Harald Lesch
Astrophysiker, Professor an der LMU München und Wissenschaftsmoderator im ZDF (Terra X, Leschs Kosmos)

Über die Quelle
Harald Lesch, geboren 1960 in Gießen, ist Astrophysiker. Seit 1995 ist er laut seinem Lebenslauf an der Universitäts-Sternwarte Professor für theoretische Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Außerdem lehrt er Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München. Seine Forschung gilt laut Wikipedia der kosmischen Plasmaphysik, Schwarzen Löchern und Neutronensternen. Dort heißt es auch, er sei Gutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft für Astrophysik und seit Oktober 2015 Mitglied des Bayerischen Klimarats.
Einem breiten Publikum ist er als Fernsehmoderator bekannt: erst mit "alpha-Centauri" im BR (1998 bis 2007), seit 2008 im ZDF, unter anderem mit "Terra X: Faszination Universum" und "Leschs Kosmos". Dazu kommt der YouTube-Kanal "Terra X Lesch & Co". Zu seinen Auszeichnungen zählen der Deutsche Fernsehpreis (2018 und 2020) und das Verdienstkreuz 1. Klasse (2023). Eine Parteizugehörigkeit ist nicht belegt.
Politisch angreifbar machte er sich vor allem durch klare Aussagen zu Klima und Energie. Nach seiner Kritik am Wahlprogramm der AfD 2016, in dem der menschengemachte Klimawandel bestritten wird, erhielt er laut Wikipedia Hassmails, und AfD-Anhänger beschwerten sich bei der LMU. 2019 äußerte er sich kritisch zu Lithium-Ionen-Elektroautos und korrigierte diese Einschätzung 2022.
Links
- Wikipedia: Harald Lesch
- Hochschule für Philosophie München: Harald Lesch
- Universitäts-Sternwarte München: Lebenslauf
Faktenfackel Bewertung
Lesch ist eine fachlich ausgewiesene Quelle für Astrophysik, Plasmaphysik und die physikalischen Grundlagen des Klimawandels. Energietechnik, Kosten und Marktfragen gehören nicht zu seinem Fachgebiet, hier sollten seine Aussagen an Primärdaten geprüft werden. Das zeigt der aktuelle Streit um seine Kernkraft-Äußerungen: Sein Satz "Niemand, der bei Verstand ist, baut heute noch Kernkraftwerke" ist eine Wertung, keine Behauptung, dass nirgends gebaut wird. Für diese Wertung spricht viel: Die großen Neubauprojekte der vergangenen Jahrzehnte in Europa und den USA sind deutlich teurer und später fertig geworden als geplant. Flamanville 3 in Frankreich ging laut französischem Rechnungshof mit zwölf Jahren Verspätung in Betrieb und kostete 23,7 Milliarden Euro statt der ursprünglich veranschlagten 3,3 Milliarden (Journal de l'économie, 15. Januar 2025). Olkiluoto 3 in Finnland ging mit mehr als 13 Jahren Verspätung ans Netz. Für Hinkley Point C in Großbritannien verschob EDF den Start von 2027 auf frühestens 2029, die Kosten stiegen auf bis zu 46 Milliarden Pfund (Euronews, 25. Januar 2024). Die beiden neuen Blöcke in Vogtle in den USA wurden rund sieben Jahre zu spät und etwa 17 Milliarden Dollar über Budget fertig.
Auch beim Wasser liegt er nicht ganz falsch, vermischt aber Hitzeauflagen mit Wassermangel. Details dazu stehen in der Prüfung des NIUS-Vorwurfs.
Fazit
Lesch ist als Wissenschaftserklärer überwiegend verlässlich, sollte aber bei Aussagen außerhalb der Astrophysik nicht ungeprüft übernommen werden. Den Vorwurf der Desinformation stützt die Kernkraft-Debatte nicht. Bei Energiefragen spricht er aber nicht als Fachmann, und das gilt für Lob wie für Kritik an seinen Aussagen.