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Stand: 26.10.2026

EIKE: 0,1 °C durch US-Austritt aus Paris "nicht messbar"

Irreführend

Link Beschreibung

EIKE übersetzt einen Beitrag von Charles Rotter (Watts Up With That) zum UNEP Emissions Gap Report 2026. Der Text kritisiert einen AP-Bericht, nach dem der US-Austritt aus dem Pariser Abkommen die Erwärmung bis 2100 um rund 0,1 °C erhöht, und hält diese Differenz für bedeutungslos. Als Aufhänger dient ein Beitrag von Steve Milloy auf X: Ein Zehntelgrad bis 2100 sei "bei weitem nicht signifikant, aussagekräftig oder gar messbar".

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Was stimmt. Der Text liest die Zahlen genau. Das AP-Stück nennt 2,6 °C bis 2100, wenn alle eingereichten Klimazusagen erfüllt werden, und 2,8 °C beim jetzigen Kurs, "the same as last year's projection". Das Zehntelgrad zeigt sich also nur im Zusagen-Szenario. Die UNEP-Pressemitteilung zum Bericht nennt für das schlechtere Ergebnis zwei Gründe: den Austritt der USA aus dem Pariser Abkommen ("withdrawal of the United States of America from the Paris Agreement") und "revised estimates of historical emissions". Leitautorin Anne Olhoff ordnet laut AP das ganze Zehntelgrad der US-Politik zu. Wie groß der Anteil der revidierten Emissionsdaten ist, geht aus AP und UNEP-Mitteilung nicht hervor. Auch Rotters Kritik an Michael Manns Zahl ist berechtigt: AP nennt für die "about $1.2 trillion" keine Quelle, und auch Rotter fand anderswo keine. Ebenso stimmt der Hinweis, dass Bill Hares Zahl von 140 Millionen Menschen aus einer Studie zur Erwärmung "above present levels" stammt. Die Pressemitteilung der Universität Exeter zur Studie von Tim Lenton und Kollegen (Nature Sustainability, Mai 2023) nennt rund 140 Millionen zusätzlich Betroffene je 0,1 °C ab etwa 1,2 °C Erwärmung. Ob diese Rate bei 2,6 °C noch gilt, belegt AP nicht. Die Zahl wirkt dort übertragen, nicht nachgerechnet.

Was nicht stimmt. "Nicht messbar" vermischt zwei Fragen. Die Differenz von 0,1 °C ist ein Abstand zwischen zwei Modellrechnungen für 2100. Niemand will sie später am Thermometer ablesen, denn nur eines der beiden Szenarien tritt ein. Das macht sie aber nicht bedeutungslos: Szenarien dienen dazu, den Effekt einer Entscheidung abzuschätzen, die sich nie im Parallelexperiment prüfen lässt. Dass sich die Wirkung eines Zehntelgrads nicht direkt messen lässt, sagt nichts darüber, ob sie existiert. Milloys Schluss, es gebe deshalb keinen Grund, über wissenschaftliche Fakten zu diskutieren, folgt daraus nicht.

Dazu kommt das Messargument. Das NASA-Institut GISS gibt für den globalen Jahresmittelwert der letzten 50 Jahre eine 95-Prozent-Unsicherheit von rund 0,05 °C an (Lenssen u. a. 2019: Improvements in the GISTEMP uncertainty model). Dagegen setzt der Text Pat Franks Aufsatz in Sensors von 2023, der für Flüssigkeitsthermometer vor 1981 eine Untergrenze von ±0,25 °C (2σ) nennt. Die Zahl ist die Auflösungsgrenze eines einzelnen Thermometers. Frank überträgt sie bewusst auf das weltweite Mittel. Das geht nur mit seiner zentralen Annahme, dass sich Fehler vieler Stationen nicht herausmitteln. Diese Annahme stützt er lediglich mit Stichproben einzelner Standorte und Gerätetypen. Bob Loblaw wirft ihm in einer Kritik auf Skeptical Science vor, die Mittelung über viele Messungen und die Bildung von Anomalien falsch zu behandeln; allein wegen der falschen Mittelung sei seine Jahresunsicherheit für eine Station etwa 19-mal zu groß (0,382 statt 0,020 °C). Franks Ansatz beweist zudem zu viel: Er kommt für die Erwärmung im 20. Jahrhundert auf 0,74 ± 1,94 °C und schreibt, das enthalte keine Information über Rate oder Größe der Erwärmung ("does not convey any information about rate or magnitude"). Selbst für 2005 bis 2010 gibt er noch ±1,6 °C an. Nach dieser Logik wäre auch die von AP genannte Erwärmung von rund 1,4 °C seit vorindustrieller Zeit nicht belegbar, was Rotter nicht behauptet.

Offene Punkte. Das Zehntelgrad ist die Differenz zur Vorjahresprojektion im Zusagen-Szenario; beim jetzigen Kurs bleibt es bei 2,8 °C. Die Anteile von US-Austritt und revidierten Emissionsdaten bleiben ungeklärt. Michael Manns Summe ist in AP unbelegt. Alle drei Punkte sind Kritik an der Berichterstattung, nicht an der Aussage des UNEP-Berichts.

Fazit

Die Behauptung ist irreführend. Berechtigt ist die Kritik, dass AP Bill Hares 140 Millionen Menschen ungeprüft auf ein Zehntelgrad im Jahr 2100 überträgt, Michael Manns 1,2 Billionen Dollar ohne Beleg wiedergibt und dass der Anteil der revidierten Emissionsdaten offen bleibt. Der Schluss "nicht messbar, also bedeutungslos" trägt nicht: Das Zehntelgrad ist eine Szenario-Differenz, kein Messwert, und das Argument über die Thermometerauflösung beruht auf einer umstrittenen Einzelarbeit, die die Auflösungsgrenze eines einzelnen Thermometers ungemindert aufs weltweite Mittel überträgt.