Das Facebook-Reel wurde am 16. Dezember 2025 von der Seite "Fakten gegen Rechts" geteilt und stammt ursprünglich vom YouTube-Kanal "Cultural Bastards". Das Video behandelt zwei miteinander verwobene Themen: die Bundesanwaltschafts-Ermittlungen gegen den Verein Friedensbrücke sowie Verbindungen eines AfD-Bundestagsabgeordneten zu Russland.
Claim 1: Bundesanwaltschaft ermittelt gegen "Friedensbrücke" wegen Terrorunterstützung
Einschätzung: ZUTREFFEND, mit rechtlicher Einordnung
Die Bundesanwaltschaft hat tatsächlich gegen Mitglieder des Vereins "Friedensbrücke, Kriegsopferhilfe e.V." ermittelt. Im Mai 2025 führte das BKA Razzien an mehreren Wohnungen und Büroräumen in Berlin und Brandenburg durch. Haftbefehle bestanden gegen zwei Vorstandsmitglieder: Klaus K. (ehemaliger NVA-Oberstleutnant aus Zernsdorf, Brandenburg) und Liane K./Kilinc (aus Wandlitz, Brandenburg).
Der Vorwurf lautet "Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung" (§ 129b StGB). Rechtliche Grundlage: Die Bundesanwaltschaft stuft die "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk als ausländische terroristische Vereinigungen ein. Der Verein soll zwischen 2015 und 2022 Spendengelder sowie Gütertransporte in die russisch kontrollierten Gebiete geleitet haben, darunter angeblich auch Dual-Use-Güter wie Motoröl, Drohnen und Wärmebildkameras.
Beide Hauptverdächtigen halten sich zum Zeitpunkt der Razzien in Russland auf. Liane Kilinc erhielt 2025 die russische Staatsbürgerschaft durch Präsidialerlass. Im Januar 2026 ordnete die Bundesanwaltschaft weitere Festnahmen in Berlin und Brandenburg an.
Quellen: Tagesspiegel: BKA-Razzia in Brandenburg, nd-aktuell: Terror-Vorwurf Durchsuchung Friedensbrücke, ZDF heute: Festnahmen Brandenburg, Handelsblatt: Bundesanwaltschaft Gruppen gefasst
Claim 2: WDR/NDR/SZ/Monitor zeigen Finanzierung prorussischer Milizen aus Deutschland
Einschätzung: ZUTREFFEND
Die genannten Medien (WDR, NDR, Süddeutsche Zeitung und das ARD-Politmagazin Monitor) veröffentlichten im September 2025 eine gemeinsame Recherche zu Liane Kilinc und der Friedensbrücke. Laut dieser Recherche flossen Gelder offenbar nicht nur in humanitäre Hilfe für Zivilisten, sondern auch an prorussische Bataillone und Brigaden an der Front. Monitor berichtete, Kilinc habe rund zwei Millionen Euro in bar sowie vier Millionen Euro in Sachspenden gesammelt.
Zusätzlich wurde Kilinc mit dem Umfeld des russischen Geheimdiensts FSB in Verbindung gebracht: Nach ihrem Umzug nach Moskau (2023) führten ihre Spuren nach Recherchen der beteiligten Medien "bis ins Umfeld des russischen Geheimdienstes."
Quellen: Spinnert.de: Agentin für Russland
Claim 3: AfD-Bundestagsabgeordneter "Max Kelinsch" als mutmaßlicher russischer Informant
Einschätzung: TEILWEISE UNGENAU, Namens- und Rollenverwechslung
Der im Video-Titel genannte Name "Max Kelinsch" existiert als AfD-Bundestagsabgeordneter nicht. Hier liegt sehr wahrscheinlich eine Verwechslung mehrerer Personen vor:
Liane Kilinc (nicht "Kelinsch") ist die Gründerin der Friedensbrücke. Sie ist eine Privatperson und kein AfD-Bundestagsmitglied. Gegen sie liegen Haftbefehle wegen Terrorunterstützung vor; sie hat keine formale AfD-Mitgliedschaft.
Rainer Rothfuß ist der AfD-Bundestagsabgeordnete mit dokumentierten Verbindungen zu Kilinc und zur Friedensbrücke. Er gründete die Organisation "Druschba-Global", die Reisen nach Russland organisierte und in der Vergangenheit auch an die Friedensbrücke spendete. Rothfuß bestätigte, seit 2016 in unregelmäßigem Kontakt mit Kilinc zu stehen und bezeichnete ihren Beitrag zu "humanitärer Hilfe und gegenseitigem Verständnis" als "nicht hoch genug einzuschätzen." Formale Spionagevorwürfe gegen Rothfuß persönlich sind öffentlich nicht bekannt; er wurde nicht als russischer Informant angeklagt.
Der Monitor-Bericht handelte von Kilinc als mutmaßlicher "Informantin des Kreml", nicht von einem AfD-Abgeordneten. Das Cultural-Bastards-Video (bzw. der Titel in der Quellenlink-Datei) scheint diese Sachverhalte miteinander zu vermischen oder ungenau zu benennen. Da das Facebook-Reel nicht mehr aufrufbar war, lässt sich der genaue Videoinhalt nicht vollständig prüfen.
Quellen: Euronews: Lawmakers accuse AfD of spying, Stuttgarter Zeitung: Druschba
Gesamtbewertung
Die Kernaussagen zu Friedensbrücke (Bundesanwaltschafts-Ermittlungen, Terrorunterstützungsvorwurf) und zur WDR/NDR/SZ/Monitor-Recherche sind substanziell korrekt und gut belegt. Kritisch ist die Darstellung des AfD-Abgeordneten als "russischer Informant": Es handelt sich bei der mutmaßlichen Kreml-Informantin um Liane Kilinc (Zivilperson, Vereinsgründerin), nicht um einen Bundestagsabgeordneten. Der AfD-Abgeordnete Rainer Rothfuß hat belegte Verbindungen zu Kilinc, ist aber selbst nicht als Informant angeklagt. Der Titel des Videos ist insofern irreführend.
Die zugrundeliegenden Recherchen von WDR/NDR/SZ/Monitor gelten als seriös und sind mit behördlichen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft konsistent.
