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Bill Gates

Microsoft-Mitgründer und Vorsitzender der Gates Foundation, Ziel vieler Verschwörungserzählungen und Adressat realer Kritik an ihrem Einfluss auf WHO und Gavi.

Bildquelle: ©Bill Gates
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Über die Quelle

William Henry Gates III, geboren am 28. Oktober 1955 in Seattle, gründete Microsoft 1975 zusammen mit Paul Allen, wie die Wikipedia-Biografie zusammenfasst. Er führte das Unternehmen bis Januar 2000 als CEO, bevor Steve Ballmer übernahm, zog sich 2008 aus dem operativen Geschäft zurück, blieb bis 2014 Chairman und schied laut Microsoft: Ankündigung zum Vorstandswechsel (13. März 2020) im März 2020 auch aus dem Microsoft-Verwaltungsrat aus. Nach Forbes-Schätzungen, die die Wikipedia-Biografie wiedergibt, führte er zwischen 1994 und 2014 15 Mal die Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt an, ehe ihn im Juli 2017 Jeff Bezos ablöste.

1994 entstand zunächst die William H. Gates Foundation, die laut Gates Foundation: William H. Gates Sr. von seinem Vater William H. Gates Sr. geleitet wurde. 2000 entstand aus ihrem Zusammenschluss mit der Gates Learning Foundation die Bill & Melinda Gates Foundation, gegründet gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Melinda French Gates. Nachdem Melinda French Gates im Juni 2024 laut Gates Foundation: Melinda French Gates als Ko-Vorsitzende ausgeschieden war, benannte sich die Organisation laut Gates Foundation: Pressemitteilung zum 25. Jubiläum (16. Januar 2025) in "Gates Foundation" um, mit einem Jahresbudget von 8,74 Milliarden Dollar für 2025 und einem Ausschüttungsziel von 9 Milliarden Dollar für 2026. Laut Gates Foundation: Foundation Fact Sheet lag das Stiftungsvermögen zum 31. Dezember 2025 bei rund 89 Milliarden Dollar, Geschäftsführer ist Mark Suzman, Gates selbst ist Vorsitzender des Stiftungsrats. Im Mai 2025 kündigte er laut STAT News (8. Mai 2025) an, die Stiftung bis 2045 aufzulösen und bis dahin rund 200 Milliarden Dollar auszugeben, in einer Zeit, in der sich die USA fast vollständig aus der internationalen Entwicklungshilfe zurückgezogen hatten.

Die Stiftung war 2000 Gründungspartnerin der internationalen Impfallianz Gavi und sagte laut Gavi: Spenderprofil Gates Foundation zum Start 750 Millionen Dollar für den damaligen Vaccine Fund zu. Laut Gates Foundation: Pressemitteilung zur Gavi-Zusage (24. Juni 2025) hat sie seit 2000 insgesamt 7,7 Milliarden Dollar für Gavi vorgesehen und im Juni 2025 weitere 1,6 Milliarden Dollar für die kommenden fünf Jahre zugesagt.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Gates selbst ist selten Urheber überprüfbarer Behauptungen, die in deutschsprachigen Kanälen kursieren, sondern meist deren Zielscheibe. Zwei Erzählungen tauchen immer wieder auf: Ein angebliches Zitat, wonach Impfungen "die beste Art der Bevölkerungsreduktion" seien, geht auf eine aus dem Zusammenhang gerissene Aussage aus einem TED-Talk über CO2-Emissionen von 2010 zurück. Gates sagte dort, bessere Impfstoffe und Gesundheitsversorgung könnten das erwartete Bevölkerungswachstum senken, nicht die Bevölkerung gezielt reduzieren. Correctiv (18. Mai 2018) stuft die Behauptung als falsch ein, Volksverpetzer (14. April 2020) ordnet das Zitat als aus dem Kontext gerissen ein. Eine zweite, verwandte Erzählung, ein Artikel mit dem Titel "Entvölkerung durch Zwangsimpfung" in einer Zeitung von 2011 sei von Gates verfasst worden, stammt tatsächlich von der Zeitung selbst, die ein echtes Zitat mit einer erfundenen Überschrift kombinierte; laut Correctiv (25. September 2023) tauchte sie 2023 erneut auf. Auch das Mikrochip-Narrativ, wonach Gates Geimpften Überwachungschips einpflanzen wolle, ist widerlegt: Bei den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen kursierte laut medico international (20. Juni 2020) die Behauptung, Gates wolle "uns alle zwangsimpfen und dabei gleich einen Nanochip implantieren, um uns noch besser kontrollieren zu können". Der Text ordnet das als Verschwörungsmythos ein und greift die Vorstellung von "den Mikrochips, die Gates uns einpflanzen will" später noch einmal auf, um auf reale Datenschutzfragen bei Gesundheitsdaten zu verweisen. Ein zeitweise diskutierter Vorschlag, Spritzen mit einem Chip zu versehen, sollte diesen laut PolitiFact (15. Dezember 2020) nur außen auf dem Spritzenetikett anbringen, um einzelne Dosen zu identifizieren, nicht in die Impfdosis selbst, und hätte keine Verfolgung geimpfter Personen ermöglicht; selbst die kleinsten RFID-Chips seien laut einem im Faktencheck zitierten Impfstoffforscher ohnehin zu groß, um durch eine Impfnadel zu passen. Unsere Einordnung eines NIUS-Berichts über Angela Merkel zeigt ein aktuelles Beispiel, wie eine Aussage über Gates' Einfluss auf Geberländer nachträglich in einen Corona-Kontext gerückt wird, den sie selbst nicht enthält. Auch unsere Bilanz zu Corona-Skeptiker-Prophezeiungen ordnet die Vorstellung einer "Bill-Gates-Agenda" zur Bevölkerungsreduktion anhand der Sterblichkeitsdaten als widerlegt ein.

