Link Beschreibung
EIKE übersetzt einen Text von H. Sterling Burnett (Heartland Institute), der zuerst auf Watts Up With That erschien (englischer Titel: "Thanks, StudyFinds, for Publicizing Health Study Confirming Cold Temperatures Kill More Than Hot Temperatures"). Er stützt sich auf eine ungarische Studie in der Fachzeitschrift Public Health zu Herzstillständen und Wetter und leitet daraus ab, dass Kälte weit mehr Menschen töte als Hitze und die Erwärmung temperaturbedingte Todesfälle verringert habe.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die zugrunde liegende Studie untersucht etwas anderes, als die Überschrift behauptet. Pál-Jakab et al.: Meteorological associations with out-of-hospital cardiac arrest, Public Health, Band 252 (2026) werteten 114.830 außerklinische Herzstillstände aus, die der ungarische Rettungsdienst zwischen November 2018 und Dezember 2023 registrierte, und verglichen sie mit Wetterdaten. Ergebnis laut Abstract: Pro Grad Celsius Temperaturrückgang stieg die Zahl der Herzstillstände um 1,4 Prozent, im Winter lag die Tageszahl rund 18 Prozent höher als im Sommer. Zwei Dinge fehlen darin: Die Studie zählt Notfälle, keine Todesfälle, und sie wertet Hitzeereignisse nicht gesondert aus. Neben dem Zusammenhang pro Grad Celsius vergleicht sie lediglich Winter- mit Sommermonaten. Die Überschrift, die Studie "bestätige, dass Kälte mehr Todesopfer fordert als Hitze", behauptet damit ein Ergebnis, das die Studie schlicht nicht liefert.
EIKE übernimmt den Text von H. Sterling Burnett vom Heartland Institute, der seinerseits auf einen Bericht von StudyFinds reagiert. StudyFinds: Cold snaps line up with cardiac arrest spikes, new study finds beschreibt die Studie korrekt als Untersuchung von Herzstillständen, nicht von Todesfällen, und weist ausdrücklich auf ihre Grenzen hin: Das Wettermodell erklärt nur rund ein Fünftel der täglichen Schwankungen, und die Daten stammen aus einem einzigen Land. Burnett macht daraus im Original bei Watts Up With That und in der EIKE-Übersetzung eine "bestätigte" Aussage über Hitze- und Kältetote, die sich in der Studienzusammenfassung nicht findet.
An diesen Fehlschluss hängt der Text einen zweiten, weiterreichenden Satz: Todesfälle durch nicht optimale Temperaturen seien "mit der moderaten Erwärmung des Planeten drastisch zurückgegangen". Als Beleg dient dafür ausschließlich Heartlands eigene Seite "Climate at a Glance", keine der beiden zuvor genannten Studien. Die tatsächliche Datenlage ist differenzierter. Dass Kälte weltweit in absoluten Zahlen deutlich mehr Menschen tötet als Hitze, ist zutreffend: Zhao et al.: Global, regional, and national burden of mortality associated with non-optimal ambient temperatures, Lancet Planetary Health (2021) beziffern den kältebedingten Anteil an allen Todesfällen weltweit auf 8,52 Prozent, den hitzebedingten auf 0,91 Prozent, ein Verhältnis von rund neun zu eins. Eine verwandte Behauptung ist bei EIKEs Bestreiten der britischen Hitzetotenzahlen eingeordnet.
Für den behaupteten Trend zeigt dieselbe Studie ein anderes Bild als "drastisch". Zwischen den Zeiträumen 2000 bis 2003 und 2016 bis 2019 sank der kältebedingte Anteil an allen Todesfällen weltweit um 0,51 Prozentpunkte, während der hitzebedingte Anteil um 0,21 Prozentpunkte stieg. In der Summe ergibt das einen leichten Rückgang des Gesamtanteils, keinen drastischen: Der jahresdurchschnittliche Anteil über den gesamten Zeitraum 2000 bis 2019 lag laut Studie bei 9,43 Prozent, die Netto-Veränderung errechnet sich aus den beiden Einzelwerten auf rund 0,3 Prozentpunkte. Der Rückgang geht zudem allein auf die Kälteseite zurück, während sich die Hitzeseite in die Gegenrichtung bewegt. Eine Ursache für diesen Trend benennt die Studie im Abstract nicht. Burnett stützt seine Erwärmungs-These ohnehin nicht auf diese Studie, sondern auf Climate at a Glance. Dass die "moderate Erwärmung" den Rückgang bewirkt habe, ist also seine eigene Deutung, keine Aussage der Zhao-Autoren.
Für die Zukunft kehrt sich das Verhältnis um. Masselot, Gasparrini et al.: Estimating future heat-related and cold-related mortality in 854 European cities, Nature Medicine (2025), Zusammenfassung berechnen für 854 europäische Städte bis 2099 mehr als 2,3 Millionen zusätzliche temperaturbedingte Todesfälle, sollten die Emissionen nicht rasch gesenkt werden. Bis zu 70 Prozent davon wären bei schnellem Klimaschutz vermeidbar. Der Grund: In den meisten Regionen steigt die Zahl der Hitzetoten deutlich stärker, als die der Kältetoten sinkt. Studienleiter Antonio Gasparrini, Mitautor der oben zitierten Zhao-Studie, ordnet das Ergebnis ausdrücklich als Widerlegung der These ein, der Klimawandel bringe unterm Strich gesundheitliche Vorteile. Dasselbe Muster wurde bereits bei EIKEs Behauptung, der Klimawandel verschlimmere die Hitze nicht beschrieben.
Fazit
Die Behauptung ist irreführend. Dass Kälte weltweit in absoluten Zahlen deutlich mehr Menschen tötet als Hitze, ist zutreffend, das belegt unabhängig von der EIKE-Quelle die Arbeit von Zhao und Kollegen. Die zitierte Herzstillstands-Studie kann diese Aussage aber nicht bestätigen: Sie misst Notfälle, keine Todesfälle, und wertet keine Hitzeereignisse aus. Der zusätzliche Satz, temperaturbedingte Todesfälle seien mit der Erwärmung bereits drastisch zurückgegangen, überzeichnet zudem den Befund: Der beobachtete Rückgang ist gering und geht allein auf sinkende Kältetote zurück, während der Hitzeanteil zugleich stieg. Für die Zukunft erwarten Masselot, Gasparrini und Kollegen unter fortschreitender Erwärmung ohne rasche Emissionssenkung eine deutliche Netto-Zunahme temperaturbedingter Todesfälle in Europa.
