Link Beschreibung
NIUS-Artikel vom 16. September 2026 in der Rubrik Corona. Ein inhaltlich sehr ähnlicher Bericht erschien am selben Tag in der Berliner Zeitung. Beide berufen sich auf eine Sonderfolge des Handelsblatt-Podcasts "Meckel & Matthes" vom 9. September, in der Angela Merkel auf der Digital-X-Konferenz in Köln über den Einfluss von Bill Gates und seiner Stiftung spricht. Merkel sagt dort, Gates habe "qua Geld moralischen Druck" ausgeübt, und nennt als Beispiel die Finanzierung der Impfallianz. NIUS macht daraus die Überschrift "Merkel gibt massiven Impf-Druck von Bill Gates zu!", bettet zusätzlich einen Tweet zu Gates' Auftritt in der Tagesschau 2020 ein, den NIUS als "Werbung für Corona-Impfstoff" ankündigt, und schließt mit dem Satz, die Gates-Foundation habe "in der Corona-Zeit" umfangreiche Gesundheits- und Impfstoffprogramme finanziert.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die Sonderfolge, aus der beide Berichte zitieren, drehte sich laut Handelsblatt: Merkel sieht KI als Demokratie-Bedrohung - und vermisst Aufschrei (9. September 2026) in erster Linie um die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und um Künstliche Intelligenz; der Begleittext des Handelsblatts erwähnt Gates nicht. Die folgenden Zitate stammen aus dem Video-Ausschnitt, den NIUS auf seiner Artikelseite eingebettet hat und der die entsprechende Passage des Podcasts zeigt.
Auf der Bühne der Digital-X-Konferenz in Köln erzählte Merkel der Publizistin Miriam Meckel, sie habe über die Macht privater Milliardäre nicht erst im Zusammenhang mit der heutigen KI-Debatte nachgedacht, sondern schon bei der Gründung der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung: Diese habe plötzlich über mehr Geld verfügt als die Entwicklungsetats großer Industrieländer, und Gates sei "plötzlich mindestens so freundlich von irgendeinem Regierungschef auf der Welt empfangen" worden wie sie selbst.
Ihre Aussage, Gates habe "dann auch sozusagen die Kraft gehabt, qua Geld moralischen Druck auszuüben", erläutert Merkel im unmittelbaren Anschluss an einem konkreten Beispiel: Die Impfallianz sei "eine gute Sache" gewesen, von der sie begeistert sei, doch wenn Deutschland nicht genug gegeben habe, habe die Bundesregierung "gleich schlecht" dagestanden. Gemeint ist die internationale Impfallianz Gavi, die laut Ärzteblatt: "Merkel sagt weitere 600 Millionen Euro für Impfallianz Gavi zu" (23. Januar 2020) vor allem Impfungen für Kinder in Entwicklungsländern finanziert. Merkel beschreibt also Druck auf Regierungen bei ihren Geberbeiträgen, nicht Druck auf einzelne Bürger, sich impfen zu lassen; die Impfallianz selbst bewertet sie ausdrücklich positiv. Gates habe das laut Merkel auch weitergetragen: "Und dann hat er jedem afrikanischen Regierungschef gesagt: Die Merkel, die war dieses Jahr geizig." Deutschland hatte der Impfallianz für den Zeitraum 2016 bis 2020 bereits 600 Millionen Euro zugesagt und sagte laut demselben Ärzteblatt-Bericht im Januar 2020 für die Zeit bis 2025 weitere 600 Millionen Euro zu, nachdem Gavi zuvor um eine Erhöhung auf 700 Millionen Euro gebeten hatte.
Im gesamten Video-Ausschnitt fällt weder das Wort "Corona" noch "Pandemie". Merkel beschreibt stattdessen einen Zielkonflikt zwischen Impf- und Bildungsfinanzierung in der Entwicklungshilfe allgemein. Beide Presseberichte stellen den Corona-Bezug trotzdem selbst her, in nahezu identischer Formulierung: Die Berliner Zeitung: Merkel über Bill Gates: "Er hat qua Geld moralischen Druck ausgeübt" (16. September 2026) eröffnet ihren Bericht mit dem Satz "Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel äußert sich über die Macht von Bill Gates in der Corona-Zeit", ohne Gavi, Impfallianz oder Rechtfertigungsdruck zu erwähnen; NIUS schreibt im Vorspann fast gleichlautend, Merkel habe "ungewöhnlich offen über die Macht von Bill Gates in der Corona-Zeit" gesprochen. Der NIUS-Artikel verschärft die Rahmung zusätzlich: Über die Überschrift "Merkel gibt massiven Impf-Druck von Bill Gates zu!" hinaus bettet er einen Tweet zu Gates' Tagesschau-Auftritt 2020 ein, angekündigt als "Werbung für Corona-Impfstoff", und schließt mit dem Satz, die Gates-Foundation habe "in der Corona-Zeit" Gesundheits- und Impfstoffprogramme finanziert. Die österreichische Kopie exxpress.at: "Corona: Merkel gibt massiven Impf-Druck von Bill Gates zu!" (17. September 2026) übernimmt Überschrift und Text von NIUS nahezu wortgleich.
Fazit
Die von NIUS wiedergegebenen Zitate stimmen im Wesentlichen mit dem Video-Ausschnitt überein, den der Artikel selbst zeigt; die Einordnung als Corona-Impfdruck-"Geständnis" ist irreführend. Merkel beschreibt einen Finanzierungsstreit mit Bill Gates um Geberbeiträge zur Impfallianz Gavi, also Druck auf Regierungen bei globalen Kinderimpfprogrammen, nicht Druck auf die Bevölkerung, sich gegen Corona impfen zu lassen; das Wort Corona fällt im zitierten Ausschnitt kein einziges Mal. NIUS rahmt die Aussage schon im Vorspann, per eingebettetem Tweet und im Schlussabsatz auf Corona, dazu mit der Überschrift "Merkel gibt massiven Impf-Druck von Bill Gates zu!"; die Berliner Zeitung rahmt in ihrem Vorspann ebenfalls mit "in der Corona-Zeit".
