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Stand: 16.09.2026

Morddrohung gegen Charlotte Knobloch im Englischen Garten

Link Beschreibung

Medieninformation des Polizeipräsidiums München vom 11. September 2026 (Nr. 1355, "Staatschutzrelevantes Delikt - Englischer Garten"). Am Mittwoch, 9. September, gegen 15 Uhr bemerkte eine Zeugin eine Schmierschrift auf einer Parkbank und einem Mülleimer im südlichen Teil des Englischen Gartens, eine persönliche Drohung gegen ein Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde. Das Kriminalfachdezernat 4 ermittelt wegen Bedrohung und Sachbeschädigung. Einen Namen nennt die Polizeimeldung nicht.

Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern bestätigte laut t-online, dass es sich bei der namentlich genannten bedrohten Person um ihre Präsidentin Charlotte Knobloch handelt. Die Drohung habe laut einer von t-online zitierten Sprecherin in explizitem Zusammenhang mit dem Wahlsieg der Die "Alternative für Deutschland" in Sachsen-Anhalt gestanden.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Den Wortlaut der Schmierschrift veröffentlichte die Polizei nicht. Die Abendzeitung zitiert ihn unter Berufung auf die Polizei: "Die AfD hat gewonnen, morgen hängen wir die Knobloch." Beim Datum gehen die Angaben auseinander: Die Abendzeitung nennt als Fundzeit Donnerstag gegen 13.10 Uhr, die Polizei datiert den Fund in ihrer Meldung auf Mittwoch, 9. September, gegen 15 Uhr. Die JTA folgt dem Polizeidatum.

Charlotte Knobloch, 93 Jahre alt, ist Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und war laut Wikipedia von 2006 bis 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Nach der Drohung sagte sie ihre Teilnahme an einer für den Abend geplanten Podiumsdiskussion im Gasteig mit dem Autor Ronen Steinke ab; die Veranstaltung fand mit verschärften Sicherheitsvorkehrungen ohne sie statt.

Stephan Protschka, Landesvorsitzender der AfD Bayern, schrieb der Jewish Telegraphic Agency (JTA) am 15. September per E-Mail, er verurteile die Morddrohung uneingeschränkt. Man nehme sehr ernst, dass die Schmierschrift ausdrücklich auf den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt Bezug nehme. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) fragte laut JTA öffentlich, wie viele weitere Morddrohungen, wie viel NS-Rhetorik und wie viele weitere Abschiebeankündigungen es noch brauche, bevor die Bundesregierung Schritte zu einem AfD-Verbot einleite. Der Sprecher der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS), Felix Balandat, bezeichnete den Fall laut JTA als ungewöhnlich: Die explizite Verbindung von Drohung, Parteibezug und einem konkret benannten Ziel sei so bislang nicht dokumentiert worden.

Knobloch selbst hatte sich bereits nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt am 6. September entsetzt gezeigt. Dass Rechtsextreme in Deutschland wieder auf diese Art Wahlen gewinnen, hätte sie sich "in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können", schrieb sie laut Abendzeitung, und weiter: "Ich sage ganz offen: Das macht mir Angst."

Fazit

Die Faktenlage zur Tat selbst ist dünn: Die Polizei nennt weder Täter noch Motiv, nur den Fundort und den Ermittlungsansatz. Ziel und Wortlaut der Drohung geben Abendzeitung und JTA übereinstimmend unter Berufung auf die Polizei wieder, die JTA dokumentiert außerdem die Reaktionen von AfD-Landeschef Protschka und Oberbürgermeister Krause. Wer die Schmierschrift anbrachte, ist bislang unbekannt, die Ermittlungen des Staatsschutzes laufen.