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Stand: 15.08.2026

EIKE: Die Dürre 2026 sei nicht die schlimmste jemals

Irreführend

Link Beschreibung

Beitrag von EIKE vom 15. August 2026, übersetzt von Christian Freuer. Das Original stammt von Mike Jonas und erschien am 10. August 2026 bei Watts Up With That unter dem Titel "Europe's Worst Drought and Heatwave Ever". Der Text zitiert Schlagzeilen von BBC, Guardian und New Scientist, die die Hitze- und Dürrelage 2026 als beispiellos beschreiben, und hält dem die europäische Megadürre des Jahres 1540 entgegen, belegt mit der Studie von Wetter et al. (2014). Daraus folgert er, die Berichterstattung sei alarmistisch.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die angeführte Studie ist echt, seriös publiziert und wird in ihrem Kern zutreffend wiedergegeben. Oliver Wetter, Christian Pfister und Kolleginnen und Kollegen werteten mehr als 300 zeitgenössische Wetterberichte aus einem Gebiet von zwei bis drei Millionen Quadratkilometern aus und beschreiben für 1540 eine elf Monate andauernde Dürre, deren geschätzte Niederschlagsmengen für Frühjahr, Sommer und Herbst deutlich unter den 100-Jahres-Minima der instrumentellen Messreihe liegen. Für Rhein und Elbe nennen sie ein Abflussdefizit von rund 90 Prozent und die vollständige Austrocknung kleinerer Wasserläufe. Siehe Wetter et al.: "The year-long unprecedented European heat and drought of 1540 – a worst case", Climatic Change 125, 349–363 (2014). Dass 1540 ein extremes Jahr war, bestreiten wir nicht, und wer es bestreitet, liegt falsch.

Verschwiegen wird, dass die Einstufung als "Megadürre" in der Fachliteratur bestritten ist. Ulf Büntgen und Kollegen veröffentlichten 2015 in derselben Zeitschrift einen Kommentar unter dem Titel "Limited tree-ring evidence for a 1540 European 'Megadrought'" und werfen Wetter et al. vor, die vorhandenen europäischen Jahrringrekonstruktionen nicht systematisch ausgewertet zu haben; die Baumringdaten stützten die Einstufung nicht (Büntgen et al., Climatic Change 131, 183–190 (2015)). Pfister, Wetter und weitere Autoren antworteten darauf mit "Tree-rings and people – different views on the 1540 Megadrought" (Climatic Change (2015)). Der Streit ist bis heute nicht abschließend entschieden. Der Text erwähnt lediglich, ein Kommentar habe eine fehlende Zitierung bemängelt, und stellt die eigene Kronzeugin damit sicherer dar, als sie ist.

Der entscheidende Mangel ist aber ein anderer: Der Text vergleicht die beiden Ereignisse an keiner einzigen Zahl. Er nennt keine Niederschlagsmenge, keine Temperatur, keine Abflussmenge und keine Flächenangabe für 2026, die sich den Werten für 1540 gegenüberstellen ließe. Damit belegt er nicht, dass 2026 harmloser ist als 1540, sondern nur, dass 1540 schlimm war. Aus "es gab einmal ein schlimmeres Jahr" folgt nicht, dass die aktuelle Berichterstattung übertreibt.

Selbst wenn der Vergleich gelänge, träfe er die Aussage nicht, um die es geht. Ein einzelnes extremes Jahr in vorindustrieller Zeit sagt nichts darüber, wie häufig solche Jahre auftreten. Die Klimaforschung behauptet nicht, dass es vor der Industrialisierung keine Extreme gab, sondern dass ihre Häufigkeit und Intensität zunehmen. Der Südtiroler Meteorologe Dieter Peterlin hat das am 13. August 2026 knapp zusammengefasst: Der Sommer 2026 sei ein historisch heißer Ausreißer wie 2003 und komme nicht alle Jahre vor, aber "durch den Klimawandel werden die Abstände zwischen solchen Extremsommern immer geringer, die Intensität von Hitzewellen nimmt zu". Ein Einzelrekord und ein Wiederkehrintervall sind zwei verschiedene Größen, und der Text setzt sie gleich.

