Violence Prevention Network
Gemeinnützige Deradikalisierungsorganisation, aktiv seit 2001/2004 in den Bereichen Rechtsextremismus- und Islamismus-Prävention, eingebunden in staatliche Netzwerke wie das Berliner DeRadNet

Violence Prevention Network (VPN) ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Berlin, die in der Extremismusprävention und Deradikalisierung tätig ist. Geschäftsführung sind Judy Korn und Thomas Mücke. VPN arbeitet nach eigenen Angaben sowohl mit rechtsextremistisch als auch mit islamistisch radikalisierten Personen und ist unter anderem Teil des von der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport koordinierten Deradikalisierungsnetzwerks (DeRadNet), in dem Polizei, Justiz und Verfassungsschutz sicherheitsrelevante Fälle gemeinsam bearbeiten.
Über die Quelle
Die Wurzeln von VPN liegen laut Wikipedia in einem Modellprojekt von 2001: In Brandenburger Haftanstalten führte das spätere VPN-Team erste Anti-Gewalt- und Kompetenztrainings mit rechtsextremistischen Gefangenen durch. Daraus entstand 2004 die Organisation Violence Prevention Network, die 2020 von einem eingetragenen Verein in eine gGmbH umgewandelt wurde. Seit 2006 arbeitet VPN auch mit islamistisch gefährdeten Jugendlichen, seit 2007 im Vorhaftbereich und seit 2012 im Erwachsenenvollzug mit verurteilten Straftätern aus dem terroristischen Umfeld. Nach eigenen Angaben sind mittlerweile über 150 Mitarbeitende in acht Bundesländern sowie im europäischen Ausland und in den USA für die Organisation tätig.
Kern der Arbeitsweise ist die von VPN entwickelte "Verantwortungspädagogik", laut Wikipedia eine eingetragene Marke der Organisation, die radikalisierte Menschen befähigen soll, ihre bisherigen Verhaltensmuster zu reflektieren und in das demokratische Gemeinwesen zurückzukehren. Neben der direkten Arbeit in Haftanstalten und mit Ausstiegswilligen betreibt VPN laut Wikipedia seit 2014 eine eigene Akademie zur Fortbildung von Sicherheitsbehörden, Hochschulen und pädagogischem Personal.
VPN finanziert sich laut Wikipedia überwiegend aus Mitteln der Europäischen Union, des Bundes und der Länder sowie aus Spenden. Laut einer NIUS-Recherche vom 30. Juli 2026 erhielt die Organisation zwischen 2014 und 2024 rund 70 Millionen Euro Steuergeld, unter anderem vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie der Bundeszentrale für politische Bildung.
In Berlin ist VPN über die "PREVENT-Beratungsstelle Berlin" fester Bestandteil des von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport koordinierten Deradikalisierungsnetzwerks (DeRadNet). Laut Bundeszentrale für politische Bildung werden dort gemeinsam mit Landeskriminalamt, Landesamt für Verfassungsschutz und der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung sicherheitsrelevante Einzelfälle in Fallkonferenzen besprochen. Daneben betreibt VPN gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung und dem Zentrum für angewandte Deradikalisierungsforschung modus|zad das Beratungsangebot "Beratungskompass Verschwörungsdenken" für Angehörige von Menschen, die sich nach Einschätzung der Betreiber in Verschwörungserzählungen verstricken.
CSD-Attentäter Abdul Ballout
Wenige Wochen vor dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day am 25. Juli 2026 hatte der spätere Attentäter Abdul Ballout laut einem Tagesspiegel-Interview mit Geschäftsführer Thomas Mücke zwei Gespräche bei VPN wahrgenommen. Ballout war laut NIUS am 12. Mai 2026 vom Jugendschöffengericht am Amtsgericht Tiergarten wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat zu einer Jugendfreiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht stellte die endgültige Entscheidung über eine Vorbewährung zunächst für sechs Monate zurück, dieser Beschluss wurde jedoch nie rechtskräftig, weil die Generalstaatsanwaltschaft gegen das Urteil Berufung einlegte. Warum sich Ballout dennoch an VPN wandte, ist laut NIUS auch dem Gericht selbst nicht bekannt.
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Faktenfackel Bewertung
VPN ist keine unabhängige zivilgesellschaftliche Initiative am Rand des Systems, sondern eine seit über zwei Jahrzehnten staatlich geförderte und in behördliche Strukturen eingebundene Organisation. Die Mitgliedschaft im Berliner DeRadNet, in dem sie mit Landeskriminalamt und Verfassungsschutz zusammenarbeitet, sowie die jahrelange Förderung durch Bundesministerien belegen eine offizielle Anerkennung als Präventionsakteurin, nicht die Nähe zu einem politischen Lager. Dass VPN nach eigener Darstellung und laut Wikipedia gleichermaßen gegen Rechtsextremismus und gegen Islamismus arbeitet, spricht ebenfalls gegen eine einseitige ideologische Ausrichtung.
Die NIUS-Recherche vom Juli 2026 wirft der Organisation dennoch personelle und finanzielle Verflechtungen mit dem sogenannten NGO-Komplex vor: Geschäftsführerin Judy Korn habe gegenüber dem Tagesspiegel früheres Engagement in einer Antifa-Gruppe erwähnt, Mitgeschäftsführer Thomas Mücke sitze im Vorstand von Gangway e.V., dessen Berliner Ortsgruppe Wedding 2023 provokante Bildmontagen im AfD-Kampagnenstil geteilt habe, und das gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung betriebene Beratungsangebot verweise in seinen Lernmaterialien auf ein Tool von CORRECTIV. Diese Einzelbefunde stammen ausschließlich aus der NIUS-Recherche und sind von Faktenfackel nicht unabhängig geprüft; sie sollten entsprechend als "laut NIUS" gekennzeichnet und nicht als gesicherte Tatsachen behandelt werden. Die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag griff die Recherche auf und bezeichnete VPN daraufhin pauschal als "antideutschen Sumpf", eine Zuspitzung, die Faktenfackel in einer separaten Bewertung als irreführend eingestuft hat, weil sie die dokumentierte staatliche Einbindung der Organisation ausblendet.
Fazit
Violence Prevention Network ist eine staatlich anerkannte und in Sicherheitsbehörden eingebundene Deradikalisierungsorganisation. Die von NIUS aufgeworfenen Fragen zu personellen und finanziellen Verflechtungen sind eine legitime Debatte über Auswahlkriterien bei Präventionsprojekten, tragen aber, isoliert betrachtet, keine pauschale ideologische Zuschreibung an die gesamte Organisation.