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Stand: 20.05.2026

Alexander Wolf: Strom darf in Deutschland nicht Mangelware werden

Irreführend

Link Beschreibung

Pressemitteilung der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag vom 19. Mai 2026. Dr. Alexander Wolf reagiert auf ein "Repartierungsverfahren" der städtischen Hamburger Energienetze GmbH wegen Engpässen bei der Anbindung an das Übertragungsnetz. Wolf bezeichnet die Maßnahme pauschal als Beginn einer Strom-Rationierung in Hamburg und stellt sie in den Kontext der Energiewende-Politik der Bundesregierung. Tatsächlich betrifft das Verfahren laut Hamburger Energienetze Pressemitteilung vom 19. Mai 2026 ausschließlich Neuanschluss-Anfragen mit einem Leistungsbedarf über 1,5 Megavoltampere (Hochspannung/Mittelspannung), also Batteriespeicher, Rechenzentren, Power-to-Heat-Anlagen und Wasserstoff-Elektrolyseure. Bestehende Kunden sind nicht betroffen, Privathaushalte und normale Gewerbebetriebe bleiben ebenfalls ausgenommen; laut Hamburger Energienetze sind rund 99 Prozent aller Anschlussanfragen von der Umstellung unberührt.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der technische Kern von Wolfs Pressemitteilung stimmt: Die Hamburger Energienetze GmbH hat ein sogenanntes Repartierungsverfahren angekündigt, das ab dem zweiten Halbjahr 2026 greift. Hintergrund ist ein realer Kapazitätsengpass: Die Spitzenlast im Hamburger Stromnetz liegt bei 1,8 Gigawatt, laut Geschäftsführer Peter Wolffram sind in den vergangenen Monaten aber Anfragen für neue Netzanschlüsse mit einem Gesamtvolumen von rund zwei Gigawatt eingegangen. Knapp ist dabei nicht der Strom selbst, sondern die Kapazität an den Kuppelstellen zum 380-Kilovolt-Übertragungsnetz von 50Hertz Transmission, über die Strom aus dem übergeordneten Netz ins Hamburger Verteilnetz eingespeist wird - und die weiter ausgebaut werden müssen.

Die Hamburger Energienetze reagieren damit auf einen bundesweiten Trend: Vergleichbare Vergabeverfahren gibt es bereits in Berlin, Frankfurt, Bremen und Duisburg. Die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW führten zum 1. April 2026 ihrerseits ein sogenanntes Reifegradverfahren für Anträge auf Anschluss ans Höchstspannungsnetz ein - gleichfalls wegen einer massiven Überzeichnung der verfügbaren Kapazitäten, besonders durch Großbatteriespeicher und Rechenzentren.

Wolfs Formulierung "Strom wird rationiert" ist aus mehreren Gründen irreführend. Erstens betrifft die Maßnahme ausschließlich neue Netzanschlüsse für Großverbraucher über 1,5 MVA; wer bereits angeschlossen ist, bleibt unberührt. Zweitens ist nicht "der Strom" knapp, sondern die Übertragungskapazität an den Netzübergängen - ein technisch und regulatorisch grundlegend anderer Sachverhalt. Drittens blendet Wolf aus, dass das Repartierungsverfahren gerade nicht der "sozialistischen Mangelverwaltung" entspricht, die er beschwört: Es ist eine marktwirtschaftlich-regulatorische Antwort auf Überzeichnung, die das bisherige "Windhundprinzip" (wer zuerst kommt, bekommt) durch ein transparentes und diskriminierungsfreies Zuteilungsverfahren ersetzt. Der DDR-Vergleich ist rhetorische Überhöhung ohne sachlichen Gehalt.

Die Gleichsetzung des Netzengpasses mit der Energiewende-Politik der Bundesregierung ist ebenfalls selektiv: Der Engpass entsteht maßgeblich durch den Boom von Batteriespeichern und Rechenzentren, also durch eine privatwirtschaftliche Nachfrage, die direkt mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und der KI-Infrastruktur zusammenhängt. Dass Wolf im selben Statement die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 fordert, ist thematisch irrelevant für einen Verteilnetz-Kapazitätsengpass in Hamburg.

Fazit

Das Repartierungsverfahren der Hamburger Energienetze ist ein reales und nachvollziehbares Kapazitätsmanagement für neue Großanschlüsse. Wolfs Darstellung als flächendeckende "Strom-Rationierung" ist irreführend: Sie unterschlägt, dass Bestandskunden und 99 Prozent aller Anschlussanfragen unberührt bleiben, und vermischt einen technischen Netzengpass bei der Hochspannungsanbindung mit einer politischen Systemkritik, die der Faktenlage nicht standhält.