Link Beschreibung
Apollo News beschreibt am 20. August 2026 die Wahlkampagne von Campact e.V. in Sachsen-Anhalt als "Dark-Money-Netzwerk" und nennt eine Gesamtsumme von mehr als drei Millionen Euro aus einem Spendenfonds, davon je 310.000 Euro an SPD und Grüne sowie rund 55.000 Euro an das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen LAMSA.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die von Apollo News genannten Zahlen sind im Kern zutreffend. Initiative Transparente Demokratie: Hart an der Illegalität beziffert den Campact-Spendenfonds "No-AfD-Fonds" für Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zusammen auf mehr als drei Millionen Euro. Im März lag das Sammelziel laut taz: Spendenaktion in Ostdeutschland (12. März 2026) zuerst bei 1,5 Millionen Euro und wurde dann auf 2,5 Millionen angehoben, bis August wuchs der Fonds auf die jetzt genannte Summe. Aus diesem Fonds erhielt das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) laut derselben taz-Recherche 55.000 Euro für Haustürgespräche; Geschäftsführer Mamad Mohamad wird dort mit der Angabe wiedergegeben, LAMSA habe das Geld bereits bekommen. Die beiden Sachspenden von je 310.000 Euro an SPD und Grüne stehen namentlich im Großspendenregister des Bundestages, weil Campact die Kampagne vorab bei beiden Parteien anzeigte und diese der sogenannten Parallelaktion nicht widersprachen.
Die Bezeichnung "anonyme Spender" besagt für den Fonds wenig. Nach § 25 Parteiengesetz muss eine Partei einen Spender erst dann mit Namen im Rechenschaftsbericht nennen, wenn dessen Zuwendungen in einem Jahr zusammen 10.000 Euro übersteigen, Einzelspenden über 35.000 Euro meldet sie sofort dem Bundestagspräsidenten, der Name und Betrag dann veröffentlicht, genau das ist bei den beiden 310.000-Euro-Zuwendungen an SPD und Grüne passiert. Für Spenden von Privatpersonen an einen Verein wie Campact gilt dagegen keine vergleichbare Offenlegungspflicht, weder bei Campact noch bei irgendeiner anderen deutschen Organisation, die sich aus vielen Kleinspenden finanziert. Dass die einzelnen Geber des Fonds nicht namentlich bekannt sind, ist damit keine Besonderheit von Campact, sondern die Regel für zivilgesellschaftliche Spendensammlungen unabhängig von der politischen Richtung.
Der Begriff "Dark Money" stammt aus dem US-Wahlrecht und bezeichnet dort Geld, dessen Herkunft gesetzlich verborgen bleiben darf: Organisationen nach Abschnitt 501(c)(4) des US-Steuerrechts dürfen unbegrenzt Spenden annehmen, ohne die Geber offenzulegen, und dieses Geld anschließend an Super-PACs weiterreichen, die selbst offenlegungspflichtig sind. Diese gesetzliche Lücke existiert in Deutschland so nicht: Die beiden 310.000-Euro-Zuwendungen stehen mit Namen im Bundestagsregister, und Campact veröffentlichte die vollständige Kostenaufstellung seiner Kampagne "Strategisch wählen" in einem eigenen Transparenzblog, bevor Apollo News den Artikel veröffentlichte. Das ist das Gegenteil von Verschleierung.
Die Initiative Transparente Demokratie, Apollos Hauptquelle für die "Dark Money"-Einordnung, ist selbst kein neutraler Beobachter. Zu den Gründungsmitgliedern der im Mai 2025 gegründeten Initiative gehören nach der Dokumentation von LobbyControl ein früherer Kommunikationschef der Bayer AG, der Geschäftsführer der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und ein Lobbyist, der für die Chemiebranche zum EU-Chemikalienrecht gearbeitet hat. LobbyControl kritisiert, dass sich die Initiative fast ausschließlich gegen progressive Umwelt- und Antirassismus-Organisationen richte, zur eigenen Finanzierung aber nichts veröffentliche. Auch die staatliche Förderung, die LAMSA für seine reguläre Integrationsarbeit vom Land erhält, gehört nicht in dieselbe Kategorie wie die Campact-Spende: Cicero: Anti-AfD-Aktion in Sachsen-Anhalt, Wahlkampf mit Steuergeld (19. August 2026) bestätigt, dass LAMSA als gemeinnütziger Verein regulär aus öffentlichen Mitteln gefördert wird, unabhängig von der einmaligen 55.000-Euro-Zahlung aus dem Campact-Fonds. Beide Geldflüsse zu einem einzigen "Dark-Money-Netzwerk" zu verschmelzen, vermischt zwei unterschiedliche Finanzierungswege mit unterschiedlichen Transparenzregeln.
Fazit
Die Einzelbeträge, die Apollo News nennt, sind zutreffend recherchiert. Die Einordnung als "Dark-Money-Netzwerk" ist dagegen irreführend: Der US-Begriff beschreibt gesetzlich gedeckte Geheimhaltung von Spenderidentitäten, während die größten hier genannten Summen namentlich im Bundestagsregister stehen und Campact seine Kampagnenkosten von sich aus offenlegte. Die Hauptquelle für die Zuspitzung, die Initiative Transparente Demokratie, wirft anderen mangelnde Transparenz vor, ohne die eigene Finanzierung offenzulegen.
