Link Beschreibung
Marcant erklärt in einem Interview-Ausschnitt, warum er dem Begriff "Schuldkult" widerspricht und stattdessen von persönlicher Verantwortung spricht. Er berichtet von Gesprächen mit AfD-Anhängern auf Demos, die das KZ-System relativieren oder leugnen, und setzt dem eine eigene Definition von Verantwortung entgegen: nicht Schuld für die Taten der Väter und Großväter, sondern Verantwortung dafür, heute nicht wegzuschauen und ähnliche Systeme zu unterstützen.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Begriff "Schuldkult" ist ein rechtsextremes Kampfvokabular, das darauf abzielt, die deutsche Erinnerungskultur an den Nationalsozialismus zu delegitimieren. Laut Wikipedia: Schuldkult wird der Begriff seit den 1990er Jahren von der Neuen Rechten und der AfD verwendet, um Gedenkkultur als aufgezwungenes kollektives Schuldgefühl umzudeuten. Die Amadeu Antonio Stiftung dokumentiert, wie die AfD den Begriff systematisch einsetzt, um historische Verantwortung zu verneinen. Eine Studie, die der Tagesspiegel referiert, zeigt zudem, dass der von der AfD behauptete "Schuldkult" empirisch nicht belegt ist.
Marcants Unterscheidung zwischen individueller Schuld und kollektiver Verantwortung entspricht dem Mainstream der deutschen Erinnerungspolitik und Geschichtswissenschaft. Sein Argument, dass nicht das Schweigen der Vorfahren vererbt wird, sondern die Verantwortung, heute nicht wieder wegzuschauen, ist eine verbreitete und vertretbare Position.
Dass ein Gesprächspartner auf Marcants Frage, ob es Konzentrationslager gab, keine Antwort geben wollte, ist ein inhaltlich bedeutsamer Moment im Clip. Laut dem Verfassungsschutzbericht 2023 des BMI gehören Relativierung und Leugnung des Holocaust zu den typischen Erscheinungsformen des Rechtsextremismus.
Fazit
Marcant setzt dem rechtsextremen "Schuldkult"-Narrativ eine sachlich zutreffende Unterscheidung zwischen individueller Schuld und gesellschaftlicher Verantwortung entgegen. Der Clip enthält keine falschen Tatsachenbehauptungen; es handelt sich um eine Meinungsäußerung, die mit der wissenschaftlichen und politischen Mehrheitsmeinung zur deutschen Erinnerungskultur übereinstimmt.
