Link Beschreibung
Übersetzung eines Textes von H. Sterling Burnett (Heartland Institute) bei Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE), veröffentlicht am 30. August 2026. Ursprungsquelle ist ein Beitrag des britischen Portals The Daily Sceptic vom 11. August 2026. Behauptet wird, das Met Office habe das Kapitel zu Windgeschwindigkeiten aus seinem jüngsten Klima-Jahresbericht entfernt, weil Messdaten aus 50 Jahren einen Rückgang statt des behaupteten Anstiegs zeigen, und stütze sich stattdessen auf Modellprognosen und Einzelsturm-Anekdoten.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Ausgangsbefund stimmt. Der Bericht "State of the UK Climate in 2025" von Mike Kendon und Kolleginnen und Kollegen, erschienen am 14. Juli 2026 im International Journal of Climatology und zusammengefasst auf der Übersichtsseite des Met Office, enthält kein eigenes Kapitel mehr zu Wind und Stürmen. Bis zur Ausgabe 2024 hatte es eines.
Die Begründung dafür steht allerdings im Bericht selbst, und zwar in genau dem Dokument, das die Ursprungsquelle des Textes verlinkt. Dort heißt es: "To prevent the report becoming excessively long, several sections have been temporarily dropped this year, where the only addition from the 2024 report is an extra data point for the year 2025." Auf Deutsch: Um den Bericht nicht übermäßig lang werden zu lassen, wurden dieses Jahr mehrere Abschnitte vorübergehend weggelassen, nämlich jene, bei denen gegenüber der Ausgabe 2024 nur ein einziger zusätzlicher Datenpunkt für 2025 hinzugekommen wäre. Für diese Abschnitte verweist der Bericht auf die Vorjahresausgabe.
Drei Dinge folgen daraus. Erstens ist Wind nicht der einzige gestrichene Abschnitt, sondern einer von mehreren, die nach demselben Kriterium ausgewählt wurden. Zweitens ist die Streichung ausdrücklich als vorübergehend bezeichnet. Und drittens existiert die Erklärung, deren Fehlen der Text beklagt. Der zugrunde liegende Beitrag des britischen Portals The Daily Sceptic vom 11. August 2026, den EIKE als Quelle nennt, verlinkt den Bericht und schließt trotzdem mit dem Satz, das Met Office schulde der zahlenden Öffentlichkeit eine Erklärung für sein Verhalten. Die deutsche Fassung übernimmt diese Leerstelle und baut daraus ein Motiv: Die Daten passten nicht ins Narrativ.
Wind und Stürme kommen im Bericht weiterhin vor, nur nicht als Trendkapitel. Unter "Extremes and Significant Weather Events" werden drei Stürme behandelt, darunter Éowyn im Januar 2025 mit Böen von 87 Knoten, der stärkste Sturm seit über einem Jahrzehnt, dazu Amy im Oktober und Bram im Dezember. Die Behauptung, an die Stelle des Kapitels sei eine neue Reihe von Modellprognosen getreten, trifft ebenfalls nicht. Bei den zitierten Leitlinien handelt es sich um eine dauerhaft bestehende Informationsseite des Met Office zu Wind und Stürmen, nicht um eine Ersatzpublikation. Der daraus zitierte Satz zur "mittleren" Zuverlässigkeit der Projektionen ist übrigens korrekt wiedergegeben und benennt die Unsicherheit selbst.
Bemerkenswert ist auch die Herkunft der Grafik. Der abgebildete Verlauf der maximalen Windböen seit den 1970er Jahren stammt aus den Berichten des Met Office. Die Behörde hat diese Daten also über Jahre selbst veröffentlicht und dabei jeweils auf Einschränkungen hingewiesen, die sich aus dem Wechsel von Messgeräten, der veränderten Größe des Stationsnetzes und der Exposition einzelner Standorte ergeben. Diese Hinweise erwähnt der Text nur, um sie als Ausweichmanöver abzutun. Eine Datenreihe, deren Quelle die vorgeworfene Behörde selbst ist, taugt schlecht als Beleg für deren Vertuschung.
Der Beitrag ist die vierte Station einer Weiterverwertungskette: The Daily Sceptic, dann das Heartland Institute in seinem Newsletter "Climate Change Weekly", parallel Watts Up With That und weitere Portale, schließlich die deutsche Übersetzung bei Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE). Dasselbe Muster haben wir bei EIKE mehrfach dokumentiert, etwa in unserer Einordnung zu der Behauptung über erfundene Hitzetote in Großbritannien und zu der Übernahme einer Arbeit über NoTricksZone.
Sachlich bleibt anzumerken, dass rückläufige Windgeschwindigkeiten über Großbritannien und der Strahlungsantrieb durch CO2 zwei verschiedene Fragen sind. Aus dem einen folgt für das andere nichts. Der Text stellt diese Verbindung her, ohne sie zu begründen.
Fazit
Die Behauptung ist irreführend. Das Kapitel zu Wind und Stürmen fehlt in der Ausgabe 2025 tatsächlich, und die Daten zu den maximalen Windböen zeigen über 50 Jahre einen Rückgang. Beides trifft zu. Der Bericht nennt für die Streichung jedoch selbst einen Grund, der weder in der Ursprungsquelle noch in der Übersetzung auftaucht: Mehrere Abschnitte wurden vorübergehend weggelassen, weil ihnen gegenüber dem Vorjahr nur ein einziger Datenpunkt hinzugefügt worden wäre. Aus dieser weggelassenen Erklärung entsteht der Vorwurf der Vertuschung. Dass Wind im Bericht weiterhin vorkommt und die zitierte Grafik aus den Veröffentlichungen des Met Office selbst stammt, spricht zusätzlich gegen die unterstellte Absicht.
