Zur Quelle "Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE)" springen
Stand: 11.08.2026

EIKE: Die Angaben des Met Office zu Hitzetoten waren unwahr

Falsch

Link Beschreibung

Beitrag von EIKE vom 10. August 2026, übersetzt von Christian Freuer. Das Original stammt von Paul Homewood aus dem Blog "Not A Lot Of People Know That" ("Met Office Heatwave Death Claim Was Fake News", 6. August 2026); als Quelle verlinkt EIKE die Zweitveröffentlichung bei Watts Up With That vom 8. August 2026. Der Text bestreitet die gemeinsame Mitteilung von Met Office, London School of Hygiene & Tropical Medicine und Imperial College, wonach die Hitzewellen im Mai und Juni 2026 in England und Wales mehr als 2.700 zusätzliche Todesfälle verursacht haben, davon rund 42 Prozent dem menschengemachten Klimawandel zuzurechnen.

Als Gegenbelege führt der Beitrag an, die Zahl beruhe auf Modellrechnungen des Imperial College statt auf tatsächlichen Sterblichkeitsdaten, und offizielle Daten des Office for National Statistics zeigten für Mai bis Juli keine Erhöhung der Todesfälle (genannt werden 136.066 Fälle für 2025 gegen 135.466 für 2026). Ergänzt wird das um eine Lancet-Studie von 2021, wonach kältebedingte Todesfälle in Westeuropa rund viermal häufiger sind als hitzebedingte.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die gemeinsame Mitteilung von Met Office, London School of Hygiene & Tropical Medicine und Imperial College vom Juli 2026 bezifferte die Übersterblichkeit während der Hitzewellen im Mai und Juni 2026 in England und Wales auf mehr als 2.700 Fälle, davon rund 42 Prozent dem menschengemachten Klimawandel zurechenbar (59 Prozent im Mai, 38 Prozent im Juni). Met Office: More than 2,700 excess deaths estimated in England and Wales during May and June heatwaves (2026) Die beteiligten Forscherinnen und Forscher weisen selbst darauf hin, dass es sich um "modelled estimates" handelt und nicht um eine direkte Auszählung beobachteter Sterbefälle, das Verfahren aber in der Vergangenheit vergleichbare Werte wie die offiziellen Zahlen der UK Health Security Agency (UKHSA) geliefert habe. Phys.org: More than 2,700 excess deaths estimated in England and Wales during May and June (2026)

Genau an diesem Punkt setzt der von EIKE übernommene Text von Paul Homewood an: Zum Zeitpunkt der Mitteilung hätten die Sterblichkeitsdaten gefehlt, um eine solche Behauptung aufzustellen, die Schätzung stamme aus einer Modellrechnung des Imperial College. In dieser Beobachtung hat Homewood recht, und sie deckt sich mit dem, was Met Office, LSHTM und Imperial College selbst einräumen: Sowohl die Grundzahl von rund 2.700 Übersterblichkeitsfällen als auch die 42-Prozent-Attribution zum Klimawandel sind Modellschätzungen, keine Auszählung tatsächlicher Sterbefälle aus Mai und Juni 2026. UKHSA-Klimachefin Lea Berrang Ford wird in der Met-Office-Mitteilung selbst so zitiert: Die modellierten Schätzungen beruhten auf vergangenen Trends bei Temperatureffekten auf die Sterblichkeit und seien "not a measure of observed mortality". Falsch ist nicht diese Ausgangsbeobachtung, sondern die Schlussfolgerung, die Homewood daraus zieht: dass das Fehlen von Sterbedaten zum Zeitpunkt der Met-Office-Mitteilung die Zahl selbst zur Erfindung mache.

Wichtiger noch: Bereits am 30. Juli 2026, eine Woche bevor Homewoods Text erschien, veröffentlichte die UKHSA ihren "Interim heat mortality monitoring report" für England. Er kommt auf 2.877 hitzeassoziierte Todesfälle (95-Prozent-Intervall 2.476 bis 3.278), davon 753 während der Mai- und 2.124 während der Juni-Hitzewelle. GOV.UK/UKHSA: Interim heat mortality monitoring report, England: May and June 2026 (2026) Diese Zahl beruht nicht auf einem Klimamodell, sondern auf dem Vergleich tatsächlich registrierter Sterbefälle während der Hitzeepisoden mit einer unmittelbar angrenzenden Baseline von 14 Tagen davor und danach (für die Juni-Episode lagen nur die 14 Tage davor vor), also genau der Art von Sterblichkeitsdaten, deren Fehlen Homewood behauptet. Dass die Zahl für England allein (2.877) über der ursprünglichen Schätzung für England und Wales zusammen (2.700) liegt, ist kein Widerspruch: Die geografische Grundgesamtheit ist eine andere. Entscheidend ist, dass zwei methodisch unabhängige Wege auf dieselbe Größenordnung kommen. Homewoods zentrale Behauptung, es gebe keine Sterbedaten zur Stützung der Zahl, war zum Zeitpunkt seines Beitrags bereits widerlegt.

