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Stand: 24.08.2026

Chrupalla: Für mich war das ein ganz normaler Sommer

Falsch

Link Beschreibung

Im ARD-Sommerinterview vom 23. August 2026, geführt von Markus Preiß im Rahmen von "Bericht aus Berlin", bezeichnet Tino Chrupalla die Debatte über Hitzetote und Waldbrände als Panikmache und sagt über die zurückliegenden Monate: "Für mich war das ein ganz normaler Sommer." Den menschlichen Anteil am Klimawandel hält er "für wirklich sehr gering", den Klimawandel gegenüber der Rente für "graduell ein Nebenthema".

Faktenfackel Bewertung

Herkunft dieser Prüfung

Das Interview selbst war für diese Prüfung nicht einsehbar, weder bei tagesschau.de noch bei daserste.de oder in der ARD-Mediathek. Der Wortlaut stammt deshalb aus einem Bericht der Nachrichtenagentur dts, der unter der verlinkten Adresse vollständig gelesen wurde. Alle Belege unten stammen aus Quellen, die für diese Prüfung im Original geöffnet wurden.

Was gemessen wurde

Der Satz ist als persönlicher Eindruck formuliert, richtet sich aber gegen gemessene Werte. Deshalb lässt er sich prüfen.

Der Juni 2026 war laut der Monatsbilanz des Deutschen Wetterdienstes mit einem Mittel von 19,5 °C der zweitwärmste seit Aufzeichnungsbeginn, 3,1 Grad über dem Mittel der Referenzperiode 1991 bis 2020 und 4,1 Grad über dem der Periode 1961 bis 1990. Der Wetterdienst spricht von einer "außergewöhnlich intensiven und anhaltenden Hitzewelle". In deren Verlauf fiel der deutsche Allzeitrekord. Der Juni-Bericht nennt noch den vorläufigen Wert von 41,7 °C, gemessen am 28. Juni in Neißemünde-Coschen. Nach der Qualitätsprüfung korrigierte der DWD den Rekord auf 41,8 °C in Möckern-Drewitz vom 27. Juni: Die Station hatte acht Minuten lang keine Daten gesendet, und genau in diese Lücke fiel der Höchstwert (t-online, 3. Juli 2026). Der Juli folgte mit 19,7 °C, 2,8 Grad über 1961 bis 1990.

Dazu kommt die Trockenheit. Der DWD hielt am 6. August fest, dass die Böden in Teilen Deutschlands "ungewöhnlich stark ausgetrocknet" seien und dass der Zeitraum von Anfang November bis Ende Juli "seit 1882 nur zwei Mal trockener" ausfiel. Im Süden waren die Böden trockener als in den Dürrejahren 2018 und 2022.

Die Hitzetoten, die er Panikmache nennt

Am deutlichsten wird der Abstand bei den Sterbefällen. Das Robert-Koch-Institut schätzt in seinem Bericht vom 20. August für das Jahr 2026 bis zur Kalenderwoche 32 rund 14.000 hitzebedingte Sterbefälle, mit einem Unsicherheitsbereich von 12.500 bis 15.300. Allein auf die besonders heiße Kalenderwoche 26 Ende Juni entfallen davon etwa 9.600.

Damit liegt 2026 über jedem Jahr, das diese Zeitreihe erfasst. Zum Vergleich: Für 2018 und 2019 schätzt das Institut jeweils gut 7.000 Fälle, für 2020 sowie 2022 bis 2024 jeweils rund 3.000, für 2016, 2017 und 2021 zwischen 1.200 und 2.000. Der Anstieg war schon während des Sommers absehbar, unsere Quellenlinks zu den Wochenberichten dokumentieren ihn: 6.830 Fälle bis Kalenderwoche 27 und 9.800 bis Kalenderwoche 29.

Ein bekanntes Muster

Der Vorwurf der Panikmache trifft bei der AfD regelmäßig genau diese Zahlen. Der Faktencheck Hitzetote als Panikmache? zeichnet nach, wie die RKI-Schätzungen zunächst als erfunden abgetan und dann zu Impfschäden umgedeutet wurden. Der AfD-Abgeordnete Alexis Giersch nannte sie Phantasiezahlen. Chrupallas Formulierung ist die mildere Variante desselben Musters: Nicht die Methode wird bestritten, sondern der Anlass.

Fazit

Die Behauptung ist falsch. Der Sommer 2026 war nach den Messungen des Deutschen Wetterdienstes und den Schätzungen des Robert Koch-Instituts in keiner Hinsicht normal: zweitwärmster Juni seit Aufzeichnungsbeginn, neuer deutscher Allzeitrekord, eine der drei trockensten Novemberzeiträume seit 1882 und die höchste Zahl geschätzter hitzebedingter Sterbefälle seit Beginn dieser Auswertung. Dass Chrupalla den Satz mit "für mich" einleitet, macht ihn nicht zur bloßen Geschmacksfrage: Er setzt ihn gegen die Zahlen, um sie als Panikmache abzuräumen.