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Stand: 02.04.2026

AfD behauptet Kernkraftstrom koste 3 Cent pro kWh

Link Beschreibung

Bundestagsdebatte vom 19. März 2026 über den AfD-Antrag zur Rücknahme des Atomausstiegs (Drucksache 21/4749). AfD-Abgeordneter Dr. Paul Schmidt forderte die Wiederzulassung der zuletzt abgeschalteten Kernkraftwerke Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim 2 sowie Brokdorf und verwies auf den Kernkraftausstieg als Fehler. Im Kontext der Kostenfrage behauptete die AfD-Fraktion, Kernkraftstrom koste lediglich 3 Cent pro Kilowattstunde.

Die Linke-Abgeordnete Mareike Hermeier bezeichnete dies als "glasklare Desinformation": "Die AfD und ihre atompolitischen Fans erzählen gerne etwas von drei Cent pro Kilowattstunde. Bei Atomstrom liegt der Mittelwert bereits bei 31,3 Cent pro Kilowattstunde, und die Spanne reicht bis zu 50 Cent" - Entsorgungskosten nicht eingerechnet. Solarenergie liege bei 4,6 Cent, Windenergie bei 6,3 Cent; neuer Atomstrom wäre damit fast siebenmal teurer als erneuerbare Energien.

Der Antrag wurde zur weiteren Beratung an den Ausschuss für Wirtschaft und Energie überwiesen.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die 3-Cent-Behauptung der AfD ist falsch. Die Fraunhofer-ISE-Studie "Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien" (Juli 2024) nennt für neu zu bauende Kernkraftwerke Gestehungskosten von 13,6 bis 49,0 Cent/kWh - das sind die günstigsten bis ungünstigsten Szenarien. Selbst der Minimalwert von 13,6 Cent liegt mehr als viermal über dem AfD-Wert von 3 Cent.

Internationale Referenzprojekte bestätigen dieses Bild: Das britische Kernkraftwerk Hinkley Point C kommt laut britischem CFD-Register auf über 16,7 Cent/kWh bei Inbetriebnahme 2027 - und das bei großzügigen Annahmen. Der Lazard LCOE+ Report 2024 veranschlagt für Kernkraft-Neubau in den USA bis zu 222 USD/MWh (rund 20 Cent/kWh). In diesen Zahlen sind Entsorgungskosten und Endlagerung ebenfalls nicht enthalten.

CDU/CSU-Abgeordneter Dr. Klaus Wiener erwähnte in derselben Debatte "Strom zu Grenzkosten von zwei bis drei Cent" - damit meinte er jedoch nicht den Neubau von Kernkraftwerken, sondern die variablen Betriebskosten bereits abgeschriebener, laufender Anlagen. Dieser Wert ist für die Frage nach einem Wiedereinstieg in die Kernkraft irrelevant, da alle in Deutschland abgeschalteten Anlagen zunächst teuer reaktiviert oder neu gebaut werden müssten.

Zum Vergleich liegen die Gestehungskosten von Onshore-Wind bei 4,3 bis 9,2 Cent/kWh und von PV-Freiflächenanlagen bei 4,1 bis 5,0 Cent/kWh - laut derselben Fraunhofer-Studie die günstigsten Technologien unter allen Kraftwerksarten.

Fazit

Die AfD-Behauptung, Kernkraftstrom koste 3 Cent/kWh, ist klar widerlegt. Alle verfügbaren Studiendaten zu Kernkraft-Neubau liegen mindestens vier- bis zehnmal höher - Solar- und Windstrom sind erheblich günstiger.

Verwendungen

Faktenchecks