Zur Lage 2026 gibt es belastbare Daten, die der Text nicht heranzieht. Die Gemeinsame Forschungsstelle der EU-Kommission berichtete am 12. August 2026 unter dem Titel "Worsening drought and record heat grip Europe, fuelling extraordinary wildfires and extremely low river flows", dass die Hälfte des EU-Gebiets und des Vereinigten Königreichs von Trockenheit betroffen ist, davon neun Prozent auf der höchsten Warnstufe (Joint Research Centre, 12. August 2026). Betroffen sind vor allem Mitteleuropa, die Alpen, Italien, das Vereinigte Königreich, die südwestliche iberische Halbinsel, der Balkan und Osteuropa, mit den stärksten Niederschlagsdefiziten in Süddeutschland, den Alpen, Zentralfrankreich und der Westukraine.

Ausgerechnet für Großbritannien, dessen Medien der Beitrag als alarmistisch abkanzelt, sind die Werte am deutlichsten. Das Met Office weist für den Juli 2026 in England 6,5 Millimeter Niederschlag aus, 10 Prozent des langjährigen Mittels und der trockenste Juli der Messreihe; in Südengland fielen 1,9 Millimeter, 3 Prozent des Mittels, in Wales 9,3 Millimeter, 9 Prozent. Für das Vereinigte Königreich insgesamt waren es 28,9 Millimeter, 35 Prozent des Mittels (Met Office, 3. August 2026). Die Reihen für England und Wales reichen bis 1836 zurück, umfassen also rund 190 Jahre. Die Trockenheit ist zudem aus dem Orbit sichtbar. BBC Verify hat Copernicus-Sentinel-2-Aufnahmen aus Mai und Juli 2026 über den Normalisierten Differenzierten Vegetationsindex verglichen, ein Maß für Dichte und Gesundheit der Vegetation. Die stärksten Veränderungen zeigen sich in Conwy, Flintshire, Denbighshire und Merseyside, wo zuvor grüne Feld- und Weidelandschaften in hellbraunen Tönen erscheinen; weitere Schwerpunkte liegen um Peterborough, in Lincolnshire und in Teilen von Mittel- und Ostdevon (BBC Verify, 31. Juli 2026). Die Auswertung nennt selbst zwei Einschränkungen, die zur Redlichkeit gehören: Das Hochland Großbritanniens, darunter weite Teile der schottischen Highlands und der walisischen Berge, blieb nahe am Normalzustand oder wirkt stellenweise sogar grüner, und braune Vegetation bedeutet nicht, dass die Pflanzen abgestorben sind, denn Gräser und Sträucher erholen sich bei einsetzendem Regen wieder, solange ihre Wurzeln intakt bleiben. Die Europäische Weltraumorganisation dokumentiert für den Sommer 2026 europaweit Vegetationsstress und Hitzeanomalien aus Sentinel-Daten, darunter einen Rekordtiefstand der Donau bei Budapest (ESA: Wildfires, drought and extreme heat, 2026).

Für Deutschland lässt sich das an einer einzigen amtlichen Zahl festmachen, und sie ist ausgerechnet dieselbe Größe, die auch Wetter et al. für 1540 heranziehen. Am Pegel Kaub, dem für die Rheinschifffahrt maßgeblichen Messpunkt, wurden am 14. und 15. August 2026 Tagesminima von 6 Zentimetern gemessen (Pegelonline der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung). Der bisherige Tiefstwert seit Beginn der regelmäßigen Beobachtung im Jahr 1856 lag bei 25 Zentimetern im Rekordjahr 2018. Am Tag der Veröffentlichung dieses EIKE-Beitrags brannte zudem in der Eifel der nach Angaben der Einsatzkräfte größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens; der Ortsteil Gey mit rund 1.800 Einwohnern wurde evakuiert (ZDF heute). Zur Brandursache ermittelt die Polizei Köln, sie ist offen, und wir spekulieren darüber nicht.

Fazit

Die Behauptung ist irreführend. Die zugrunde liegende Studie ist echt und wird korrekt zitiert, aber der Beitrag verschweigt, dass ihre zentrale Einstufung in der Fachliteratur bestritten wurde, und er führt den Vergleich, auf dem seine ganze These beruht, überhaupt nicht durch: Für 2026 nennt er keine einzige Zahl. Übrig bleibt der Schluss, dass ein extremes Jahr vor knapp fünfhundert Jahren die heutige Berichterstattung widerlege. Er trägt nicht, weil die Klimaforschung nicht behauptet, es habe früher keine Extreme gegeben, sondern dass sie häufiger und stärker werden. Die verfügbaren Daten für 2026 zeigen unterdessen die Hälfte des EU-Gebiets unter Trockenheit, einen Rekordtiefstand am Pegel Kaub seit Messbeginn 1856 und den größten Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens.