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Stand: 27.09.2026

EIKE: Nord-Stream-Leck widerlege den Treibhauseffekt

Falsch

Link Beschreibung

Josef Kowatsch und Matthias Baritz werten zum Jahrestag der Nord-Stream-Sprengung Temperaturdaten von Ostsee-Wetterstationen aus. Weil das ausgetretene Methan keine messbare Erwärmung vor Ort erzeugt habe, sei die Treibhaustheorie falsch.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Kowatsch und Baritz ziehen aus einem einzelnen, mehrtägigen Beobachtungszeitraum um die Nord-Stream-Sprengung den Schluss, der Treibhauseffekt sei widerlegt, weil an Ostsee-Wetterstationen keine Erwärmung messbar gewesen sei. Aus zwei unabhängigen Gründen kann dieses Experiment die Frage gar nicht beantworten.

Erstens beschreibt der Treibhauseffekt kein lokales Aufheizen der Luft direkt über einer Emissionsquelle, sondern eine Verschiebung der Strahlungsbilanz des gesamten Systems aus Erdoberfläche und Atmosphäre: Zusätzliche Treibhausgase verringern die von der Erde ins All abgegebene Wärmestrahlung, bis sich nach einiger Zeit ein neues, wärmeres Gleichgewicht einstellt, wie das Umweltbundesamt erklärt. Das ist etwas anderes als eine "Wärmeglocke", die sich innerhalb weniger Tage über einer Leckstelle bilden müsste. Ein kurzzeitiger, punktueller Ausstoß kann daher schon aus diesem Grund innerhalb weniger Tage keinen messbaren lokalen Temperatursprung erzeugen.

Zweitens ist die Menge verschwindend klein. Das von den Autoren selbst als Beleg verlinkte Umweltbundesamt bezifferte die Lecks in einer ersten Schätzung auf rund 0,3 Millionen Tonnen Methan. Umgerechnet mit dem vom UBA selbst genannten Treibhauspotenzial von Methan, das über 100 Jahre 25-mal so stark wirkt wie CO₂, ergibt das rund 7,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente, etwa ein Prozent der deutschen Jahresemissionen. Eine spätere, genauere Analyse unter Beteiligung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, erschienen in drei Studien in "Nature" und "Nature Communications", bezifferte die tatsächlich freigesetzte Menge auf 445.000 bis 485.000 Tonnen Methan, nach Angaben des UN-Umweltprogramms UNEP 0,1 Prozent der weltweiten menschengemachten Methan-Emissionen des Jahres 2022. Mit demselben Treibhauspotenzial von 25 entspricht das rund 11 bis 12 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten. Gemessen an den weltweiten Gesamt-Treibhausgasemissionen von rund 57,4 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalenten im Jahr 2022 laut dem Emissions Gap Report 2023 des UNEP, wiedergegeben vom Hamburger Bildungsserver entspricht selbst der höhere, genauere Messwert nur etwa 0,02 Prozent einer einzigen Jahresmenge. Eine solche Größenordnung geht in der natürlichen Wetter-Variabilität restlos unter.

Genau das zeigen die eigenen Daten des Artikels: Die Temperaturunterschiede zwischen den Tagen um den 26. September 2022 erklären Kowatsch und Baritz selbst mit den Sonnenstunden am jeweiligen Tag, nicht mit dem Methan. Dass Wetterlagen und Sonneneinstrahlung die Tagestemperatur an einer einzelnen Station um mehrere Grad verschieben können, während ein so kleiner, kurzzeitiger Treibhausgas-Puls dazu keinen messbaren Beitrag leistet, widerspricht der Treibhaustheorie nicht, sondern entspricht dem, was sie vorhersagt.

Auch das im Text bemühte Argument, wonach sich der Treibhauseffekt am schnelleren Anstieg der Nachttemperaturen zeigen müsse, bezieht sich auf ein langfristiges Muster über große Zeiträume und Flächen. Es an einer einzelnen Wetterstation über wenige Tage zu prüfen, sagt über die zugrundeliegende Theorie nichts aus.

Fazit

Die Behauptung ist falsch. Kowatsch und Baritz schließen aus der ausbleibenden lokalen Erwärmung an Ostsee-Wetterstationen nach der Nord-Stream-Sprengung, der Treibhauseffekt sei widerlegt und Treibhausgase wirkten "allerhöchstens in homöopathischen Dosen". Der Treibhauseffekt verschiebt aber die Strahlungsbilanz des gesamten Systems Erdoberfläche und Atmosphäre über lange Zeiträume, einen lokalen Hitzefleck erzeugt er nicht. Und die Menge des ausgetretenen Methans (laut UNEP 0,1 Prozent der menschengemachten Methan-Emissionen des Jahres 2022) reicht nicht annähernd aus, um innerhalb weniger Tage an einem einzelnen Ort ein Signal zu erzeugen. Die Messwerte der einzelnen Stationen mögen stimmen, der daraus gezogene Schluss auf den Treibhauseffekt insgesamt ist falsch.