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Stand: 23.09.2026

EIKE: Mehr Kohle in China wegen Abkehr von Solar und Wind

Falsch

Link Beschreibung

Beitrag bei EIKE vom 22. September 2026 unter der Überschrift "Globale Nachfrage nach Kohle widerlegt die Schwarzmaler: der Verbrauch erreicht laut IEA ein Rekordhoch". Es ist eine von Christian Freuer übersetzte Fassung eines Textes von Simon Kent, den EIKE über das US-Blog Climate Change Dispatch (16. September) verlinkt. Erschienen ist er zuerst am 15. September bei Breitbart: King Coal Defies Doomers to Rule the Energy Industry with Record Sales. Die These: Kohle trotze den "Klima-Untergangspropheten", die Internationale Energieagentur (IEA) erwarte für 2026 einen neuen Verbrauchsrekord. China verbrauche mehr Kohle, "angetrieben durch hohe Ölpreise und eine Abkehr von 'sauberen Energiequellen' wie Solar- und Windenergie", und die weltweite Förderung könne 2026 "wieder steigen".

Faktenfackel Bewertung

Die Rekordzahl stimmt

Grundlage ist die IEA-Pressemitteilung vom 10. September 2026 zum Coal Mid-Year Update 2026. Dort steht, was der Text wiedergibt: Die weltweite Kohlenachfrage soll 2026 um 1,2 Prozent auf den Rekordwert von 8,94 Milliarden Tonnen steigen. Durch die Straße von Hormus wird kaum Kohle verschifft, der Krieg im Nahen Osten hat aber die Flüssiggaslieferungen einbrechen lassen und die Gaspreise getrieben. Länder mit Gaskraftwerken und freien Kohlekapazitäten sind deshalb auf Kohle ausgewichen, besonders Europa, Japan, Korea und China. Diese Passagen übersetzt der Text weitgehend korrekt.

Was die Überschrift weglässt: In ihrem Kohlemarktbericht vom Dezember 2025 hatte die IEA für 2026 noch einen leichten Rückgang erwartet. Der Rekord geht nach ihrem Bericht auf zwei Schocks zurück, die Gaspreise und ein ungewöhnlich starkes El-Niño-Jahr mit mehr Kühlbedarf und weniger Wasserkraft in Indien und Vietnam. Für 2027 hält die IEA beide Richtungen für möglich: Erholen sich die Flüssiggaslieferungen, sinkt die Nachfrage um 0,4 Prozent auf 8,91 Milliarden Tonnen. Im selben Bericht steht auch, dass 2025 die Kohleverstromung in China und Indien erstmals seit einem halben Jahrhundert zurückging, in China wegen des "huge expansion of renewable energy" (des gewaltigen Ausbaus erneuerbarer Energien).

Die Abkehr von Solar und Wind steht nicht bei der IEA

Zur Chemie schreibt die IEA nur: "China has also increased its consumption of coal for producing chemical products due to high oil prices." (Übersetzung: "China hat außerdem wegen der hohen Ölpreise mehr Kohle zur Herstellung chemischer Produkte eingesetzt.") Im Bericht fügt sie hinzu, der Effekt sei begrenzt, weil viele Kohlechemie-Anlagen ohnehin nahe an der Volllast liefen. Kohle ersetzt dort Öl als Rohstoff, nicht Solar- oder Windstrom. Der Zusatz mit den sauberen Energiequellen steht schon in Kents Breitbart-Fassung, dort als "at the expense of solar and wind generated 'clean energy' sources" (auf Kosten von Solar- und Windstrom). Bei Climate Change Dispatch wurde daraus "a shift away from", also eine Abkehr, und so hat EIKE es übersetzt. Das Wort "Abkehr" verlinkt EIKE auf einen Climate-Change-Dispatch-Text vom April 2025, der sich mit Öl und Gas in Guyana, Niger, Senegal und der Elfenbeinküste befasst (Climate Change Dispatch: Emerging Nations Turn To Fossil Fuels For Growth, Defying Net Zero Push). Um Chinas Energiepolitik geht es dort nicht, China kommt nur in einem Nebensatz über Fabriken vor.

Für den Stromsektor nennt die IEA andere Gründe: starke Stromnachfrage, schwache Windstromerzeugung und teures Flüssiggas. Die Kohleverstromung in China werde unter anderem durch "the rapid expansion of solar and wind capacity" geprägt, also den schnellen Ausbau von Solar- und Windkraft. Chinas Kohlebedarf steigt danach 2026 um 1 Prozent auf 5 Milliarden Tonnen. Ein schwaches Windjahr ist Wetter, keine Abkehr.

