LAMSA
Dachverband von Migrantenorganisationen in Sachsen-Anhalt, gegründet 2008/2014, überwiegend staatlich finanziert.

Über die Quelle
Das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) entstand am 15. November 2008 in Dessau-Roßlau als Zusammenschluss von Migrantenorganisationen und wurde am 22. März 2014 in Magdeburg als eingetragener Verein gegründet (LAMSA: Über uns; Wikipedia: Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt). Der Dachverband ist mit Standorten in Halle (Saale), Magdeburg und Dessau-Roßlau vertreten und zählt nach eigenen Angaben rund 120 Mitgliedsorganisationen und Einzelpersonen. Höchstes Organ ist die Mitgliederversammlung, die einen bis zu siebenköpfigen Vorstand für jeweils drei Jahre wählt.
LAMSA vertritt nach eigener Darstellung die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen von Menschen mit Migrationsgeschichte in Sachsen-Anhalt, setzt sich gegen Rassismus und Diskriminierung ein und führt jährlich 25 bis 30 Projekte durch, darunter Beratung für Geflüchtete, Sprachmittlung und Unterstützung bei der Ausbildungsvermittlung. Die hauptamtliche Personaldecke wuchs von 35 Mitarbeitenden 2016 auf 78 im Dezember 2024 (Wikipedia: Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt).
Finanziert wird LAMSA überwiegend aus öffentlichen Mitteln: Land Sachsen-Anhalt, Bund (unter anderem die Bundesministerien für Familie, Inneres und Soziales) sowie EU-Fonds (AMIF, ESF) (LAMSA: Transparente Zivilgesellschaft). Im Lobbyregister des Bundestags gibt der Verein für 2025 öffentliche Zuwendungen und Mitgliedsbeiträge von zusammen rund 4,9 Millionen Euro an, davon etwa 2,4 Millionen Euro vom Land Sachsen-Anhalt, 2,3 Millionen Euro vom Bund sowie rund 0,6 Millionen Euro von Kommunen und Stiftungen (Lobbyregister des Deutschen Bundestages: LAMSA e.V.). LAMSA veröffentlicht Einnahmen-Überschuss-Rechnungen und Jahresberichte; eine detaillierte Aufschlüsselung des Gesamthaushalts ist auf der Webseite nicht öffentlich einsehbar.
Geschäftsführer war seit 2015 Mamad Mohamad, der die Organisation 2008 mitbegründet hatte. Zum 1. Juni 2026 übernahm Undra Dreßler die operative Geschäftsführung; Mohamad begleitet den Übergang nach eigenen Angaben bis Jahresende 2026 (LAMSA: Weichen für die Zukunft – Undra Dreßler übernimmt die Geschäftsführung).
Im Landtagswahlkampf 2026 in Sachsen-Anhalt erhielt LAMSA rund 55.000 Euro aus einem Spendenfonds der Organisation Campact e.V. für sogenannte Haustürgespräche gegen die AfD (taz: Spendenaktion in Ostdeutschland, 12. März 2026). Diese einmalige Zahlung ist von der regulären staatlichen Förderung für LAMSAs Integrationsarbeit zu unterscheiden (Cicero: Anti-AfD-Aktion in Sachsen-Anhalt, Wahlkampf mit Steuergeld, 19. August 2026). Diese Konstellation, staatliche Förderung, eine zusätzliche Wahlkampfspende und die gleichzeitige Kandidatur des Geschäftsführers für Bündnis 90/Die Grünen, wurde im August 2026 von Die "Alternative für Deutschland" und afd-nahen Portalen aufgegriffen, die LAMSA vorwerfen, als gemeinnütziger Verein unzulässig Parteiwerbung zu betreiben (Initiative Transparente Demokratie: Hart an der Illegalität). Diese rechtliche Einschätzung ist ein Vorwurf der jeweiligen Kritiker, keine gerichtlich festgestellte Tatsache.
Links
- LAMSA – Offizielle Website
- Wikipedia: Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt
- Lobbyregister des Deutschen Bundestages: LAMSA e.V.
Faktenfackel Bewertung
LAMSA ist ein seit 2008 aktiver und seit 2014 als eingetragener Verein organisierter Dachverband mit über einem Jahrzehnt dokumentierter Integrationsarbeit, regelmäßigen Jahresberichten und einem Lobbyregister-Eintrag, der die öffentliche Finanzierung offenlegt. Als Interessenvertretung von Migrantenorganisationen sind Aussagen von LAMSA und seinen Vertreterinnen und Vertretern als Position einer beteiligten zivilgesellschaftlichen Organisation zu lesen, wie bei jedem Verband mit klarem inhaltlichen Auftrag, nicht als neutrale Faktenquelle. Die einmalige Wahlkampfspende von Campact 2026 und die gleichzeitige Kandidatur des scheidenden Geschäftsführers für die Grünen sind ein berechtigter Anlass, Aktivitäten von LAMSA im Wahlkampfkontext 2026 sorgfältig einzuordnen. Sie sagen aber nichts über die Verlässlichkeit der langjährigen, unabhängig davon aus öffentlichen Mitteln finanzierten Integrationsarbeit des Verbands aus.
Fazit
LAMSA ist eine seit 2014 als Verein organisierte, überwiegend staatlich finanzierte Interessenvertretung von Migrantenorganisationen in Sachsen-Anhalt mit langjähriger, dokumentierter Arbeit. Ihre Aussagen sind als Verbandsposition zu Migrations- und Integrationsthemen einzuordnen; im Landtagswahlkampf 2026 ist zusätzlich die Doppelrolle des scheidenden Geschäftsführers als Grünen-Kandidat zu berücksichtigen.