Opferperspektive e.V.
Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg

Über die Quelle
Die Opferperspektive e.V. ist eine zivilgesellschaftliche Beratungs- und Dokumentationsstelle mit Sitz in Potsdam. Sie wurde 1998 als ehrenamtliche Initiative gegründet, als Reaktion auf die massive Welle rechter Gewalt in Brandenburg nach der Wiedervereinigung. Das Mordopfer Amadeu Antonio, der 1990 in Eberswalde von Neonazis erschlagen wurde, steht stellvertretend für jene Zeit. Die Opferperspektive gilt als erste spezialisierte Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt in ganz Deutschland und wurde als eingetragener Verein im Jahr 2000 offiziell konstituiert.
Geschäftsführerin ist Judith Porath. Der Verein betreibt drei Arbeitsschwerpunkte: professionelle Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, Antidiskriminierungsberatung (seit 2009 als Antidiskriminierungsberatung Brandenburg unter dem gleichen Dach), sowie Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Letztere umfasst die Wanderausstellung "Opfer rechter Gewalt seit 1990" und das Webportal "Kein Schöner Land". Die Beratung findet aufsuchend statt - am Ort der Wahl der Betroffenen, mit Dolmetscher-Unterstützung und unter Wahrung der Vertraulichkeit.
Seit 2002 erstellt die Opferperspektive ein zivilgesellschaftliches Monitoring rechter Gewalttaten in Brandenburg, das jährlich als Statistik veröffentlicht wird. Der Verein ist damit die einzige nichtstaatliche Institution im Land, die diese Daten professionell und systematisch erhebt. 2025 wurden 290 Angriffe dokumentiert, die eine Beratungsintervention erforderlich machten.
Der Verein ist Mitglied im Amadeu Antonio Stiftung-Netzwerk, im bundesweiten Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG), im Arbeitskreis der Opferhilfen (ado), im Antidiskriminierungsverband Deutschland (advd) sowie im Brandenburger Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit.
Die Finanzierung setzt sich zusammen aus Landesförderung Brandenburgs im Rahmen des Handlungskonzepts "Tolerantes Brandenburg", Mitteln des Bundesprogramms "Beratungsnetzwerke", Spenden, Mitgliedsbeiträgen und gerichtlich zugewiesenen Geldauflagen. Schätzungsweise rund 80 Prozent des Budgets stammen aus öffentlichen Quellen.
Links
- opferperspektive.de
- Wikipedia: Opferperspektive (Organisation)
- Eintrag im VBRG-Verband
- Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung: Opferperspektive
- Mastodon
Faktenfackel Bewertung
Die Opferperspektive ist eine der methodisch sorgfältigsten zivilgesellschaftlichen Quellen zur Dokumentation rechter Gewalt in Deutschland. Ihre Erfassungskriterien sind transparent publiziert und orientieren sich eng an der polizeilichen Definition politisch rechtsmotivierter Kriminalität (PMK-rechts): Gezählt werden körperliche Angriffe, Sachbeschädigungen, Brandstiftungen und Bedrohungen mit erheblichen Folgen, wenn eine rechte Tatmotivation durch Opfer, Dritte oder die Polizei zugeschrieben wird. Rassistische Diskriminierungen oder Propagandadelikte ohne Gewaltkomponente werden bewusst ausgeklammert, um die Vergleichbarkeit mit Polizeidaten zu wahren. Die Kriterien wurden im Qualitätszirkel ostdeutscher Beratungsstellen gemeinsam entwickelt.
Die Statistik weicht regelmäßig nach oben von den Polizeizahlen ab - 2021 etwa zählte die Opferperspektive 150 Taten gegenüber 108 polizeilich erfassten. Das ist kein Mangel, sondern der erklärte Zweck des Monitorings: Untererfassung durch staatliche Stellen zivilgesellschaftlich zu korrigieren. Der Verein benennt explizit, dass er "keine Ermittler" ist und Aussagen zu objektivieren versucht, ohne dabei ein Strafurteil vorauszusetzen.
Kritische Einwände gegen die Zuverlässigkeit des Monitorings sind in der Fachliteratur und im politischen Diskurs kaum dokumentiert. Die Organisation wird von staatlichen Stellen Brandenburgs institutionell gefördert und gilt auch der Amadeu Antonio Stiftung als Blaupause für bundesweite Nachahmer. Die Doppelrolle als parteiisch arbeitende Opferberatung und zugleich zitierfähige Statistikquelle ist dem Verein bewusst: Parteilichkeit im Sinne der Betroffenen ist programmatisch verankert, während das Monitoring methodisch auf Nachvollziehbarkeit angelegt ist.
Fazit
Die Opferperspektive e.V. ist eine belastbare und seriöse Quelle für rechte Gewalttaten in Brandenburg. Ihre Zahlen liegen strukturell über den Polizeizahlen, weil sie das Dunkelfeld systematischer erfassen - das macht sie für journalistische und wissenschaftliche Zwecke besonders wertvoll, sofern die Unterschiede zur PMK-Statistik transparent kommuniziert werden.