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Stand: 24.05.2026

EIKE: Die Klimakatastrophe ist abgesagt, der Raubzug geht weiter

Irreführend

Link Beschreibung

Artikel von Michael Limburg bei Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE) vom 23. Mai 2026. EIKE nimmt den Wegfall des Extremszenarios RCP 8.5 aus dem CMIP7-Rahmen als angeblichen Beweis, die Klimakatastrophe sei abgesagt und die Klimapolitik ein "Raubzug". Limburg behauptet zudem, Wind und Solar hätten 2024 nur rund 2,8 Prozent der weltweiten Primärenergie geliefert, weshalb die Darstellung des RCP-8.5-Wegfalls als Erfolg der Erneuerbaren an der Wirklichkeit vorbeigehe.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der Artikel kombiniert eine reale Zahl mit einem irreführenden Kontext und zieht daraus eine falsche Schlussfolgerung, ein für EIKE typisches Muster der Desinformation.

Die 2,8-Prozent-Zahl: real, aber absichtlich missverständlich. Laut Energy Institute Statistical Review of World Energy 2025 lieferten Wind und Solar 2024 tatsächlich rund 2,8 Prozent der weltweiten Primärenergie, nämlich nach der sogenannten direkten Methode (direct primary energy), die das Institut seit 2025 als Standardmethode verwendet. Limburg verschweigt, dass diese Berechnungsweise den Anteil erneuerbarer Energien systematisch kleinrechnet: Fossile Energieträger gehen mit ihrem Bruttoinput in die Statistik ein, also einschließlich der enormen Wärmeverluste in Kraftwerken, während Erneuerbare nur mit ihrem tatsächlichen Stromoutput erfasst werden. Da rund 60 Prozent der in fossilen Kraftwerken eingesetzten Energie als Abwärme verloren gehen, erscheint der fossile Anteil in der Primärenergiestatistik aufgebläht, der Anteil der Erneuerbaren entsprechend winzig. Die Substitutionsmethode, die diesen Verzerrungseffekt korrigiert, indem sie Erneuerbare auf das Energieäquivalent hochrechnet, das Kraftwerke dafür benötigen würden, würde Wind und Solar einen deutlich höheren Anteil zuschreiben. Our World in Data erklärt beide Methoden und ihre Unterschiede ausführlich.

Ein sinnvollerer Vergleich ist der Anteil an der globalen Stromerzeugung: Dort lieferten Wind und Solar 2024 bereits 15 Prozent des weltweit erzeugten Stroms, Solar allein wuchs um 29 Prozent auf einen Rekordwert (Ember Global Electricity Review 2025). In der Stromerzeugung, dem Sektor, der am schnellsten dekarbonisiert wird, hat die Rolle der Erneuerbaren also eine völlig andere Dimension als der EIKE-Artikel suggeriert.

Der RCP-8.5-Wegfall als Klimakatastrophe-Absage: falsch. Das Szenario RCP 8.5 (bzw. SSP5-8.5) wurde nicht vom IPCC zurückgezogen, sondern von Wissenschaftlern im Rahmen des Coupled Model Intercomparison Project (CMIP) des World Climate Research Programme (WCRP). Das IPCC musste in einer eigenen Mitteilung vom 20. Mai 2026 ausdrücklich klarstellen, dass es mit der Entscheidung nichts zu tun hat. EIKE steht mit dieser Lesart nicht allein: Auch der Deutschland-Kurier verdrehte die Szenario-Neubewertung zur angeblichen IPCC-Absage der Klimakatastrophe. Ein im April 2026 veröffentlichtes Paper von Detlef van Vuuren und über 40 Co-Autoren begründet den Schritt damit, dass Kosten für Erneuerbare stark gesunken sind, Klimapolitik greift und aktuelle Emissionstrends in eine andere Richtung zeigen, also genau der gegenteilige Befund dessen, was EIKE daraus ableitet. Dieser Kontext ist im Artikel vollständig abwesend.

Dass ein Extremszenario aus einem Modellrahmen entfernt wird, weil es durch reale Entwicklungen unwahrscheinlicher geworden ist, ist kein Beweis, dass Klimarisiken überzeichnet waren, sondern ein Beleg, dass Klimaschutz wirkt. Das neue "High"-Szenario, das RCP 8.5 als oberes Extremszenario ersetzt, führt nach wie vor zu rund 3,3 Grad Erwärmung bis 2100, eine Entwicklung, die Klimaforscher als katastrophal einordnen (Carbon Brief: Factcheck zu RCP 8.5). Eine ausführliche Einordnung dieser Debatte, einschließlich der Rolle der AfD, findet sich im Volksverpetzer-Faktencheck zum selben Thema.

Fazit

Der Artikel ist irreführend: Die genannte 2,8-Prozent-Zahl ist real, wird aber durch die Wahl der direkten Primärenergiemethode klein gehalten und ohne den entscheidenden Kontext präsentiert. Dass diese Berechnungsweise Erneuerbare systematisch benachteiligt, während die korrigierende Substitutionsmethode höhere Anteile ergeben würde, verschweigt Limburg. Der Schluss, der Wegfall von RCP 8.5 widerlege die Gefährlichkeit des Klimawandels oder den Erfolg der Energiewende, ist sachlich falsch und kehrt die Fakten um.