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Stand: 07.04.2026

Tariflöhne steigen 2024 nominal um 5,5 Prozent, erstmals wieder kräftiger Reallohnzuwachs von 3,2 Prozent

Wahr

Link Beschreibung

Pressemitteilung des WSI-Tarifarchivs zur Lohnentwicklung 2024. Nach Jahren mit inflationsbedingten Reallohnverlusten (2021-2023) stiegen die Tariflöhne 2024 nominal um 5,5 Prozent, was bei einer Inflation von 2,2 Prozent einen Reallohnzuwachs von 3,2 Prozent ergab. Rund 12,6 Millionen Beschäftigte erhielten 2024 neue Tarifabschlüsse; zusammen mit bereits vereinbarten Erhöhungen profitieren insgesamt über 20 Millionen Beschäftigte. Das WSI-Tarifarchiv weist darauf hin, dass die kumulierten Reallohnverluste der Hochinflationsphase 2021-2023 erst zur Hälfte ausgeglichen sind und das reale Tariflohnniveau noch unter dem Spitzenwert von 2020 liegt.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Kerndaten der Pressemitteilung sind durch unabhängige offizielle Statistiken gut belegt. Das Statistische Bundesamt (Destatis) bestätigt die Inflationsrate 2024 von 2,2 Prozent (Destatis: Inflationsrate im Jahr 2024 bei +2,2 % (Januar 2025)) sowie den Reallohnanstieg 2024 von 3,1 Prozent für die Gesamtwirtschaft (Destatis: Reallöhne im Jahr 2024 um 3,1 % gestiegen (Februar 2025)). Der Destatis-Wert gilt für alle Arbeitnehmer, während das WSI den Wert von 3,2 Prozent auf Tarifbeschäftigte bezieht, beide Zahlen liegen nah beieinander und widersprechen sich nicht. Auch die Tarifverdienste bestätigt Destatis mit einem Plus von 4,8 Prozent einschließlich Sonderzahlungen (Destatis: Tarifverdienste im Jahr 2024 um 4,8 % gestiegen (Februar 2025)), was leicht unter dem WSI-Wert von 5,5 Prozent liegt. Die Differenz ist methodisch erklärbar: Das WSI-Tarifarchiv berechnet auf Basis gewichteter Tarifbranchen und bezieht die Inflationsausgleichsprämien (IAPs) als Bruttoeinmalzahlungen mit ein, während Destatis einen anderen Erhebungsansatz nutzt.

Die Einschätzung von WSI-Chef Thorsten Schulten, dass erst etwa die Hälfte der kumulierten Reallohnverluste der Jahre 2021-2023 ausgeglichen wurde, lässt sich nachvollziehen: Das reale Tariflohnniveau entspricht nach WSI-Berechnung dem Stand von 2018. Die Inflationsausgleichsprämien werden als "zweischneidiges Schwert" eingeordnet, sie entlasteten kurzfristig, erhöhen aber nicht dauerhaft das Tarifniveau und laufen Ende 2024 aus, was die Tariflohnentwicklung 2025 dämpfen wird.

Die gewerkschaftsnahe Herkunft der Hans-Böckler-Stiftung ist bei der Einordnung zu berücksichtigen, ändert aber nichts an der sachlichen Richtigkeit der präsentierten Zahlen.

Fazit

Die Kerndaten der WSI-Jahresbilanz sind durch Destatis-Statistiken bestätigt. Die Aussagen über kumulierte Reallohnverluste und die Rolle der Inflationsausgleichsprämien sind sachlich zutreffend und methodisch nachvollziehbar.

Verwendungen

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