Als Gegenbeleg führt EIKE Zahlen des Office for National Statistics (ONS) an, wonach die Gesamtsterblichkeit in England und Wales über die Wochen 18 bis 30 des Jahres (Anfang Mai bis Ende Juli) 2026 mit 135.466 Fällen nicht über der des Vorjahres mit 136.066 gelegen habe. Eine eigene Auswertung der wöchentlichen ONS-Sterberegister für denselben Zeitraum (Wochen 18 bis 30, Kategorie "England, Wales and non-residents") bestätigt die Zahlen bis auf wenige Fälle: 135.468 registrierte Sterbefälle 2026 gegenüber 136.071 im Jahr 2025. ONS: Deaths registered weekly in England and Wales, provisional Die von EIKE zitierten Zahlen sind also keine Erfindung.

Sie taugen aber nicht als Widerlegung. Rund 2.700 bis 2.877 Todesfälle, konzentriert auf wenige Hitzetage innerhalb von zwei kurzen Episoden, machen etwa zwei Prozent von rund 135.000 Sterbefällen in drei Monaten aus. Sie verschwinden damit in der normalen wöchentlichen Schwankungsbreite. Eine Übersterblichkeit an einzelnen heißen Tagen kann rechnerisch durch eine Untersterblichkeit in den umliegenden, kühleren Wochen ausgeglichen werden, ohne dass an den Hitzetagen selbst weniger Menschen gestorben wären. Wer eine kurze Episode erkennen will, braucht eine entsprechend kurze, unmittelbar angrenzende Vergleichsperiode, wie es die UKHSA mit ihrer 14-Tage-Baseline tut, keine Quartalssumme.

Hinzu kommt ein zweites methodisches Problem: EIKEs eigener Gegenbeleg vergleicht zwei absolute Jahressummen ohne Bevölkerungs- oder Altersstandardisierung. Die Bevölkerung Englands altert weiter, allein die Gruppe der über 65-Jährigen wuchs zwischen Mitte 2024 und Mitte 2025 um rund 2 Prozent. ONS: Population estimates for England and Wales: mid-2025 (2026) Bei sonst gleichen Bedingungen wäre wegen dieser Alterung eher ein leichter Anstieg der rohen Sterbefallzahl von 2025 auf 2026 zu erwarten gewesen, kein Rückgang. Dass die Zahl für 2026 dennoch niedriger ausfällt, macht den einfachen Jahresvergleich noch weniger geeignet, eine punktuelle Hitzeübersterblichkeit auszuschließen. Wie eine sauberere Methode aussehen kann, zeigt das Robert-Koch-Institut, das für Deutschland Sterberaten pro 100.000 Einwohner getrennt nach vier Altersgruppen ausweist, um genau diese Verzerrung herauszurechnen.

Der Beitrag zitiert außerdem eine Studie aus dem Lancet Planetary Health von 2021, wonach kältebedingte Todesfälle in Westeuropa deutlich häufiger seien als hitzebedingte. Die zugrunde liegende Studie von Zhao et al. existiert tatsächlich und kommt weltweit auf ein Verhältnis von rund 9 zu 1 zwischen kälte- und hitzebedingten Sterbefällen. PubMed: Global, regional, and national burden of mortality associated with non-optimal ambient temperatures from 2000 to 2019 (2021) Der von EIKE genannte Faktor "vier" speziell für Westeuropa steht so nicht in der öffentlich zugänglichen Zusammenfassung, die keine getrennten Werte für Westeuropa ausweist; die Grundaussage, dass Kälte weltweit deutlich mehr Todesopfer fordert als Hitze, ist durch die Studie aber gedeckt. Für die hier verhandelte Frage, ob die rund 2.700 bis 2.877 Hitzetoten des Sommers 2026 real sind, ist das Verhältnis von Kälte- zu Hitzetoten ohnehin nicht einschlägig: Beide Werte können gleichzeitig zutreffen.

Fazit

Die Kernbehauptung des Beitrags, die Angaben zu den Hitzetoten seien unwahr gewesen, ist falsch. Die Übersterblichkeitsschätzung von rund 2.700 Fällen wurde bereits vor Erscheinen des Beitrags durch den methodisch unabhängigen "Interim heat mortality monitoring report" der UKHSA bestätigt, der auf tatsächlich registrierten Sterbefällen beruht und für England allein sogar 2.877 hitzeassoziierte Todesfälle ausweist. Die von EIKE angeführten ONS-Zahlen sind zwar korrekt wiedergegeben, taugen wegen der falschen Bezugsgröße, einer Quartalssumme statt einer kurzen, an die Hitzeepisode angrenzenden Vergleichsperiode, und wegen fehlender Alters- oder Bevölkerungsstandardisierung aber nicht als Gegenbeweis.