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Stand: 02.11.2026

JF: Merkel setze Ostdeutsche mit Syrern gleich

Irreführend

Link Beschreibung

Die Junge Freiheit berichtet über eine Rede von Angela Merkel bei der Verleihung des Internationalen Mendelssohn-Preises in Leipzig am 1. November 2026. Die Überschrift lautet, Merkel setze Ostdeutsche mit Syrern gleich, "die drei Jahre hier sind". Im zitierten Redeausschnitt spricht Merkel von "allen deutschen Staatsbürgern". Die Zeitung ergänzt, unter der Ampel-Regierung hätten Migranten schon nach drei Jahren eingebürgert werden können, und nennt den Vergleich "historisch unrichtig", weil DDR-Bürger die deutsche Staatsbürgerschaft von Geburt an besessen hätten.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Was Merkel gesagt hat. Nach dem dpa-Bericht in der Schwäbischen Zeitung (1. November 2026) sprach Merkel bei der Preisverleihung im Leipziger Gewandhaus davon, dass nicht gefragt werde, ob jemand "erst aus der DDR später dazugekommen" sei oder "vielleicht als Syrer erst vor drei Jahren dazugekommen". Ihr Schluss lautete: "Alle deutschen Staatsbürger sind das Volk." Das deckt sich mit dem NIUS-Bericht, der von "eingebürgerten Syrern" spricht. Beide Berichte geben nur Auszüge der Rede wieder.

Wo die Überschrift verkürzt. Merkel redet über Staatsbürger. Ihr Punkt ist, dass innerhalb der deutschen Staatsangehörigen niemand nach Ankunftszeitpunkt oder Dauer der Zugehörigkeit abgestuft wird. Die JF-Überschrift macht daraus eine Gleichsetzung von Ostdeutschen mit Syrern, "die drei Jahre hier sind". Die drei Jahre stammen aus Merkels eigenem Beispiel, weggelassen ist aber der Rahmen, in dem sie es anführte. Das liest sich, als gelte für Merkel schon eine dreijährige Anwesenheit als Zugehörigkeit zum "Volk". Das hat sie in den überlieferten Auszügen nicht gesagt, die Staatsangehörigkeit ist bei ihr die Voraussetzung. Richtig ist aber, dass sie beide Gruppen nebeneinanderstellt und ihnen dieselbe Zugehörigkeit zum Staatsvolk zuspricht, sofern sie deutsche Staatsbürger sind.

Einbürgerung nach drei Jahren. Die Ampel-Reform des Staatsangehörigkeitsrechts senkte die reguläre Voraufenthaltszeit von acht auf fünf Jahre. Eine Verkürzung auf drei Jahre war nur bei "besonderen Integrationsleistungen" möglich, mit Sprachkenntnissen auf Stufe C1 und gesichertem Lebensunterhalt, so die Begründung des Gesetzentwurfs der Bundesregierung (Drucksache 21/537, 23. Juni 2025). "Migranten konnten nach drei Jahren eingebürgert werden" lässt diese Bedingungen weg. Außerdem ist die Regel überholt: Der Bundestag strich die "Turbo-Einbürgerung" am 8. Oktober 2025, seither gilt grundsätzlich die Fünfjahresfrist. Nach Angaben von migrando.de trat die Änderung am 30. Oktober 2025 in Kraft, nachdem der Bundesrat am 17. Oktober zugestimmt hatte. Ob ein Syrer, der erst vor drei Jahren nach Deutschland kam, überhaupt schon deutscher Staatsbürger sein kann, ist damit eine Frage der Ausnahme, nicht der Regel.

DDR-Bürger und die deutsche Staatsangehörigkeit. Die JF-Aussage, DDR-Bürger hätten die deutsche Staatsbürgerschaft besessen, ist im Kern richtig. Nach dem Teso-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts hatte der Erwerb der DDR-Staatsangehörigkeit für die Rechtsordnung der Bundesrepublik die Wirkung des Erwerbs der deutschen Staatsangehörigkeit, im Rahmen des ordre public (BVerfGE 77, 137, Beschluss vom 21. Oktober 1987). Ob ein Vergleich mit später Eingebürgerten deshalb "historisch unrichtig" ist, ist eine Wertung der Zeitung. Merkel hat keine gleiche Geschichte behauptet, sondern gleiche Rechte als Staatsbürger.

Fazit

Die Überschrift ist irreführend. Merkel sagte, alle deutschen Staatsbürger gehörten zum Volk, egal wann sie dazugekommen sind; die Überschrift unterschlägt die Staatsangehörigkeit und macht eine bloße Aufenthaltsdauer daraus. Zutreffend ist, dass Merkel Ostdeutsche und Eingebürgerte in einem Satz nennt. Die Zusatzbehauptung zur Einbürgerung nach drei Jahren verschweigt die Bedingungen und die Abschaffung der Regel im Oktober 2025.