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Stand: 12.08.2026

Giersch nennt RKI-Hitzetotenzahlen pseudowissenschaftlichen Humbug

Es ist grotesk, aber das RKI kann den sogenannten 'Hitzetod' nicht nachweisen. [...] Das ist pseudowissenschaftlicher Humbug.

In einer Pressemitteilung der AfD-Bundestagsfraktion vom 12. August 2026 äußerte sich Alexis Giersch zu den RKI-Zahlen zur hitzebedingten Mortalität:

Als Bürger sollte man erwarten können, dass das RKI aus seiner unrühmlichen Rolle während der Corona-Jahre gelernt hat, die durch die Veröffentlichung der RKI-Protokolle zweifelsfrei nachgewiesen ist. Offenbar ist dem aber nicht so. Erneut werden Sterbefälle einem politischen Narrativ folgend eingeordnet. Das RKI lässt sich erneut vor den Karren der Regierung spannen, indem es mit Phantasiezahlen Angst und Schrecken verbreitet.

Es ist grotesk, aber das RKI kann den sogenannten "Hitzetod" nicht nachweisen. Stattdessen, so beschreibt es das ZDF, werden die "hitzebedingten Sterbefälle" mit statistischen Methoden einfach geschätzt. Das ist pseudowissenschaftlicher Humbug.

Quelle: AfD-Bundestagsfraktion: Hitzetote dürfen nicht instrumentalisiert werden (12. August 2026)

Faktenfackel Bewertung

Die Beobachtung am Anfang stimmt, der Schluss daraus nicht. Hitze wird auf Totenscheinen fast nie als Todesursache eingetragen, weil sie nur selten allein zum Tod führt und meist über bestehende Vorerkrankungen wirkt. Genau deshalb bleibt nur die statistische Schätzung, und das Robert-Koch-Institut schreibt das in seinem Wochenbericht selbst hin: "Stattdessen müssen statistische Methoden angewendet werden, um das Ausmaß hitzebedingter Sterbefälle abzuschätzen." Wie das geschieht, legt der Bericht ebenfalls offen. Der Sterbefallverlauf wird zweimal modelliert, einmal mit und einmal ohne Hitzeeffekt, und "die geschätzte Anzahl hitzebedingter Sterbefälle ergibt sich aus der Differenz zwischen der modellierten Anzahl von Sterbefällen mit und ohne Hitze". Für 2026 nennt der Bericht 12.500 Fälle mit einem Unsicherheitsbereich von 11.200 bis 13.600, und er rundet ausdrücklich auf die Zehnerstelle, "um den Schätzcharakter zu betonen" (RKI: Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität). Ein Verfahren, das seine eigene Unsicherheit beziffert und seine Rechenschritte offenlegt, ist das Gegenteil von "Phantasiezahlen".

Auch die Berufung auf das ZDF trägt den Vorwurf nicht. Der Sender beschreibt genau dieses Vorgehen, allerdings neutral erklärend statt abwertend: "Weil es sich bei der Berechnung um ein statistisches Modell handelt, ergibt sich ein Unsicherheitsbereich" (ZDFheute: RKI meldet Hitzetote im aktuellen Sommer). Die Wörter "einfach" und "Humbug" stammen nicht aus der Berichterstattung, auf die sich Giersch beruft, sondern von ihm selbst. Er übernimmt eine sachlich korrekte Beschreibung und dreht sie durch eigene Zusätze ins Diskreditierende.

Die zweite Behauptung, die "unrühmliche Rolle" des RKI in der Corona-Zeit sei durch die RKI-Protokolle "zweifelsfrei nachgewiesen", hält ebenfalls nicht. Der zentrale Vorwurf, das Institut habe seine Risikobewertung im März 2020 auf politischen Druck von außen hochgestuft, ist laut einem Faktencheck von Mimikama unbelegt und irreführend: Hinter der viel zitierten geschwärzten Stelle steht ein RKI-Mitarbeiter, kein politischer Auftraggeber, und die Hochstufung fiel mit dem damaligen exponentiellen Anstieg der Fallzahlen und der WHO-Pandemieerklärung zusammen (Mimikama: RKI-Files-Skandal? Ein Faktencheck). Unabhängig davon sagt die Bewertung der Corona-Kommunikation nichts über die Qualität des Hitzemortalitäts-Monitorings aus. Das Zitat verknüpft beides, um dem RKI ein durchgehendes Muster zu unterstellen.

Die ausführliche Prüfung der gesamten Pressemitteilung, einschließlich des Verweises auf kältebedingte Sterbefälle und der als Beleg angeführten Auskunft einer "Künstlichen Intelligenz", steht bei der Bewertung der Pressemitteilung selbst.