Link Beschreibung
Die AfD-Fraktion hat im Bundestag einen Antrag eingebracht, das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) neu auszurichten, unter dem Titel "Deutschland braucht mehr Kinder". Die erste Lesung fand am 7. Mai 2026 ab 12:30 Uhr statt, gefolgt von einer einstündigen Debatte. Parallel wurde ein Antrag einer weiteren Fraktion zu einem "Nationalen Aktionsplan für eine familienfreundliche Gesellschaft" debattiert.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) wurde 1973 gegründet, hat seinen Sitz in Wiesbaden und erarbeitet wissenschaftliche Grundlagen für die Politikberatung des Bundes zu Fragen des demografischen Wandels. Forschungsschwerpunkte sind Familie und Fertilität, Migration und Mobilität, Alterung sowie Bildung. Martin Bujard ist Forschungsdirektor am BiB. Das Institut untersteht dem Bundesinnenministerium.
Der AfD-Antrag fordert eine grundlegende Neuausrichtung: Das Familienministerium soll in "Bundesministerium für Familie und Bevölkerungsentwicklung" (BMFB) umbenannt werden. Das BiB soll zum "Bundesinstitut für Deutsche Bevölkerungsentwicklung" umgeformt und dem neuen BMFB unterstellt werden. Der Personalbestand soll von rund 75 auf 800 wissenschaftliche Mitarbeiter mehr als verzehnfacht werden. Die Forschungsschwerpunkte sollen künftig auf Familie und Fertilität, Stadt- und Landraum sowie "demografische Ziele für ein jüngeres Deutschland" beschränkt werden; das bisherige Forschungsfeld "Migration und Mobilität" soll gestrichen werden.
Die AfD begründet dies damit, Einwanderung könne Deutschlands demografische Probleme nicht lösen und schaffe "neue Probleme". Stattdessen solle das Institut eine "aktivierende Bevölkerungspolitik" betreiben. Diese Rahmung entspricht dem Muster, das die AfD-Fraktion in zahlreichen Initiativen verfolgt: Die Partei spricht von einer "demografischen Katastrophe" und positioniert Geburtenrückgang als nationales Notstandsproblem, das durch "einheimische" Geburten, nicht durch Zuwanderung, zu lösen sei.
Tatsächlich ist die Geburtenentwicklung in Deutschland problematisch: Destatis meldet für 2025 rund 654.300 Geburten, 3,4 Prozent weniger als 2024 und der niedrigste Wert seit 1946. Die Geburtenziffer lag 2024 bei 1,35 Kindern je Frau. Laut Destatis-Bevölkerungsvorausberechnung könnte die Bevölkerung um ein Viertel schrumpfen, selbst wenn die Geburtenrate sofort auf Ersatzniveau stiege, ohne dass Zuwanderung dies abfedert.
Der Vorschlag, Migrationsforschung aus dem BiB herauszustreichen, widerspricht dem Stand der Demografie: Bevölkerungsentwicklung ist ohne Migration nicht vollständig zu erfassen. Das Vorhaben, ein wissenschaftliches Institut auf "aktivierende Bevölkerungspolitik" auszurichten und das Adjektiv "deutsch" in den Institutsnamen aufzunehmen, wird von Kritikern als Versuch einer völkisch motivierten Umdeutung gewertet; Sozialismus.de legt diese Einordnung im Kontext rechtsextremer Demografie-Rhetorik ausführlich dar.
Über das Abstimmungsergebnis im Bundestag lagen zum Zeitpunkt der Erstellung noch keine Informationen vor; der Antrag befand sich nach der ersten Lesung in der Ausschussberatung.
Fazit
Der AfD-Antrag greift eine reale demografische Herausforderung auf, zieht daraus aber ideologisch verengte Schlüsse: Das Streichen von Migrationsforschung aus dem BiB und die Umbenennung zu einem "Bundesinstitut für Deutsche Bevölkerungsentwicklung" stehen im Widerspruch zum wissenschaftlichen Stand und werden von Kritikern als völkisch motivierte Umdeutung eingeordnet.
