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Stand: 31.08.2026

EIKE erklärt Netto-Null für gescheitert

Irreführend

Link Beschreibung

Übersetzung eines Textes von Stephen Moore (Unleash Prosperity) bei Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE), veröffentlicht am 31. August 2026 über Climate Change Dispatch. Aus dem Austritt von JPMorgan Chase, Bank of America, Goldman Sachs, Citigroup, Morgan Stanley und Wells Fargo aus der Net-Zero Banking Alliance leitet der Text ab, die Netto-Null-Bewegung sei "tot". Genannt werden außerdem Anteile von rund 70 Prozent fossiler und etwa 10 Prozent "grüner" Energie am US-Bedarf. Der Deutschlandbezug entsteht ausschließlich über eingeschobene Klammern des Übersetzers.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Den Austritt der sechs Banken hat es gegeben. JPMorgan Chase, Bank of America, Goldman Sachs, Citigroup, Morgan Stanley und Wells Fargo haben die Net-Zero Banking Alliance verlassen. Neu ist daran allerdings nichts: Sie erfolgten zwischen Mitte Dezember 2024 und Mitte Januar 2025, also rund zwanzig Monate vor Erscheinen dieses Textes. Über eine "neue Studie" stellt der Beitrag sie dennoch als aktuelle Entwicklung dar.

Auch die Aufzählung ist unvollständig, und zwar zuungunsten der eigenen These nur scheinbar. Die sechs größten kanadischen Banken folgten noch im Januar 2025, dazu kamen unter anderem Barclays, HSBC und UBS. Die Bewegung war also breiter als "sechs US-Banken". Vor allem aber existiert die Allianz in ihrer bisherigen Form seit dem 3. Oktober 2025 gar nicht mehr: Nach einer Mitgliederabstimmung stellte die NZBA ihren Betrieb ein und führt ihre Vorgaben seither als mitgliedschaftsfreies Rahmenwerk weiter. Der Text baut seine Pointe damit auf einem Zwischenstand auf, der längst überholt ist.

Eine zentrale Zahl stimmt nicht. Rund 70 Prozent des amerikanischen Energiebedarfs würden mit fossilen Brennstoffen gedeckt und nur etwa 10 Prozent mit "grüner Energie", schreibt der Beitrag. Nach Daten der US-Energiebehörde EIA lag der Verbrauch 2025 bei 96 Billiarden British thermal units, davon entfielen 82 Prozent auf fossile Energieträger, rund 9 Prozent auf Erneuerbare und rund 9 Prozent auf Kernenergie. Der Anteil der Erneuerbaren ist also ungefähr richtig angegeben, der fossile Anteil um zwölf Prozentpunkte zu niedrig. Bemerkenswert daran ist die Richtung des Fehlers. Er verkleinert genau die Abhängigkeit, mit der der Text seine These überhaupt erst begründet.

Die Übertragung auf Deutschland findet ausschließlich in eingeschobenen Klammern des Übersetzers statt, etwa "Ersetzen Sie Amerika durch Deutschland und Sie haben die Ergebnisse bei uns exakt beschrieben". Begründet wird sie nicht. Sie trägt auch deshalb nicht, weil die europäischen und deutschen Klimaneutralitätsziele nicht auf freiwilligen Selbstverpflichtungen von Banken beruhen, sondern im Europäischen Klimagesetz und im Bundes-Klimaschutzgesetz stehen. Über deren Fortbestand sagt der Rückzug einer Branchenallianz nichts aus.

Der Rest des Textes besteht aus Bewertungen, die keine Prüfbehauptung enthalten: Netto-Null sei "reine Symbolpolitik" und ein "Symbol der Tugendhaftigkeit" gewesen. Die verlinkten Belege führen fast durchgehend auf Beiträge desselben Portals Climate Change Dispatch, nicht auf Primärquellen. Dasselbe Muster der Selbstreferenz haben wir bei EIKE bereits in unserer Einordnung zu der Rechnung zum Anteil der Erneuerbaren beschrieben.

Fazit

Die Behauptung ist irreführend. Der Austritt der sechs US-Banken aus der Net-Zero Banking Alliance ist belegt, liegt aber zwanzig Monate zurück und wird als aktuelle Entwicklung präsentiert. Dass die Allianz seit Oktober 2025 ohnehin keine Mitglieder mehr führt, bleibt unerwähnt, ebenso der parallele Rückzug kanadischer, britischer und Schweizer Institute. Die Angabe zum fossilen Anteil am US-Energieverbrauch liegt mit rund 70 statt 82 Prozent deutlich daneben. Und der Schluss vom Ende eines freiwilligen Bankenbündnisses auf das Ende der Klimaneutralitätspolitik trägt nicht, weil die europäischen und deutschen Ziele gesetzlich festgelegt sind.