Link Beschreibung
Maurice Höfgen kritisiert Philipp Amthors Position, wonach Steuersenkungen für Unternehmen und Spitzenverdiener die Wirtschaft so stark ankurbeln würden, dass sie sich selbst finanzieren. Höfgen bezeichnet dies als unhaltbar und belegt es mit konkreten Zahlen.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Höfgen zeigt zwei Argumentationsstränge.
Erstens: Die Verteilungswirkung. Amthor behauptet im Video, die Steuerpläne der Union kämen "nicht irgendwie nur einzelnen zugute", sondern der Volkswirtschaft insgesamt. Höfgen hält dem die Berechnungen des Steuerexperten Stefan Bach vom DIW Berlin entgegen. Laut Bachs Analyse der Steuerreformvorschläge der Parteien (DIW Aktuell, 2025) würde das gesamte CDU/CSU-Steuerpaket (110,6 Mrd. € pro Jahr) zu gut der Hälfte (ca. 51 Prozent) den reichsten 10 Prozent der Bevölkerung zugutekommen, während die untere Hälfte lediglich rund 11 Prozent der Entlastung erhält. Betrachtet man nur die Einkommensteuer-Tarifreform, fällt die Konzentration zugunsten von Spitzenverdienern noch deutlicher aus: Von den rund 7 Milliarden Euro Entlastung gingen laut DIW-Daten allein 65 Prozent an das oberste Einkommensperzent. Höfgen erklärt, warum das keinen Nachfrageimpuls erzeugt: "Die Top 10 Prozent geben diese 5,6 Milliarden, die sie dann an zusätzlichem Einkommen haben würden jedes Jahr, nicht erneut aus und tragen die in die Geschäfte, sondern die haben eine hohe Sparquote, weil die ja schon längst genug verdienen, die legen es auf die Seite und damit fließt das Geld eben nicht wieder in die Wirtschaft."
Zweitens: Die Selbstfinanzierungsthese. Amthor behauptet im Video: "Wir sind fest davon überzeugt, dass Steuersenkungen und richtige Steuereformen, wenn man sie angeht, dazu führen werden, dass es nicht Steuermindereinnahmen gibt." Höfgen zitiert dagegen direkt aus einer gemeinsamen Studie der Stiftung Familienunternehmen und des IW Köln (Februar 2024): "Eine komplette Selbstfinanzierung von Steuersenkungen wird in der Profession ausgeschlossen." Das IW ist in diesem Punkt also auf Höfgens Seite.
Höfgen nennt als zweiten Beleg eine IW-Berechnung zum "Investitionssofortprogramm" der Bundesregierung (IW-Kurzbericht 60/2025, Juli 2025): Diese würden bis 2029 rund 46 Milliarden Euro an Steuereinnahmen kosten. Die dadurch ausgelösten Effekte (16 Milliarden mehr Investitionen, 29 Milliarden mehr Wirtschaftsleistung) brächten bei einer Steuerquote von 25 Prozent lediglich rund 7 Milliarden Euro an Mehreinnahmen zurück. Ergebnis laut Höfgen: "Für die hat man aber ja vorher 46 Milliarden ausgegeben, bleibt also ein fettes Minus." Die genannten IW-Zahlen sind plausibel im Rahmen gängiger fiskalischer Multiplikatoren und decken sich mit der öffentlich bekannten Grundaussage beider IW-Publikationen.
Höfgens Schluss: "Philipp Amthor hat also entweder keine Ahnung oder er lügt, ohne rot zu werden."
Fazit
Höfgens Kernaussagen sind gut belegt: Die Einkommensteuerreformpläne der Union begünstigen laut DIW-Berechnungen überproportional Spitzenverdiener, und selbst das arbeitgebernahe IW schließt eine vollständige Selbstfinanzierung von Steuersenkungen aus. Amthors Behauptung, es werde keine Steuermindereinnahmen geben, widerspricht dem wirtschaftswissenschaftlichen Konsens.
