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Stand: 21.05.2026

René Springer: Deutschlands Industriearbeitsplätze werden durch Merz-Regierung zerstört

Irreführend

Link Beschreibung

Pressemitteilung der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag vom 20. Mai 2026. René Springer, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, behauptet unter Berufung auf das Statistische Bundesamt, in Deutschland seien im ersten Quartal 2026 "486.000 Arbeitsplätze verloren gegangen", davon "171.000 Stellen" in der Industrie binnen eines Jahres. Die Schuld weist er der Wirtschafts- und Energiepolitik der Bundesregierung zu.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Pressemitteilung nennt zwei Zahlen aus der Destatis-Pressemitteilung vom 19. Mai 2026, vermischt dabei aber zwei grundlegend unterschiedliche Messgrößen.

Die 486.000: nicht-saisonbereinigter Quartalswert

Die Zahl -486.000 beschreibt den nicht-saisonbereinigten Rückgang der Erwerbstätigen zwischen Q4 2025 und Q1 2026, also von einem Herbstquartal zum Winterquartal. Das Statistische Bundesamt selbst betont, dass "ein Rückgang der Erwerbstätigkeit im ersten Quartal grundsätzlich saisonal üblich ist" - Bau und andere Branchen entlassen zum Jahreswechsel routinemäßig. Saisonbereinigt, also unter Herausrechnung dieser typischen Schwankung, betrug der Rückgang laut Destatis nur 61.000 Personen (-0,1%). Springer nennt die rohe, unsaisonbereinigte Zahl ohne diesen Kontext - das lässt den Rückgang zwölf Mal größer erscheinen als die wirtschaftlich aussagekräftigere bereinigte Veränderung.

Ein wesentlicherer Vergleich ist der Jahreswert: Im Vorjahresvergleich (Q1 2026 zu Q1 2025) lag die Erwerbstätigkeit um 157.000 Personen (-0,3%) niedriger. Das ist eine reale und ernste Entwicklung - aber keine 486.000.

Die 171.000: korrekter Jahreswert, aber nur für das Verarbeitende Gewerbe

Diese Zahl ist im Jahresvergleich tatsächlich korrekt: Das Verarbeitende Gewerbe verlor laut Destatis binnen eines Jahres 171.000 Beschäftigte (-2,1%). Gleichzeitig stieg die Beschäftigung in öffentlichen Diensten, Erziehung und Gesundheit um 181.000 (+1,5%). Springer zitiert die negative Seite, unterschlägt aber die kompensierenden Entwicklungen.

Kausalität: Merz trat im Mai 2025 an - der Trend läuft seit August 2023

Springer schreibt den Rückgang der "Merz-Regierung" zu. Die Bundesregierung unter Friedrich Merz wurde am 14. Mai 2025 vereidigt. Der Rückgang der Industriebeschäftigung läuft aber nachweislich bereits seit August 2023, also noch unter der Ampel-Koalition - laut Bundesagentur für Arbeit "Monat für Monat" seit diesem Zeitpunkt. Das IAB sieht als Belastungsfaktoren die Umbrüche der industriellen Transformation, geopolitische Verwerfungen (darunter der Iran-Krieg und höhere Energiepreise) sowie den demografischen Wandel. Die deutsche Wirtschaft und der Arbeitsmarkt "entwickeln sich seit vier Jahren schwach", so das IAB - also seit 2022.

Fazit

Springer zitiert reale Destatis-Zahlen, setzt sie aber irreführend ein: Die 486.000 ist ein statistischer Saisoneffekt, der ohne Bereinigung völlig überhöht wirkt. Der tatsächliche Jahresverlust bei der Gesamterwerbstätigkeit beträgt 157.000 - immer noch ernst, aber ein Drittel der zitierten Größe. Die Kausalzuschreibung an die Merz-Regierung ignoriert, dass der Trend bereits seit über zwei Jahren vor deren Amtsantritt läuft und auf strukturelle Faktoren zurückgeht, die keine einzelne Regierung in einem Quartal ausgelöst haben kann.