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Christina Baum

AfD-Bundestagsabgeordnete, Zahnärztin, Direktmandat im Wahlkreis Harz (Sachsen-Anhalt), zuvor MdL Baden-Württemberg 2016-2021

Bildquelle: ©Dr. Christina Baum/Fotodienst Bundestag
Bildquelle: ©Dr. Christina Baum/Fotodienst Bundestag

Über die Quelle

Christina Baum, geborene Sauser (* 21. März 1956 in Kleingrabe, Thüringen), ist Bundestagsabgeordnete der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag. Sie ist Zahnärztin, promovierte 1990 an der Universität Würzburg und betreibt seit 1992 gemeinsam mit ihrem Mann eine Zahnarztpraxis in Lauda-Königshofen. Politisch saß Baum von 2016 bis 2021 für die AfD im Landtag von Baden-Württemberg und ist seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages; bei der Bundestagswahl 2025 gewann sie das Direktmandat im Wahlkreis Harz in Sachsen-Anhalt. Sie ist Mitglied im Gesundheitsausschuss und stellvertretendes Mitglied im Unterausschuss Globale Gesundheit.

Faktenfackel Bewertung

Politische Einordnung und Glaubwürdigkeit

Baum wird laut Tagesspiegel und Volksstimme im Verfassungsschutz-Gutachten als Schlusselfigur des völkisch-rechten Flügels der AfD eingeordnet und ist eine der in der verfassungsschutzrechtlichen Debatte am häufigsten genannten Funktionärinnen. Recherchen der Stuttgarter Zeitung und des Tagesspiegels dokumentieren, dass Baum den Grünen einen "schleichenden Genozid am deutschen Volk" durch deren Migrationspolitik vorwirft. Die Formulierung fiel im Januar 2015 auf einem AfD-Landesparteitag in Karlsruhe während ihrer Bewerbung um den Landesvorsitz und ist seither wiederholt öffentlich gefallen. Dieselbe Linie umfasst Aussagen zu einem "geplanten Austausch der deutschen Bevölkerung durch Migranten" und Warnungen, "spätestens unsere Urenkel" würden "Kopftücher tragen". In einem Facebook-Post schrieb Baum laut dem Verfassungsschutzbericht 2024 außerdem: "Wir sollen unterwandert und unterworfen werden." Daneben hat sie ein "Wahlrecht nach Abstammung" gefordert. Laut Volksstimme wird Baum im über 1.100-seitigen Verfassungsschutz-Gutachten besonders häufig namentlich zitiert, nahezu so oft wie nur Björn Höcke und Maximilian Krah.

Bereits im Dezember 2014 nahm Baum laut Mosbach gegen Rechts an einer Demonstration des Pegida-Ablegers "Wügida" in Würzburg teil. 2016 zählte sie nach der "Gedeon-Affäre" zu der Minderheit, die den Holocaustleugner Wolfgang Gedeon weiter in der baden-württembergischen AfD-Landtagsfraktion halten wollte und nicht der Meuthen-Mehrheit folgte, die die Fraktion zeitweise verließ.

Querdenken und COVID-Rhetorik

Während der COVID-Pandemie trat Baum als Rednerin bei Querdenken-Demonstrationen auf. Beim Auftakt von "Querdenken-722-Bühl" am 10. Oktober 2020 war sie nach übereinstimmender Berichterstattung der Badischen Neuesten Nachrichten und der Kontext-Wochenzeitung die einzige offizielle Rednerin. Sie relativierte dabei die Gefahr des Coronavirus, beklagte einen "Überwachungsstaat", den sie aus der DDR kenne, und bezeichnete die AfD als einzige echte Opposition. Im Januar 2023 protestierten in Heidelberg laut Kommunalinfo Mannheim Bürger gegen einen weiteren Querdenker-Auftritt Baums.

Diese Linie setzt sie als gesundheitspolitische AfD-Stimme parlamentarisch fort: Im April 2026 zeichnete sie eine kleine Anfrage (BT-Drs. 21/5215) zu Schwellenwerten der Pharmakovigilanz mit; auf Basis dieser Anfrage veröffentlichte die AfD-Fraktion am 28. April 2026 eine Pressemitteilung, die das System der COVID-Impfsicherheitsüberwachung pauschal als versagend darstellt. Faktenfackel hat die Pressemitteilung als irreführend bewertet, weil das Paul-Ehrlich-Institut während der Impfkampagne mehrfach öffentlich auf Risikosignale reagierte (AstraZeneca-Aussetzung März 2021, STIKO-Altersbeschränkung April 2021, Myokarditis-Hinweise für mRNA-Impfstoffe).

In einer Anhörung der Corona-Enquetekommission am 20. März 2026 schloss Baum sich laut AfD-Pressemitteilung der Aussage eines geladenen Toxikologen an, der die Impfkampagne als "Menschenversuch" bezeichnete. Baum erklärte dazu: "Das war ein Menschenversuch. Die mRNA-Präparate wurden in Rekordzeit mit nur unzureichenden Tests zugelassen und an Milliarden Menschen erprobt." Der Deutschland-Kurier, ein Propagandaportal im AfD-Umfeld, verbreitete diese Aussage unter der Schlagzeile "Lauterbachs Menschenversuche dürfen nicht vertuscht werden!" weiter, was Baum nicht korrigierte.

Kontroversen

Im März 2025 löste Baum mit einem Post auf X einen überparteilichen Shitstorm aus, indem sie Cem Özdemir anlässlich der Spitzenkandidatur zur Baden-Württemberg-Landtagswahl als "Sultan Özdemir" bezeichnete und ihn als ersten "muslimischen Ministerpräsidenten" ankündigte. Laut Volksstimme und Harz News erhielt der Post tausende kritische Kommentare. Selbst der Hamburger AfD-Vorsitzende Krzysztof Walczak distanzierte sich öffentlich und bezeichnete den Post laut Schwäbischer Zeitung als "beschämend und ehrlos". Baum verteidigte den Post dennoch.

Auf abgeordnetenwatch.de verweigert Baum die Beantwortung der Frage, ob sie sich selbst als rechtsextrem einordne, was sie laut einem Volksstimme-Interview aus dem Jahr 2025 als "Zensur" durch abgeordnetenwatch bezeichnet.

Reichweite

Baum betreibt eine Facebook-Seite mit über 23.000 Likes und ist auf X (ehemals Twitter) unter @baummdl aktiv. Ihre parlamentarischen Initiativen werden regelmäßig von AfD-nahen Portalen wie dem Deutschland-Kurier verbreitet, der ihr wiederholt eine Plattform für unbelegte Anschuldigungen über die COVID-Impfkampagne bietet.

Fazit

Christina Baum ist eine der am gründlichsten dokumentierten Vertreterinnen des völkisch-rechten Spektrums innerhalb der AfD. Ihre Glaubwürdigkeit als Gesundheitspolitikerin leidet darunter, dass sie fachliche Argumente konsequent im Dienst einer verschwörungsnahen Pandemie-Erzählung einsetzt, legitime wissenschaftliche Sachfragen mit Delegitimierungsrhetorik ("Menschenversuche", "Überwachungsstaat") verbindet und rassistische Provokationen setzt, die sie anschließend als sachliche Kritik umdeutet.