Link Beschreibung
Bericht vom 28. Juni 2026 über Aussagen des Forsa-Chefs Manfred Güllner zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026.
Eine absolute Mandatsmehrheit der AfD nennt Güllner dort "durchaus möglich", aber nicht zwangsläufig. Bundesweit beziffert er das AfD-Potenzial auf 28 Prozent: 20 Prozent der Wahlberechtigten wollen die Partei derzeit wählen, weitere 8 Prozent könnten es sich vorstellen. Im Osten liegt der Wert bei 41 Prozent, im Westen bei 24 Prozent. Entscheidend sei, ob CDU und SPD ihre eigenen Wähler an die Urne bringen, denn eine absolute AfD-Mehrheit wäre nach seiner Lesart eher Folge der Schwäche der anderen Parteien als der Stärke der AfD.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Weil die beiden Aussagen meist getrennt zitiert werden, fällt ihre Spannung kaum auf. Dasselbe Institut hält das bundesweite Potenzial für weitgehend ausgeschöpft und eine absolute Mehrheit in einem Bundesland für erreichbar. Beides kann zutreffen, weil sich die Zahlen auf verschiedene Grundgesamtheiten beziehen. Die verbreitete Lesart "das Potenzial ist erreicht, mehr geht nicht" deckt der Befund aber nicht.
Fragwürdig ist zweitens die Kategorie selbst. "Potenzial" meint hier die Summe aus fester Wahlabsicht und geäußerter Vorstellbarkeit, erhoben in einer Momentaufnahme, und damit einen Messwert, der sich mit der Wahrnehmung der Partei verschiebt. Eine Obergrenze ist das nicht. Wie beweglich er ist, zeigt Güllners eigener Hinweis auf ein historisch stabiles rechtsradikales Milieu von gut 10 Prozent, das die AfD längst überschritten hat.
Güllner äußert sich regelmäßig pointiert und ist SPD-Mitglied. Seine Deutungen gehören deshalb von den Erhebungsdaten getrennt: Die Potenzialzahlen stammen aus Forsa-Erhebungen, die Bewertung, welche Partei ihre eigenen Leute "abschreckt", ist seine Interpretation.
