Link Beschreibung
Markus Reuter geht am 12. Oktober 2026 bei netzpolitik.org einem Gerücht nach, das nach den ukrainischen Drohnenangriffen auf Rechenzentren des russischen Internetkonzerns Yandex die Runde machte: Die Aktivität von Social Bots, die Parteien wie die AfD unterstützen, sei mit den Angriffen zurückgegangen. Verbreitet haben das laut dem Text unter anderem der Grünen-Stadtrat Robin Schlingheider auf Threads und der tschechische Europaabgeordnete Tomáš Zdechovský auf X. Auch Standard und Focus hätten die Nachricht verbreitet oder gestützt. Der Befund steht schon im Vorspann: Belege gibt es dafür bislang nicht, die Nachricht dürfte auf einer Verwechslung beruhen, was Bots eigentlich sind.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Beitrag trennt, was sich messen lässt, von dem, was daraus geschlossen wurde. Belegen lässt sich nach Reuter nur ein Rückgang automatisierter Zugriffe aus dem Netz AS13238, das zu Yandex gehört. Der gesamte russische Bot-Verkehr sei laut einer Statistik von Cloudflare nicht deutlich zurückgegangen. Gemeint ist außerdem Verkehr im Internet allgemein. Dazu zählen Suchmaschinen-Crawler, Zugriffe auf Schnittstellen und KI-Anwendungen. Social Bots geben sich dagegen als Menschen aus, und Messungen wie die von Cloudflare erfassen einen guten Teil von ihnen wahrscheinlich gar nicht.
Zwei Stimmen stützen die Zweifel. Gegenüber netzpolitik.org sagte Josef Holnburger, Geschäftsführer von CeMAS, seine Organisation könne derzeit keinen Rückgang anorganischer Likes und Retweets erkennen. Dafür sei es aber auch noch zu früh, und am Wochenende gehe die Aktivität russischer Desinformationskampagnen ohnehin zurück. Der Regensburger Informatik-Professor Raphael Wimmer hält die verbreitete Grafik für möglicherweise KI-generiert. Ein Entwickler veröffentlichte Daten, nach denen die Interaktionen auf dem X-Account der AfD bis zum 9. Oktober nicht gesunken sein sollen. Die Angriffe liefen laut dem Text vom 7. bis zum 11. Oktober, diese Daten decken also nur die ersten Tage ab.
Am 13. Oktober ergänzte netzpolitik.org in einem Nachtrag unter dem Text, Schlingheider habe seinen Beitrag korrigiert: Er habe die Grafik ungeprüft von einem anderen Post übernommen, der inzwischen gelöscht sei.
Dass die Angriffe keine Wirkung auf Einflussoperationen hatten, behauptet der Beitrag nicht. Er hält fest, dass sich ein Rückgang bislang nicht belegen lässt. Zum selben Ergebnis kommt unsere Einordnung der Grafik, die zusätzlich den Faktencheck von Mimikama, einen Bericht von Cybernews und eine Auswertung von Rohtext heranzieht.
Fazit
Das Gerücht ist irreführend, und der Beitrag von netzpolitik.org zeigt nachvollziehbar, warum: Gemessen wurde ein Einbruch automatisierter Zugriffe aus dem Yandex-Netz, behauptet wurde ein Einbruch bei Propaganda-Konten. Ob Bot-Netzwerke durch die Angriffe geschwächt wurden, ist damit weder belegt noch ausgeschlossen. Der Text legt offen, wen er befragt hat und was noch ungeklärt ist, und hat einen Tag später die Korrektur eines Verbreiters nachgetragen.
