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Stand: 17.06.2026

Kommentar: Diese Holocaust-Aussagen von Björn Höcke dürfen nicht ungehört bleiben

Falsch

Link Beschreibung

Meinungskommentar von Melanie Amann (Chefredakteurin Digital der FUNKE Zentralredaktion) in der Berliner Morgenpost zu einer Aussage von Björn Höcke, der Holocaust sei "nicht im Namen der Deutschen" geschehen. Der Kommentar ordnet die Äußerung als neue Stufe der NS-Verharmlosung ein: Höcke versuche, die deutsche Verantwortung für den industriellen Massenmord abzustreifen, indem er ihn als unter strengster Geheimhaltung verübte Tat darstellt. Amann verweist auf Höckes durchgängiges Lebensthema der "erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad" und stellt die Aussage in eine Linie mit Alexander Gaulands "Vogelschiss"-Verharmlosung von 2018.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Aussage fiel am 7. Juni 2026 in einem über zweistündigen Video-Interview zwischen Höcke und Roger Köppel (Chefredakteur der Schweizer Weltwoche). Im Wortlaut, dokumentiert von der Jüdischen Allgemeinen: "Ich möchte aber feststellen, es ist nicht im deutschen Namen passiert. Es ist unter den Bedingungen einer Diktatur passiert, und es wurde ein Riesen-Geheimnis darum gemacht." An anderer Stelle ergänzte er: "dieses Verbrechen ist nicht im Namen des deutschen Volkes passiert."

Die Behauptung ist historisch falsch. Der Holocaust war kein unter Geheimhaltung an der deutschen Bevölkerung vorbeigeführtes Projekt einer fernen Diktatur, sondern ein von deutschen Behörden offen bürokratisch betriebener Massenmord. Die Holocaust-Enzyklopädie des USHMM hält fest: "Ohne die Mitwirkung von Millionen von Europäern (Deutschen, aber auch anderen) wäre der Holocaust nicht möglich gewesen." Deportationen wurden vom Reichssicherheitshauptamt (Referat IV B 4 unter Adolf Eichmann) organisiert, von der Reichsbahn durchgeführt, von der Wehrmacht begleitet und von ziviler Bürokratie auf kommunaler und staatlicher Ebene vorbereitet. Das Deutsche Historische Museum dokumentiert: "Kaum eine Institution des NS-Regimes blieb am Völkermord unbeteiligt."

Deportationen fanden auf öffentlichen Bahnhöfen mitten in deutschen Städten statt. Hunderttausende Deutsche arbeiteten als Wachpersonal in Lagern, als Bürokraten in Ämtern oder als Soldaten in Einsatzgruppen. Der Versuch, den Holocaust als Geheimnis einer Diktatur umzudeuten, der "nicht im deutschen Namen" geschah, ist eine klassische apologetische Strategie, die die Grundlage des deutschen Gedenkens nach 1945, die Anerkennung kollektiver historischer Verantwortung, gezielt untergräbt.

Michael Thaidigsmann betont in der Jüdischen Allgemeinen, Höcke spreche als ausgebildeter Geschichtslehrer nicht aus Unwissenheit: Er formuliere strategisch, um die Erinnerungskultur zu demontieren. Das deckt sich mit Höckes seit Jahren erklärtem Ziel einer "erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad" (Dresdner Rede, Januar 2017) und seiner Einstufung durch den Verfassungsschutz als Rechtsextremist.

Fazit

Höckes Behauptung, der Holocaust sei "nicht im Namen der Deutschen" geschehen und unter "strengster Geheimhaltung" verübt worden, ist historisch falsch: Der Massenmord war ein von deutschen Behörden, der Wehrmacht und Millionen Einzelpersonen organisierter, bürokratisch umgesetzter Staatsmord, der auf öffentlichen deutschen Bahnhöfen begann. Die Aussage ist Teil eines langfristigen Musters der Geschichtsklitterung mit dem Ziel, deutsche Verantwortung für den Holocaust zu negieren.