Link Beschreibung
Der Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts zur hitzebedingten Mortalität vom 27. August 2026 deckt die Kalenderwoche 33 (10. bis 16. August 2026) ab und beziffert die hitzebedingten Sterbefälle für das bisherige Jahr 2026 auf rund 15.800, mit einem 95-Prozent-Prädiktionsintervall von 14.500 bis 17.000. Das entspricht 19,0 Sterbefällen pro 100.000 Einwohner. Die Altersverteilung: 7.960 Fälle entfallen auf Menschen ab 85 Jahren (245,6 pro 100.000, weiterhin die mit Abstand höchste Rate), 3.910 auf die 75- bis 84-Jährigen, 2.440 auf die 65- bis 74-Jährigen und 1.470 auf Menschen unter 65.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Seit dem ersten Bericht ist die Jahressumme kontinuierlich gestiegen: von rund 5.100 für die Hitzeperiode Ende Juni über 6.830 bis Kalenderwoche 27 und 9.800 bis Kalenderwoche 29 auf jetzt 15.800. Binnen vier Berichtswochen sind damit rund 6.000 Fälle hinzugekommen. Anders als bei früheren Sprüngen liefert das RKI diesmal selbst eine Aufschlüsselung: Von den 15.800 Fällen entfallen rund 9.600 auf die besonders heiße Kalenderwoche 26 Ende Juni, weitere rund 4.000 auf die Kalenderwochen 31 bis 33, also Ende Juli bis Mitte August. t-online/dpa: RKI meldet Rekord bei Hitzetoten in Hessen (27. August 2026) gibt diese Aufschlüsselung ebenfalls wieder, beruft sich dabei aber wie wir auf das RKI. Zusammen ergeben die beiden benannten Zeiträume rund 13.600 der 15.800 Fälle. Auf die übrigen Sommerwochen entfällt der Rest, den der Bericht nicht einzeln ausweist.
Wie bei allen bisherigen Berichten handelt es sich um eine Modellschätzung mit ausgewiesenem Unsicherheitsintervall, nicht um eine Auszählung von Totenscheinen. Wie das Verfahren im Detail funktioniert, erklärt der Bericht vom 9. Juli. Das RKI weist selbst darauf hin, dass sich die Schätzwerte von Bericht zu Bericht leicht verändern können, weil das Modell laufend weiterentwickelt wird, auch für zurückliegende Jahre. Eine Sprecherin des Instituts erklärte dazu gegenüber t-online: "Auch das Modell wird weiterentwickelt, daher kommen nicht zwingend die exakt gleichen Zahlen raus." Vergleiche mit früheren Berichtsständen sind deshalb nur eingeschränkt belastbar.
Parallel weist das RKI in seinem Bericht zur Übersterblichkeit in Deutschland für den Zeitraum Kalenderwoche 20 bis 33 (Mitte Mai bis Mitte August) eine allgemeine Übersterblichkeit von rund 20.500 aus (Prädiktionsintervall 16.100 bis 24.600). Diese Zahl misst eine andere Größe als die 15.800: Sie erfasst alle zusätzlichen Sterbefälle unabhängig von der Ursache, während das Hitzemodell nur den auf Hitze zurückführbaren Anteil isoliert.
Mit 15.800 Fällen übertrifft 2026 alle Vorjahre der Zeitreihe deutlich. Die bisherigen Höchstwerte weist die RKI-Datentabelle mit rund 9.500 Fällen für 2018 und rund 7.600 für 2019 aus; die Untergrenze der diesjährigen Schätzung liegt noch über der Obergrenze von 2018. Im Bericht selbst sind diese Vorjahre pauschaler als "jeweils etwa 7.000 und mehr" beschrieben, die Datentabelle ist hier genauer. Rund drei Viertel der Fälle entfallen weiterhin auf Menschen ab 75 Jahren, mehr als die Hälfte allein auf Menschen ab 85.
Bestritten wird die steigende Zahl seit Wochen. Das rechtsextreme Portal Journalistenwatch bezeichnete bereits die frühere Schätzung von 5.100 Fällen als Panikmache und spekulierte über Impfschäden als Ursache. Das klimaskeptische Portal Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE) bestritt in zwei Beiträgen sowohl britische Hitzetoten-Zahlen als auch, dass der Klimawandel Hitze überhaupt verschlimmert. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Alexis Giersch nannte die RKI-Methodik "pseudowissenschaftlichen Humbug". Warum diese Einwände nicht tragen, haben wir jeweils im Detail geprüft, eine Einordnung des Musters liefert der Lagerfeuer-Artikel "Die unsichtbaren Toten der Hitzewelle".
Fazit
Methodisch transparente Primärquelle mit ausgewiesenem Schätzintervall und, anders als frühere Berichte, mit einer expliziten Aufschlüsselung des Anstiegs auf konkrete Hitzeperioden. Mit rund 15.800 hitzebedingten Sterbefällen liegt 2026 klar über allen Vorjahren seit 2016 und bleibt der Referenzwert für die laufende Debatte um Hitzeschutz.