Richtig ist nur, dass sich der Zubau verlangsamt hat. Laut der nationalen Energiebehörde gingen von Januar bis Juli 2026 in China 86,15 Gigawatt Photovoltaik ans Netz, 61 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, bei Wind waren es 47,07 Gigawatt, 12 Prozent weniger (PV Tech: China adds 14.1GW solar PV in July as renewables installations rebound, 25. August 2026). Branchenanalysten führen den Einbruch darauf zurück, dass im Mai 2025 vor einer Preisreform außergewöhnlich viel installiert wurde. Die installierte Leistung wächst trotzdem weiter, bei Photovoltaik um 16,1 Prozent auf 1.290 Gigawatt, bei Wind um 19,5 Prozent auf 690 Gigawatt. Ende Juni stellten Wind und Solar zusammen 48,4 Prozent der gesamten Kraftwerksleistung Chinas. Ein Land, das in sieben Monaten mehr als 130 Gigawatt Wind und Solar zubaut, wendet sich nicht von diesen Energien ab. Dass China seinen Wind- und Solarstrom oft nicht ins Netz bekommt, während die Kohle Vorrang hat, ist ein anderes Problem; dazu haben wir einen früheren EIKE-Text geprüft.

Die IEA erwartet für 2026 weniger Förderung

Der zweite Satz, der über die IEA hinausgeht, betrifft die Kohleförderung. Der Text behauptet, für 2026 sei ein Rückgang erwartet worden, "aktuelle Schätzungen" deuteten aber darauf hin, dass sie "wieder steigen könnte". Die IEA schreibt das Gegenteil: "After reaching a record high in 2025, global coal production is expected to decline in 2026." (Übersetzung: "Nach einem Rekordhoch 2025 wird für 2026 ein Rückgang der weltweiten Kohleförderung erwartet.") Im Kapitel zum Angebot beziffert der Bericht das Minus auf 0,7 Prozent, in der Zusammenfassung ist von rund einem Prozent die Rede. Die aktuelle Schätzung ist also genau die, die den Rückgang vorhersagt.

Hauptgrund ist China. Nach einer Explosion in einer Zeche in der Provinz Shanxi im Mai, dem schwersten Grubenunglück in China seit Jahren, wurden laut IEA mehr als 100 Bergwerke mit zusammen über 100 Millionen Tonnen Jahreskapazität für Sicherheitsinspektionen vorübergehend geschlossen. Die Förderung lag im Juni und Juli rund 10 Prozent unter dem Vorjahr. Bis Jahresende erwartet die IEA eine Erholung, und für 2027 einen leichten Anstieg der Weltförderung um etwa 0,3 Prozent. Das ist der nächste Anknüpfungspunkt für den Satz im Text, allerdings für das Folgejahr und nach einem Rückgang.

Auch bei den USA fehlt die Hälfte

Der Satz, der Kohleverbrauch in den USA sei wegen starker Stromnachfrage, höherer Gaspreise und politischer Förderung gestiegen, stimmt für 2025: Laut IEA-Bericht wuchs er um mehr als 9,5 Prozent auf 410 Millionen Tonnen. Dass die IEA für 2026 in den USA einen Rückgang der Nachfrage um 7 Prozent erwartet, steht im selben Bericht und fehlt im Text.

Fazit

Die Behauptung, China verbrauche wegen einer Abkehr von Solar- und Windenergie mehr Kohle, ist falsch. Bei der IEA kommt sie nicht vor: Mehr Kohle geht dort wegen des teuren Öls in die Chemieproduktion, und im Stromsektor nennt die IEA einen schnellen Ausbau von Wind und Solar, keinen Rückzug. Dass der Zubau 2026 langsamer läuft als im Rekordjahr davor, macht daraus keine Abkehr, die installierte Leistung wächst weiter zweistellig. Auch die Aussage zur Förderung verkehrt die IEA-Prognose ins Gegenteil, denn die sagt für 2026 einen Rückgang voraus. Korrekt wiedergegeben sind dagegen die Rekordzahl von 8,94 Milliarden Tonnen und ihre Erklärung über die gestiegenen Gaspreise im Nahostkrieg. Beide falschen Zusätze stammen aus Kents Text, EIKE hat sie übernommen.