Zur Quelle "Monitor" springen
Stand: 27.11.2025

Herkunft von Tatverdächtigen wird häufiger berichtet als ihrem Anteil entspricht

Link Beschreibung

Eine Studie des Journalismus-Professors Thomas Hestermann (Makromedia Hochschule Hamburg) im Auftrag des Mediendienst Integration zeigt: Wenn Fernsehen und Tageszeitungen über Gewaltkriminalität berichten und dabei die Herkunft von Tatverdächtigen nennen, sind Nichtdeutsche massiv überrepräsentiert — im TV etwa dreifach gegenüber ihrem tatsächlichen Anteil in der Polizeilichen Kriminalstatistik. Monitor fasst die zentralen Befunde zusammen.

Zitat der Video-Beschreibung:

Wenn Nichtdeutsche eine Gewalttat verüben, wir darüber oft und viel berichtet. Und die Herkunft der Tatverdächtigen wird viel häufiger genannt, als es ihrem Anteil in der polizeilichen Kriminalstatistik entspricht.

👉 Wenn zum Beispiel Fernsehberichte über Gewaltdelikte berichten und dabei die Herkunft von Tatverdächtigen nennen, handelt es sich in 94,6 Prozent um Nichtdeutsche. Der polizeilich erfasste Anteil ausländischer Tatverdächtiger bei Gewaltdelikten liegt in der polizeilichen Kriminalstatistik (2024) bei 34,3 Prozent. Ausländische Tatverdächtige ist im Fernsehen also etwa dreifach überrepräsentiert. In Zeitungen sieht es kaum anders aus.

👉 Die Zahlen hat Thomas Hestermann, Professor für Journalismus an der Makromedia Hochschule Hamburg, in einer Expertise für den Mediendienst Integration erhoben. Dafür hat er in insgesamt vier Wochen von Januar bis April 2025 die reichweitenstarken bundesweiten Fernsehsender ARD, ZDF, RTL, Sat.1, ProSieben, Kabel Eins, Vox und RTL2 untersucht. 168 TV-Beiträge über Gewaltkriminalität in Deutschland mit 146 Tatverdächtigen wurden erfasst. Ebenfalls analysiert hat Hestermann die auflagenstarken bundesweiten Tageszeitungen Bild, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Welt und taz. Aus insgesamt 116 Zeitungsausgaben flossen 330 Beiträge mit 263 Tatverdächtigen in die Studie ein.

👉 Auffällig ist der Expertise zufolge auch, dass Tatverdächtige aus muslimischen Ländern überrepräsentiert sind. Fast drei Viertel der ausländischen Tatverdächtigen in den Medienberichten stammen aus überwiegend muslimischen Ländern. Das ist deutlich mehr, als die polizeiliche Kriminalstatistik für diese Länder ausweist (15,8 Prozent).

👉 Für Hestermann und auch für viele Kriminolog:innen belegt die Studie, dass die mediale Darstellung vor allem von Gewaltkriminalität verzerrt ist. Es entsteht der Eindruck, dass Nichtdeutsche deutlich krimineller und gewalttätiger seien als es die - auch schon aus vielfältigen Gründen verzerrten – offiziellen Statistiken ausweisen. Das kann Vorurteile verstärken.

(Tippfehler von uns korrigiert)

Monitor hat sich dem Thema auch im StudioM Format angenommen. Hier der Link zum Video.

Verwendungen

Faktenchecks