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Stand: 07.11.2026

Kickl bebildert Krawallnacht mit Osterfeuer aus Zypern

Irreführend

Link Beschreibung

Facebook-Reel von Herbert Kickl vom 1. November 2026, rund 15 Sekunden lang. Der Begleittext spricht von angezündeten Barrikaden, Sprengkörpern, Plünderungen und Molotowcocktails "in der vergangenen Nacht in vielen europäischen Städten". Das Video beginnt mit einer hohen Flammensäule vor Wohnhäusern, laut dpa und Mimikama ein Osterfeuer aus Limassol auf Zypern vom Mai 2024.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Kickl veröffentlichte das Reel am 1. November 2026 auf seiner verifizierten Facebook-Seite, laut einem Archiv des Beitrags vom 3. November hatte es zu dem Zeitpunkt rund 583.000 Aufrufe. Im Begleittext schreibt er, was "in der vergangenen Nacht in vielen europäischen Städten" geschehen sei, grenze "an pure Zerstörungswut". Berlin, Deutschland oder die Proteste der Gen Z nennt er nicht. Gemeint ist erkennbar die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November, in der in Deutschland Zehntausende demonstrierten (zum Hintergrund unser Artikel Gen-Z-Proteste: Erst Panik, dann Schuldige ohne Beleg).

Der Anfang des Videos zeigt eine hohe Flammensäule vor einem Wohnhaus. Aus dieser Nacht stammt es nicht. Die dpa kam in ihrem Faktencheck bei GADMO zu dem Ergebnis, das Video zeige ein Osterfeuer auf Zypern im Jahr 2024. Spätestens seit dem 5. Mai 2024 lag es demnach auf TikTok vor, das orthodoxe Osterfest fiel damals auf Anfang Mai. Ein Abgleich mit Street-View-Aufnahmen ordnet das Feuer dem Viertel Agios Nicolaos in Limassol zu. Zum selben Ergebnis kommt Mimikama: Das Feuer brennt bei der Kirche St. Nicholas in Limassol, der ursprüngliche TikTok-Beitrag stammt von einem lokalen Account und ist vom 5. Mai 2024. Beide Faktenchecks bewerten die Behauptung, das Video zeige Krawalle in Berlin, als falsch. Dieselbe Falschzuordnung verbreitete sich laut Mimikama auch auf X, etwa mit der übersetzten Beschriftung "Wie schön Berlin ist ..." am 1. November 2026. Die dpa nennt ausdrücklich auch Kickl als jemanden, der das Osterfeuer zur Bebilderung der Proteste in Deutschland nutzte.

Wichtig ist, was die Prüfung nicht aussagt. In der Protestnacht gab es laut dpa in Berlin Ausschreitungen und Zusammenstöße mit der Polizei, darunter Flaschen-, Böller- und Eierwürfe, aber kein Feuer in der Größe aus dem Video. Auch Mimikama hält fest, dass die Prüfung nichts darüber sagt, ob es Ausschreitungen gab. Kickls Text spricht von "vielen europäischen Städten", meint also mehr als Berlin. Woher die übrigen Szenen des Reels stammen (Menschen vor einem Ladeneingang, eine Person, die nachts etwas über eine Straße trägt, Vermummte), ist offen. Dazu liegt keine Prüfung vor.

Der übrige Begleittext ist politische Deutung, etwa die Aussage, "Radikale Gruppen aus dem Migrantenmilieu und gezielt agierende linksextreme Akteure" überzögen Städte mit Gewalt, verbunden mit der Forderung nach einem "Systemwechsel". Für die Herkunft der Täter nennt der Beitrag keine Belege. Weitere Falschmeldungen rund um die Protestnacht hat CORRECTIV geprüft, etwa zu einem KI-manipulierten Bild einer geplünderten Ladenzeile in Berlin und zu angeblich massenhaften Kleinanzeigen für einzelne Schuhe.

Fazit

Das Reel ist irreführend. Die Eröffnungsszene, ein Osterfeuer aus Limassol von 2024, wird als Beleg für die Gewalt der vergangenen Nacht präsentiert und zeigt sie nicht. Dass es in der Nacht Ausschreitungen gab, bestreiten die Faktenchecks nicht, ein Feuer wie im Video gab es in Berlin aber nicht. Kickl vermeidet zwar die ausdrückliche Ortsangabe, die Bildauswahl legt aber nahe, das Video zeige, wovon er spricht.