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Stand: 20.04.2026

Martin Hess: Polizeiliche Kriminalstatistik zeichnet auch unter Dobrindt ein verheerendes Bild

Link Beschreibung

Pressemitteilung der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag vom 20. April 2026 zum Auftritt von Alexander Dobrindt zur PKS 2025. Martin Hess, innenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, kontert den "leichten Rückgang der Gesamtzahlen" als "trügerisch" und führt ihn primär auf die "verfehlte Legalisierung von Cannabis" zurück. Zentrale Zuspitzung: "Alle 18 Minuten wird in Deutschland ein Mensch mit einem Messer bedroht, verletzt oder getötet." Die Pressemitteilung nennt die PKS-Zahlen Mord/Totschlag (+6,5 %), Vergewaltigungen (+8,5 %), rund 29.000 Messerdelikte sowie die 2,6-fache beziehungsweise bei Gewaltdelikten vierfache Tatverdächtigenbelastung bei Nichtdeutschen – jeweils ohne methodische Kontext-Einordnung (Kontrolldelikte, Demografie, Wohnort-Effekt). Hess überholt Dobrindt von rechts und fordert einen "grundlegenden Kurswechsel" in der Migrationspolitik, die "Merkel-Fehlentscheidung von 2015" wird erneut als Ursache aktueller Probleme aufgerufen.

Faktenfackel Bewertung

Die Pressemitteilung übernimmt das Dobrindt-Framing vom 20. April und verschärft es an zwei Stellen – beide halten einem Faktencheck nicht stand:

Cannabis als Hauptursache des Rückgangs: Der BKA-Änderungsnachweis zur PKS 2025 weist zwar aus, dass Rauschgiftdelikte durch die Teillegalisierung zurückgehen. Dieser Basiseffekt erklärt aber bei weitem nicht den Gesamtrückgang von 5,6 Prozent, der sich quer durch fast alle Deliktfelder zieht (Diebstahl, Wohnungseinbruch, Straßenkriminalität, Tatverdächtige insgesamt −2,6 %, Zuwanderer −7,2 %). Auch ohne Cannabis-Effekt bliebe ein deutlicher Rückgang. Cannabis als Monokausal-Erklärung ist statistisch nicht haltbar.

"Alle 18 Minuten ein Messerangriff": Die Rechnung stimmt arithmetisch (rund 29.000 Messerdelikte pro Jahr ergeben einen Fall alle knapp 18 Minuten). Sie blendet aber aus, dass die Mehrheit dieser Fälle Bedrohungen ohne Verletzung sind, dass häusliche Kontexte einen großen Teil ausmachen und dass die Kategorie "Messerangriff" erst 2020 neu eingeführt wurde – Zeitreihenvergleiche werden dadurch systematisch erschwert.

Kontextfreie Tatverdächtigenzahlen: Hess wiederholt die 2,6-fache bzw. vierfache Tatverdächtigenbelastung bei Nichtdeutschen ohne jeden methodischen Kontext. Kontrolldelikte (§ 95 AufenthG, nur von Nicht-Deutschen begehbar), Demografie (jünger, männlicher), Wohnort-Effekt (Ballungsräume), Besuchsverkehr und Anzeigeverhalten bleiben komplett ausgeblendet. Sobald diese Faktoren kontrolliert werden, schmilzt die scheinbare Überrepräsentanz weitgehend zusammen.

Die ausführliche methodische Debunkung aller drei Aspekte steht im Faktencheck Dobrindts PKS-Framing 2026 und im Faktencheck Kriminalität bei Ausländern und Deutschen.

Fazit

Die Pressemitteilung ist irreführend: Arithmetisch korrekte Einzelzahlen werden ohne Kontext zu einer dramatisierten Erzählung verdichtet, die den statistisch belegten Rückgang der Gesamtkriminalität entwertet und ihn einseitig auf Cannabis-Legalisierung und Migration zurückführt. Die AfD-Bundestagsfraktion nutzt das Dobrindt-Framing als Aufsetzer und überbietet es mit schärferen Forderungen.