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Stand: 28.03.2026

Sina Reisch zum Polizeieinsatz in Gießen auf der Bundesstraße

Link Beschreibung

Sina Reisch wirft der hessischen Polizei und Innenminister Poseck vor, den Einsatz auf der B49 in Gießen vom 29. November 2025 nachträglich mit falschen Angaben zur Androhung von Zwangsmitteln zu rechtfertigen.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Das Instagram-Reel ist eine direkte Reaktion auf die öffentliche Debatte um den Polizeieinsatz am 29. November 2025 auf der B49 bei Gießen, bei dem Beamte mit Schlagstöcken gegen eine Anti-AfD-Demonstration vorgingen. Sina Reisch war als Aktivistin vor Ort und lässt im Video zwei weitere Zeugen zu Wort kommen: Fotojournalist Timo Krügener und Gewerkschaftssekretär Christian Kall. Beide bestätigen, keine vorherige Ankündigung oder Androhung von Zwangsmitteln wahrgenommen zu haben.

Der Kern der Aussage, dass der Einsatz ohne formell angekündigte Zwangsmittelandrohung erfolgte, ist durch mehrere unabhängige Berichte und einen CORRECTIV-Faktencheck gestützt: In keinem der vorliegenden Videos ist eine entsprechende Durchsage zu hören, und die Polizei konnte auf Anfrage keine Belege für eine solche Ankündigung liefern. Innenminister Roman Poseck hatte den Einsatz unter Berufung auf den Polizeieinsatzbericht als rechtmäßig verteidigt und behauptet, es habe eine Androhung gegeben. Laut hessenschau.de erklärte ein Polizeisprecher Ende Dezember 2025 allerdings, die Aufforderung zum Stehenbleiben sei "ohne technische Unterstützung" erfolgt, also ohne Lautsprecherdurchsage.

Correctiv-Faktencheck zum Einsatz | hessenschau: Poseck zu Polizeieinsatz | hessenschau: Streit um Polizeieinsatz

Reisch greift zusätzlich den Fall des Linkspartei-Abgeordneten Namstin Nguyen auf, der bei den Protesten in Riesa im Januar 2025 von der Polizei bewusstlos geschlagen worden sein soll. Sie zitiert aus einem Brief, wonach die Ermittlung nur auf Aussagen von vier beteiligten Polizistinnen gestützt worden sei und den Abgeordneten selbst nicht befragt habe. Dieser Teil des Videos ist ein eigenständiges Argument, das im Video selbst nicht mit einem Quellenbeleg belegt wird.

Das Video ist klar aktivistisch und zeigt eine einseitige Perspektive: Die Polizei kommt nicht zu Wort, und Reischs Schlussfolgerungen gehen über das hinaus, was die Beweislage eindeutig hergibt, etwa wenn sie pauschal fragt, was "abgeht, wenn die Polizei auf Leute schießt oder sogar Menschen ermordet". Dennoch ist die Kernbehauptung, fehlende förmliche Zwangsmittelandrohung, sachlich gut fundiert und durch externe Recherchen bestätigt.

Die Staatsanwaltschaft Gießen ermittelt nach Angaben der hessenschau gegen zwei Polizeibeamte wegen des Vorwurfs der Körperverletzung im Amt.

Fazit

Sina Reischs Kernvorwurf, dass beim Polizeieinsatz auf der B49 in Gießen keine förmliche Androhung von Zwangsmitteln erfolgte und Innenminister Poseck dies mit dem Einsatzbericht falsch dargestellt hat, ist durch unabhängige Berichte und einen CORRECTIV-Faktencheck plausibel gestützt. Die aktivistische Rahmung des Videos und die weitreichenden Schlussfolgerungen zu Polizeigewalt im Allgemeinen sind zu unterscheiden von der konkret belegbaren Kernaussage. Ein laufendes Ermittlungsverfahren wird das Bild weiter klären.