Link Beschreibung
EIKE übersetzt einen Text der Daily Caller News Foundation über die ruhige atlantische Hurrikansaison 2026 und die Aussagen einer ehemaligen Klimareporterin über einseitige Berichterstattung. Die Überschrift behauptet, in dieser Saison entstünden keine Hurrikane mehr.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die deutsche Überschrift übersetzt den Originaltext der Daily Caller News Foundation verfälschend. Dessen Titel lautet "Zero Hurricanes Formed By Peak 2026 Season. A Former Climate Reporter Says That's Why You Haven't Heard About It." (Übersetzung: "Bis zum Höhepunkt der Saison 2026 sind null Hurrikane entstanden. Eine ehemalige Klimareporterin sagt, warum Sie nichts davon gehört haben."). Die zweite Hälfte gibt EIKE originalgetreu wieder, die erste verfälscht die Zeitrichtung: Aus der Feststellung, dass bis zum Saisonhöhepunkt kein Hurrikan entstanden ist, macht EIKE die Prognose, es würden künftig keine mehr entstehen. Die These, wonach über diesen Umstand kaum berichtet werde, steht bereits im Original von Daily Caller News Foundation.
Die zugrunde liegende Beobachtung stimmt: Die atlantische Hurrikansaison 2026 verlief bis Ende September außergewöhnlich ruhig. Bis zum 10. September hatten sich fünf tropische Stürme gebildet, keiner erreichte Hurrikanstärke (The Weather Channel). Nach Angaben von Colorado-State-Hurrikanforscher Phil Klotzbach liegt die gesamte Sturmaktivität der Saison, gemessen an Zahl, Stärke und Dauer der Stürme, auf dem niedrigsten Stand seit 1950 und damit bei nur 7 Prozent des für diese Jahreszeit üblichen Werts (CBS News/AP). Der Saisonstart selbst ist laut Nick Novella vom Weather Prediction Center der US-Wetterbehörde NOAA der späteste ohne Hurrikan seit Beginn der Satellitenbeobachtungen 1966 (CBS News/AP). Auch am 27. September 2026, dem Tag dieser Prüfung, listete das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) für den Atlantik lediglich eine schwache tropische Depression (Fay), während im Ost- und Zentralpazifik gleichzeitig drei Hurrikane (Odalys, Polo, Nolo) aktiv waren: Ein Hurrikan hat sich im Atlantik bislang also tatsächlich nicht gebildet.
Als Ursache nennen fünf von AP befragte Fachleute übereinstimmend ein außergewöhnlich starkes El Niño, das laut CBS News/AP über dem tropischen Atlantik rekordstarke Windscherung erzeugt und Stürme auseinanderreißt, bevor sie sich organisieren können. Der Boston Globe berichtete am 22. September, die Saison sei damit bereits so lange ohne Hurrikan verlaufen wie seit 1914 nicht mehr, und seit Beginn der Satellitenbeobachtungen 1966 habe es keinen so ruhigen Saisonstart gegeben, betonte aber auch, dass rund 40 Prozent der jährlichen Sturmaktivität erst ab der dritten Septemberwoche folgen und die Saison offiziell erst am 30. November endet. El Niño ist ein natürliches, wiederkehrendes Klimaphänomen, das laut NOAA das Wettergeschehen weltweit beeinflusst; nach Angaben von CBS News/AP tritt es alle zwei bis sieben Jahre auf. Über einen langfristigen Klimatrend sagt es nichts aus.
Die Verschweige-These im Titel stammt von der ehemaligen Klimareporterin Lucy Biggers, die inzwischen für The Free Press arbeitet. Am 15. September schrieb sie auf X, sie habe als Klimareporterin nie über positive Klimanachrichten berichtet, weil das die Erzählung, der Klimawandel sei eine existenzielle Bedrohung, "trüben" würde ("muddy the narrative"); niemand habe ihr das vorgegeben, sie habe sich aus freiem Willen dafür entschieden. Gegenüber der Daily Caller News Foundation nannte sie das eine sanfte Selbstzensur: Sie habe die gängigen Ansichten der Klimabewegung nicht infrage stellen wollen, um ihren Status in der Gruppe nicht zu gefährden. Die ruhige Hurrikansaison 2026 führt sie als Beispiel für ein Ereignis an, über das ihrer Ansicht nach kaum berichtet wird. Der DCNF-Fließtext selbst widerspricht dem: Er zählt Associated Press, CBS News, Washington Post und New York Times als Redaktionen auf, die in den Tagen zuvor über die ruhige Saison berichtet hätten. Der CBS-News-Bericht selbst beruht auf einer AP-Recherche mit fünf befragten Fachleuten und ordnet El Niño ausführlich als Ursache ein, nicht als Beleg gegen den Klimawandel. Auch der Boston Globe berichtete bereits am 9. September und erneut am 22. September ausführlich über die ruhige Saison. Biggers' These einer medialen Verschweigung lässt sich damit anhand der im DCNF-Text selbst genannten Beispiele nicht halten.
Dass eine ruhige Saison keine Entwarnung bedeutet, betonen die von AP befragten Fachleute selbst: Ein einzelner Sturm kann verheerend sein, wie 1992, als die Saison spät, aber mit Hurrikan Andrew begann. MIT-Meteorologe Kerry Emanuel weist zudem darauf hin, dass die weiterhin warmen Atlantikgewässer, sobald El Niño abklingt, die Wahrscheinlichkeit für eine besonders aktive Folgesaison 2027 erhöhen könnten.
Fazit
Die Kernbeobachtung, die Hurrikansaison 2026 sei bislang ungewöhnlich ruhig, ist zutreffend und durch NHC-Daten sowie mehrere Fachquellen belegt. Irreführend ist die deutsche Überschrift. Sie erfindet eine Prognose ("keine Hurrikane mehr"), für die es weder im Originaltext noch in der Faktenlage eine Grundlage gibt. Ebenso wenig hält die These fehlender Medienberichterstattung, die der Artikel mit seiner eigenen Aufzählung von Redaktionen widerlegt.