Davon zu trennen ist reale, belegte Kritik an Gates' finanziellem Einfluss auf globale Gesundheitspolitik. Die Stiftung hat laut einer in der Fachzeitschrift BMJ Global Health veröffentlichten und von BMJ Group (28. Oktober 2025) zusammengefassten Untersuchung zwischen 2000 und 2024 in 640 Einzelzuschüssen insgesamt 5,5 Milliarden Dollar an die WHO gezahlt und war in den Jahren 2010 bis 2023 mit rund 9,5 Prozent der WHO-Einnahmen deren zweitgrößte Geldgeberin nach den USA; über 80 Prozent ihrer Zuschüsse an die WHO flossen zweckgebunden in die Bekämpfung von Infektionskrankheiten, fast 60 Prozent allein in die Polio-Ausrottung, während Bereiche wie nicht-übertragbare Krankheiten, Wasserversorgung oder allgemeine Gesundheitssystemstärkung nach dieser Auswertung jeweils unter einem Prozent der Gates-Zuschüsse an die WHO erhielten. Kritiker wie Andreas Wulf von medico international (20. Juni 2020) sehen die Stiftung zwar nicht als Ursache der Probleme der WHO, aber als Symptom einer neoliberalen Politik, zu der sie mit ihrem Verständnis von Wohltätigkeit beitrage: Sie bevorzuge marktorientierte Instrumente wie Abnahmegarantien für Impfstoffe gegenüber langfristigem, aber medienwirksam schwerer darstellbarem Aufbau von Wasser- und Gesundheitssystemen, und private Zuwendungen dieser Größenordnung unterlägen anders als staatliche Haushalte keiner demokratischen Kontrolle. Bei den WHO-Beitragszahlern 2024 lag laut einer Auswertung von Statista auf Basis von WHO-Daten (Statista: The World Health Organization's Largest Contributors, 28. Januar 2026) die Gates Foundation mit 321 Millionen Dollar auf Rang eins, vor Großbritannien (265 Millionen), der Impfallianz Gavi (257 Millionen) und Deutschland (198 Millionen). Weil die WHO den zugewiesenen US-Pflichtbeitrag für 2024 von 130,1 Millionen Dollar wegen einer Reihe von Erlassen des US-Präsidenten größtenteils als nicht einbringlich verbuchte, fielen die tatsächlich eingezogenen US-Beiträge 2024 nach derselben Auswertung auf Rang sieben mit 112 Millionen Dollar; bei vollständiger Zahlung wären die USA noch Rang vier gewesen.

Fazit

Bill Gates ist seltener Urheber, häufiger Ziel von Falschbehauptungen: Die Erzählungen zu Überwachungschips oder einer beabsichtigten Bevölkerungsreduktion durch Zwangsimpfung sind mehrfach widerlegt. Getrennt davon existiert reale, gut belegte Kritik an seiner Stiftung als einem der größten Geldgeber der WHO und Gavi, deren zweckgebundene Zuwendungen globale Gesundheitsprioritäten mitprägen, ohne der demokratischen Kontrolle staatlicher Budgets zu unterliegen. Das eine taugt nicht als Beleg für das andere.