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Initiative Transparente Demokratie

2025 gegründeter Verein, der NGO-Finanzierung kritisiert, laut LobbyControl aber vor allem progressive Organisationen ins Visier nimmt.

Bildquelle: ©Initiative Transparente Demokratie
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Über die Quelle

Die Initiative Transparente Demokratie (ITD) wurde am 22. Mai 2025 in Berlin gegründet und ist als eingetragener Verein mit Sitz in Hamburg organisiert (Initiative Transparente Demokratie: Initiative Transparente Demokratie gegründet). Der Vorstand besteht aus der Rechtsanwältin Anja Stürzl (Vorsitzende), dem Unternehmensberater Ludger Weß (Redaktion/Recherche), dem Kommunikationsberater Hasso Mansfeld, Michael Hartmann (Grundsatzreferat) und Tanja Jahnke (Community Management). Nach eigenen Angaben unterstützten mehr als zwei Dutzend Initiatorinnen und Initiatoren und rund 100 Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, Kirche und Kultur die Gründung.

Die Initiative beschreibt sich selbst als "unabhängigen und überparteilichen Verein", der die Finanzierung und das Verhalten von NGOs, Lobbygruppen und weiteren zivilgesellschaftlichen Akteuren transparent machen will, unabhängig von deren politischer Ausrichtung (Initiative Transparente Demokratie: Mission). Vorsitzende Stürzl sagte gegenüber dem Magazin Cicero, die Initiative sei nicht grundsätzlich gegen NGOs oder gegen bestimmte Organisationen gerichtet, sondern fordere unabhängig von der politischen Ausrichtung mehr Transparenz und Kontrolle (Cicero: Angriffe auf "Initiative Transparente Demokratie").

Zur eigenen Finanzierung gibt die Initiative an, vollständig privat finanziert zu sein und nicht von Unternehmen, Verbänden oder Lobbygruppen beeinflusst zu werden. Vorstand und Mitwirkende arbeiten nach eigenen Angaben ehrenamtlich, es gibt keine hauptamtlichen Mitarbeitenden. Für den Zeitraum Mai bis Dezember 2025 weist der Verein Einnahmen von 3.910 Euro aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden aus und kündigt an, Geldgeber mit jährlich mehr als 35.000 Euro namentlich zu veröffentlichen, was nach eigener Darstellung aktuell auf niemanden zutrifft (Initiative Transparente Demokratie: Transparenz).

Die Rechercheplattform Lobbypedia von LobbyControl ordnet die Initiative Kampagnen zu, die nach ihrer Einschätzung vor allem progressive Umwelt- und Antirassismus-Organisationen ins Visier nehmen, etwa solche, die über das Bundesprogramm "Demokratie leben!" gefördert werden. LobbyControl verweist darauf, dass sich Gründungsmitglied Christian Maertin, Leiter der Unternehmenskommunikation beim Agrar- und Pharmakonzern Bayer, selbst als Mitgründer der Initiative bezeichnet, obwohl Bayer regelmäßig Ziel von NGO-Kritik ist. Ebenso nennt LobbyControl Thorsten Alsleben, Geschäftsführer der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), als ursprünglich genannten Gründungsunterstützer; sein Name und der eines weiteren INSM-Mitarbeiters seien nach anfänglicher öffentlicher Nennung wieder von der ITD-Website entfernt worden. Als prominenteste Unterstützer nennt Lobbypedia die frühere CDU-Familienministerin Kristina Schröder und den früheren VW-Konzernchef Matthias Müller. Als drittes Beispiel aus dem Lobbyumfeld führt LobbyControl David Zaruk (Pseudonym "Risk Monger") an, der zuvor auf EU-Ebene für Chemieunternehmen und -verbände gegen die Chemikalienregulierung REACH lobbyierte. Zentraler Kritikpunkt von LobbyControl: Die Initiative fordere Transparenz von anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren, mache zu ihrer eigenen Finanzierung aber selbst keine überprüfbaren Angaben (Lobbypedia: Initiative Transparente Demokratie).

Auf ihrer eigenen Website reagierte die Initiative auf die LobbyControl-Kritik mit einem Beitrag, der LobbyControl in demselben zugespitzten Stil porträtiert, den die Initiative LobbyControl selbst vorwirft, und der am Ende offenlegt, welche rhetorischen Mittel dabei bewusst als Stilmittel eingesetzt wurden. Eine inhaltliche Erwiderung auf die konkreten Vorwürfe zu Maertin/Bayer oder Alsleben/INSM enthält der Beitrag nicht (Initiative Transparente Demokratie: LobbyControl, portraitiert von LobbyControl).

Faktenfackel Bewertung

Die Initiative Transparente Demokratie ist eine junge, 2025 gegründete Organisation, die sich selbst als überparteilichen Transparenz-Akteur versteht, nach der Recherche von LobbyControl aber überwiegend progressive NGOs und Antirassismus-Organisationen ins Visier nimmt und mehrere Gründungs- beziehungsweise Unterstützungsfiguren mit Industrie- und Lobbyhintergrund hat (Bayer, INSM, Chemieindustrie). Zur eigenen Finanzierung nennt die Initiative für Mai bis Dezember 2025 Einnahmen von 3.910 Euro und sagt zu, Geldgeber ab 35.000 Euro jährlich namentlich zu veröffentlichen. Eine geprüfte Aufschlüsselung oder Angaben für 2026 liegen nicht vor. Die Intransparenz-Einschätzung von LobbyControl bezieht sich ausdrücklich auf den Stand vom 10. Juni 2025 und damit auf einen Zeitpunkt, zu dem der Verein noch keine Zahlen veröffentlicht hatte. Die Initiative war bereits Hauptquelle für die Einordnung als "Dark-Money-Netzwerk" in einem Beitrag von Apollo News, die Faktenfackel als irreführend bewertet hat. Einordnungen und Recherchen der Initiative sollten deshalb als Position eines selbst nicht neutralen, öffentlich in der Kritik stehenden Akteurs gelesen werden, nicht als unabhängige Prüfung.

Fazit

Die Initiative Transparente Demokratie tritt als überparteilicher Transparenz-Wachhund auf, wird von LobbyControl aber als einseitig gegen progressive NGOs ausgerichtet beschrieben; ihre eigene Finanzierung weist sie bislang nur summarisch und ungeprüft aus. Ihre Einschätzungen zu anderen Organisationen sind entsprechend mit der gebotenen Distanz zu lesen und eigenständig zu prüfen.